FOC: Frida (Drama, Baby!)

 

Der Volksmund sagt, irgendwann müsse sich jede Frau entscheiden, ob Ziege oder Kuh. Frida hatte sich entschieden: Sie war ganz Kuh. Ihr Sohn Edgar erblickte das Licht der Welt als Latinokälbchen unter der Sonne der Karibik im Norden der größten Antillen-Insel Kuba. Er war der Augapfel seiner Mutter, ihr Liebstes, ihr ganzer Stolz und der einzige Sinn ihres Lebens.

Edgar war meistens hungrig und Frida stets bemüht, ihn satt zu bekommen. Es waren die schweren Zeiten der „periódo especial“ auf Kuba und Lebensmittel waren knapp. Doch Frida hätte lieber selbst gehungert, als ihren Liebling unversorgt zu lassen.

Frida und ihr Sohn Edgar in glücklichen Tagen
Frida und ihr Sohn Edgar in glücklichen Tagen

 

Edgars Augen leuchteten, sie strahlten Lebendigkeit und Feuer aus. Wenn er jemanden treuherzig anblickte, so war es um den geschehen. Man erfüllte ihm jeden Wunsch.

Seine Augen waren allerdings das einzig Treue an ihm.

Die Jahre der Kindheit vergingen wie im Flug und Edgar reifte allmählich zu einem jungen und attraktiven Stier heran. Er hatte gelernt zu verführen, aber er war auch verführbar. So sehr beeindruckten ihn die Geschichten aus dem Norden, dass die Sehnsucht nach den Vereinigten Staaten von Amerika immer größer wurde.

Eine Tages teilte er seiner Mutter den Entschluss mit, in der kommenden Neumondnacht auf einem selbst gebauten Floß zusammen mit einigen Kumpels die gefährliche Reise über das Meer nach Florida antreten zu wollen.

Frida erstarrte. Ihr kleiner Edgar wollte das Dorf verlassen? Die Insel sogar und, schlimmer noch: seine Mutter!

Sie versuchte mit allen Mitteln, ihn zum Bleiben zu bewegen. Doch vergebens. Sein Entschluss stand fest. Als all ihr Zureden nichts half, spielte sie sogar mit dem Gedanken, ihn bei der Polizei zu denunzieren: lieber hätte sie ihn im Gefängnis gewusst als in der großen weiten Welt! Doch nein, sie hatte so viel Schreckliches von den kubanischen Gefängnissen gehört. Das konnte sie ihm unmöglich antun. Lieber wollte sie sterben. Doch hoffte sie noch auf ein Umdenken.

Umsonst.

Am nächsten Morgen fand Frida sein Bett unbenutzt und leer. Eine kleine Notiz lag auf dem Kopfkissen. Frida spürte nur noch Leere und einen brennenden Schmerz. Ihr Herz war gebrochen.

Sie entwickelte – in der Sprache der Psychiater – eine mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom. Das hieß: sie lachte nicht mehr, sie schlief nicht mehr, sie aß nicht mehr.

Eigentlich war sie nicht mehr.

Frida saß den ganzen Tag am Strand und blickte wartend auf das Meer hinaus. Doch ihr kleines Kälbchen kam nicht zurück.

Cuba7
Fridas Blick gen Florida

 

Sie wollte so lange in der Sonne sitzen bleiben und nicht essen noch trinken, bis sie irgendwann muh-mifiziert wäre. Wenn ihr Edgar dann eines Tages, von Sehnsucht nach seiner Mama getrieben, übers Meer nach Hause käme, sollte er sie so vorfinden: vor Gram verhungert und verdurstet. Weinend sollte er vor ihrer Muh-mie auf die Knie fallen und den Geist seiner Mutter und die Götter um Vergebung bitten. Das waren ihre Fantasien vom masochistischen Triumph, während Frida am Strand saß und auf’s Meer blickte.

So ging das Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat und schließlich fast ein Jahr. Bald war sie tatsächlich nur noch ein elendes Häuflein Fell und Knochen. Ihre Freundinnen konnten das Elend nicht mehr mit ansehen. Sie berieten sich und eines Tages brachten sie die willen- und wehrlose Frida in die Berge der Sierra de Escambray. Dort, im Regenwald, wohnte El Ciervo Blanco Sabio, der Weise Weiße Hirsch. Er war ein Babalao, ein Hohepriester der Santería, von der man munkelt, sie sei in Wahrheit die kubanische Sektion der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung.

„CBS Coaching y Consulta“[1] stand auf dem glänzenden Schild an seiner Tür. Ihre Freundinnen schoben sie in die Wohnung des geheimnisumwitterten Mannes. Klopfenden Herzens trat sie ein.

Hier wohnt der CBS
Hier wohnt der CBS

 

„Was führt Dich zu mir?“ fragte der Weise Weiße Hirsch freundlich. Frida erzählte ihre Geschichte. Zuerst stockend, dann immer flüssiger. Sie fing an bei Edgars Geburt, wie sie ihn trockengeleckt hatte, erinnerte sich an seine Zeit als Milchkalb, wenn er hungrig an ihren Zitzen gezerrt hatte, über seine spätere Kindheit, den ersten Schultag, wie hübsch er in seiner roten Schuluniform ausgesehen hatte, bis hin zur Pubertät, als er allmählich schwieriger wurde und gelangte schließlich zum Tag seines Aufbruchs. Am Ende ihrer Erzählung brach sie in Tränen aus. „Er fehlt mir so sehr!“ schloss Frida und verfiel in Schweigen.

Der Weise Weiße Hirsch blickte Frida mit einem zugekniffenen Auge an. Dann warf er schweigend das Ifá-Orakel und schließlich sagte er ruhig: „Dein Schmerz ist unermesslich.“

Frida wollte sich gerade verstanden fühlen, da erweckte sie der zweite Satz des Priesters wie ein Peitschenhieb: „Deine Dummheit aber auch.“

Frida riss die Augen auf. Der Hirsch fuhr fort: „Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm: Dein selbstsüchtiger Kalbskopf von Sohn ist das Produkt seiner ebenso selbstsüchtigen Mutter-Kuh! Was sprichst Du immer nur von Dir! Als wüsstest Du nicht, dass jedes Kalb sich irgendwann von seiner Mutter lösen und seinen eigenen Weg gehen muss! Das ist nun mal der Lauf der Welt und wenn Du versuchst, ihn aufzuhalten, dann wirst Du ganz sicher unglücklich werden. Oder verhungern. Also versuche es lieber nicht. Wenn Dein Edgar sein Glück im Norden finden will, dann geh und bete für ihn, wenn Du ihn wirklich liebst!“

Der Priester packte das Orakel wieder ein. Das Gespräch war beendet.

Frida ging hinaus zu ihren Freundinnen. Die blickten sie fragend und neugierig an. Eine ging hinein, um das Finanzielle mit dem CBS zu regeln. Die Freundinnen hatten für diesen Tag gesammelt und gespart. Im Sozialismus funktioniert der Zusammenhalt zwischen den Menschen eben noch besser als in der Überflussgesellschaft.

Auf dem Rückweg in ihr Dorf sagte Frida kein Wort. Es war, als hätte sie nach dem Appetit und dem Schlaf nun auch noch die Sprache verloren.

Zuhause angekommen verbrachte sie eine durchwachte Nacht am Strand. Gegen Morgen stieg eine immer größere Wut in ihr auf. Zunächst Wut auf den Weisen Weißen Hirsch: „Esoteriker!“ fluchte sie. „Besserwisser! ¡Hijo de puta![2] Du hast leicht reden!“ Dann Wut auf ihren Edgar, der sie verlassen hatte, nachdem sie alles für ihn gegeben und getan hatte! Erst stand sie auf und schrie gegen die Brandung, als wollte sie noch in Florida gehört werden. Dann kletterte sie auf eine Palme und schleuderte einige Kokosnüsse zu Boden. Die nächsten Tage wütete sie am Strand. Eine Kokosnuss nach der andern zerquetschte sie mit bloßen Hufen, bis der Sand übersät war von den zermatschten Früchten.

Der CBS bringt Frida auf die Palme
Der CBS bringt Frida auf die Palme

 

Doch allmählich, ganz allmählich verwandelte sich ihre blinde Wut in gezielte Tatkraft. Vorbei waren die Tage, an denen sie regungslos vom Strand auf’s Meer gestiert hatte. Frida begann, sich ein neues, eigenes Leben aufzubauen. Sie nahm eine Teilzeitstelle in der Nachmittagsbetreuung einer Ganztagsgrundschule an. Sie lernte Englisch. Und zwar richtig gut. Bald las sie Hemingway im Original. „Wer weiß, wofür ich das einmal gebrauchen kann“, sagte sie zu ihren Freundinnen. Frida begann wieder zu schlafen, zu essen und eines Tages konnte sie auch wieder lachen. Es war ein anderes Lachen als früher, aber ein Lachen.

Der Weise Weiße Hirsch hatte sein Ziel erreicht.

Edgar hatte es übrigens tatsächlich geschafft, trockenen Fußes auf amerikanischem Boden anzukommen. So erhielt er als angeblich politisch verfolgtes kubanisches Kalb automatisch ein Aufenthaltsrecht. Er lernte die Sprache mit einiger Mühe und schlug sich als Sänger in einem Nachtclub in Miami und als Begleiter einsamer Damen durch. Seine Spezialität waren Lieder von Frank Sinatra auf Spanisch, obwohl er dafür eigentlich noch viel zu jung war. Seine einschmeichelnde Stimme, sein Augenklimpern, sein überaus maskuliner Akzent und sein treuer Blick brachten ihm Erfolg bei den Frauen. Genau genommen tat er jetzt das Selbe, was viele seiner Kumpels auf Kuba früher mit den älteren kanadischen Touristinnen getan hatten: zuzwinkern, anbaggern, melken, entsorgen.

Eine ganze Weile ging das gut. Dann geriet er eines Nachts aufgrund seines karibischen Temperaments vor der Tür des Clubs in eine Auseinandersetzung mit dem Anführer einer Drogengang. Als lateinamerikanischer Machote[3] konnte er sich vor seiner Begleiterin keine Blöße geben. Es kam zum Kampf, den er besser vermieden hätte, wenn sein Hirn nicht so von Testosteron vernebelt gewesen wäre. Ein Streifschuss erwischte ihn. Zwar kam er dank des beherzten Eingreifens von Crockett und Tubbs gerade noch mit dem Leben davon, doch musste er aus Florida verschwinden. Per Anhalter schlug er sich nach Kalifornien durch.

Dort verlor sich seine Spur.

 

[1] Coaching und Beratung
[2] Hurensohn
[3] Machote = großer Macho

FOC: Zita aus München

 

Zitas Leben war nicht immer leicht gewesen. Nach dem frühen Tod ihres Gatten Markus hatte sie sich und die Kälber allein versorgen müssen. Der Gatte hatte ihr außer dem alten Mercedes nicht viel hinterlassen. Er war das, was man in München einen „Hallodri“ nannte. Während er tagsüber als „selbständiger Unternehmer“, wie er stets betonte, mit seinem abgerockten Mercedes-Taxi unterwegs war, machte er nebenbei hier und da nicht nur das ein oder andere halblegale Geschäftchen, sondern auch die ein oder andere eher weniger zarte Bekanntschaft klar. Er stand auf handfeste Weiber. Wenn Rücksitze Geschichten erzählen könnten, wäre sein Fahrzeug erst ab 18 freigegeben gewesen. Vielleicht hing es mit diesen nicht unbedingt altersentsprechenden Turnübungen in der Enge seines Fahrzeugs zusammen, dass Porno-Markus, wie ihn die Kollegen nannten, unter einem chronischen Rückenschmerzproblem litt, das viel zu seiner – besonders bei Föhn-Wetterlagen – chronisch schlechten Laune beitrug.

Reichtümer waren im Taxi-Gewerbe nicht zu verdienen. So blieben Zita von ihrem notorisch untreuen Gatten nach dessen jähem Unfalltod – er war bei einem seiner nächtlichen Streifzüge durch die Münchner Rotlichtbars in betrunkenem Zustand von einer Straßenbahn erfasst und vierzig Meter weit mitgeschleift worden – nicht viel mehr als eine alte Rolex dubioser Herkunft mit durch den Aufprall gebrochenem Glas aber intakter Schweizer Präzisionsmechanik und natürlich besagter Mercedes. Sowie, vielleicht das Wertvollste von allem, die Taxi-Lizenz.

Zita nahm sich nicht viel Zeit zum Trauern. Sie streifte die Rolex mit dem gebrochenen Glas über und erwarb in kürzester Zeit die Erlaubnis zur Personenbeförderung. Schließlich mussten die Kälber ernährt werden. Aufgrund ihrer Tatkraft, ihres ebenso robusten Auftretens wie ihrer hohen Sensibilität hatte sie sich im Kreis der wenigen deutschstämmigen Taxifahrer bald einen festen Platz erobert. Die Zita, so hieß es, war eine patente Person. Und schließlich auch die Witwe vom Porno-Markus, den der öffentliche Nahverkehr das Leben gekostet hatte. Ob damit die Straßenbahn gemeint war oder die Nutte, die ihn so besoffen gemacht hatte, blieb dabei der Fantasie des Zuhörers überlassen.

Zita am Steuer ihres Mercedes
Zita am Steuer ihres Mercedes

 

Das Taxi-Gewerbe war schon damals in München ein hartes Brot. In den letzten Jahren hatten immer mehr ausländische Chauffeure Lizenzen erworben. Sie arbeiteten mit allen Tricks. Jeder gegen jeden jagten sie sich gegenseitig die Fahrgäste ab. Doch Zita hatte sich bald einen treuen Kundenstamm aufgebaut. Viele reiche alte Kühe aus den besseren Stadtteilen, die sich von ihr zum Arzt oder ins Café fahren ließen, wo sie, nach ein paar zusätzlichen Insulin-Einheiten, mächtige Sahnetorten verspeisten und sich gegenseitig von ihren Arztbesuchen berichteten. Einige Geschäftsleute waren auch dabei. Hier gab es lukrative Fahrten zum damals noch neuen Flughafen im Erdinger Moos.

Zita fuhr tagsüber, so lange die Kälber noch in der Schule waren. Die Nacht war nichts für sie. Zu viele Betrunkene, auf die sie leicht gereizt reagierte, wie auf ihren Markus. Ein oder zwei Mal hatte sich das hochgeschaukelt und nur dank des beherzten Eingreifens von Kollegen konnte eine Eskalation zum Schaden der Fahrgäste vermieden werden. Zita hatte nämlich nach dem Tod ihres Gatten nicht nur den Personenbeförderungsschein erworben, sondern auch einen Selbstverteidigungskurs gemacht. Krav Maga für Kühe. Die einzige Regel: Erlaubt ist, was wirkt. Ein gezielter Stich mit dem Huf ins Auge, ein Schienbeinkantenschlag auf den Kehlkopf. Ein Knie ins Gemächt. Hauptsache plötzlich und unerwartet. Wie die Straßenbahn bei Porno-Markus.

Zita hat große Brüste und breite Hüften, die durch ihre sitzende Tätigkeit allmählich noch ausladender geworden waren, was ihr aber im Zweikampf auch eine größere Stabilität verlieh. Dennoch wurde Zita älter und die langen Arbeitszeiten zehrten an ihr. Immer häufiger machte sie sich Gedanken über eine mögliche Alternative zum harten Taxigeschäft.

Im September fand der alljährliche Kongress der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes wiederum in München statt. Es kamen Teilnehmer aus der ganzen Republik. Ärzte, die sich auf Kosten der Pharmaindustrie ein paar schöne Tage in der heimlichen Hauptstadt machten. Für Zita bedeutete das: viele lukrative Fahrten vom Flughafen in die Stadt und viele interessante Gespräche mit ihren Fahrgästen. Sie lernte viel über die Volkskrankheit Rückenschmerz. Ihr Markus hatte das Problem ja auch gehabt, so konnte sie ein wenig mitreden. Jedenfalls wurde ihr klar: Kongress hin, Pharmaindustrie her, eine Lösung gab es für die Krankheit nicht und es bestand eine immense Nachfrage nach alternativen Therapiemethoden.

Als Taxifahrerin wusste sich Zita Zutritt zu den meisten geschlossenen Veranstaltungen zu verschaffen und so besuchte sie an einem freien Vormittag den Kongress. Beim Wandern durch die Industrieausstellung im Foyer stieß sie auf den Stand einer Heilpraktikerschule. Sie kam mit den Damen dort ins Gespräch und informierte sich ausführlich. Gesucht wurden Menschen mit Lebenserfahrung und einem Hang zu ebenso irrationalen wie hartnäckigen Überzeugungen. Zita, die schon manchem aufgeregten Fahrgast das Leben mit den Bachblütennotfalltropfen aus dem Handschuhfach gerettet hatte, fasste einen Entschluss, den sie mit der ihr eigenen Konsequenz umsetzte. Die Kälber waren mittlerweile aus dem Haus und es war Zeit für eine Veränderung.

Sie ließ sich eine Weile krankschreiben, besorgte sich ein Attest von ihrem Hausarzt und ging damit zum Arbeitsamt, wo sie eine Umschulung beantragte, die ihr auch anstandslos genehmigt wurde, da die Behörde gerade mal wieder Geld übrig hatte, wenn auch nicht für sinnvolle Maßnahmen.

Zita absolvierte eine Ausbildung zur feinstofflichen Heilpraktikerin nach der Göthertschen Methode, weil sie festgestellt hatte, dass die meisten Menschen umso lieber an eine Methode glauben, je blödsinniger sie ist. Und wenn jemand chronisch krank ist, klammert er sich sowieso an jeden Strohhalm.

Nach erfolgreich abgelegter Prüfung verkaufte sie die Taxi-Lizenz und den Mercedes und hatte damit einen Grundstock für die Einrichtung ihrer eigenen Praxis beisammen. „Zita Gschaftlhuber, Heilpraktikerin (staatl. anerk.)“, stand auf ihrem Praxisschild. Die beste Marketing-Armada, die man sich denken kann, machte 24 Stunden am Tag Werbung für sie: ihre ehemaligen Taxifahrer-Kollegen. Wenn die einen Krankentransport erledigten, erzählten sie ihren Fahrgästen von den sagenumwobenen Heilkräften ihrer patenten Ex-Kollegin.

So dauerte es nicht lang und Zita hatte keine Termine mehr frei. Die Schmerzgeplagten standen vor ihrer Tür Schlange. Zita beriet, schröpfte, nadelte, injizierte. Erlaubt ist, was wirkt. Was beim Krav Maga funktionierte, konnte in der Heilkunst nicht verkehrt sein. Sie liquidierte stets in bar, am Ende jeder Behandlung, denn man wusste ja nie, wie lange einer noch zu leben hatte. Und wie man Schwarzgeld macht, das hatte sie schließlich beim Taxifahren gelernt.

Zita war fleißig, geschäftstüchtig und verdiente nicht schlecht. Bald konnte sie das zerbrochene Glas in Markus‘ Uhr ersetzen lassen. Mit ein bisschen Wehmut dachte sie an die gemeinsamen Zeiten zurück. Ach, dachte sie, wenn ihr Markus das noch miterlebt hätte, er wäre bestimmt sehr stolz auf sie gewesen. Andererseits, wenn er damals nicht gestorben wäre, hätte sie niemals ihre eigene Praxis eröffnet.

Mit diesen Überlegungen gab sie sich einen Ruck und blickte unter ihren allmählich silbern gewordenen Haaren wieder nach vorn.

In eine goldene Zukunft.