Carmen am Bosporus (Juni – Dezember 2013)

13. Juni 2013   Carmen in der Türkei

Carmen steht mit Gasmaske auf dem Taksim-Platz und klappert zur Unterstützung der Demonstranten mit den Kastagnetten. Präsident Eunerpan verbittet sich jede Einmischung des Auslandes. Gleichzeitig verspürt er bei Carmens Anblick eine seltsame Hitze aus der Körpermitte aufsteigen. Er lädt Carmen zu „Sondierungsgesprächen“ in den Präsidentenpalast nach Ankara ein.

Stummer Protest auf dem Taksim-Platz
Stummer Protest auf dem Taksim-Platz

 

14. Juni 2013

Carmen reist nach dem Freitagsgebet in die türkische Hauptstadt und trifft sich mit Eunerpan.

Cärmen mit Köpftüch
Cärmen mit Köpftüch

 

17. Juni 2013   Seitenwechsel

Carmen hat die Seite gewechselt! Nach dem Gespräch mit Eunerpan am Freitag hat sie die Nuklearsprengköpfe gegen Tränengasgranaten ausgetauscht und fliegt jetzt Einsätze gegen die Demonstranten. Begründung: „Er hat mir ein Angebot gemacht, das ich nicht ablehnen konnte.“ Das Tränengas hat sie in Syrien erworben, wo sie unter Hinweis auf die Verwendung in der Türkei 5% Sofortrabatt erhielt. Am Abend fühlt sich unsere kleine Doppelagentin irgendwie korrupt bis ins Euter.

 

29. Oktober 2013

Carmen ist gestern Abend mal wieder nach Istanbul geflogen, zu einem kleinen informellen Treffen mit Ministerpräsident Eunerpan bevor heute der neue Eisenbahn-Tunnel unter dem Bosporus eingeweiht wird.

Im Lauf des Abends werden sie bei einer Flasche Raki immer alberner, bis ihm Carmen etwas in Ohr flüstert. Seine Augen weiten sich und er sagt grinsend: „Schaffst Du nicht!“ Carmen: „Schaff ich wohl!“ – Eunerpan: „Schaffst Du nicht!“ – Carmen: „Schaff ich doch!“ – Eunerpan: „Wetten schaffst Du nicht?“ – „Carmen: „Ok, was krieg ich?“ – Eunerpan: „Kriegst ein Orden!“ – Carmen: „Abgemacht!“

Der Abend wird lang und am Ende gelingt es Carmen nur mit großer Mühe, den anhänglichen Regierungschef auf Distanz zu halten.

Am Morgen hat sich eine große Menschenmenge auf beiden Seiten des Tunnels versammelt. Auf der europäischen Seite steht ein Zug bereit, der auf der asiatischen Seite von einer Delegation hochrangiger Regierungsmitglieder und Militärs erwartet wird. Da hört man am Himmel ein Brummen, das schnell näher kommt. Alle gucken hoch und sehen, wie Carmen in der Drohne mit geöffnetem Panorama-Glasschiebedach auf den Eingang des Tunnels zusteuert. Aus dem Drohnenradio tönt Tarkan. Die Frauen kreischen. Die Männer halten die Luft an. Carmen fliegt zielsicher in den Tunnel hinein. Nach zwei Minuten kommt sie auf der anderen Seite wieder heraus. Die Spitzen der Flügel sehen ein wenig zerkratzt aus, aber sonst ist alles heil. Carmen landet knapp neben dem Festplatz, steigt aus und geht mit wiegendem Schritt zu Eunerpans Tribüne.

Eunerpan ergreift ihren Huf und verleiht ihr mit gesetzten Worten den neu geschaffenen Sabiha-Gökcen-Orden für die mutigste Kampffliegerin des Jahres. Als er ihr den Orden anheftet, streift seine Hand wie zufällig Carmens Euter. Lasziv flüstert er ihr ins Ohr: „Oh Carmen, ich hab schon wieder steif. Kommst Du nachher in mein Wohnung in Palast?“

Carmen lächelt staatsmännisch in die Kameras, verbeugt sich kurz und antwortet mit einem festen Blick in seine Augen: „Mission impossible!“

In diesem Sinne: Tun wir nur, was wir wirklich wollen und lassen uns dafür am Ende auch noch einen Orden verleihen.

 

11. Oktober 2013

12:00 Uhr Der Friedensnobelpreis 2013 geht an die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW). Das Nobel-Komitee verweist auf den aktuellen Anlass der Chemiewaffen-Vernichtung in Syrien. Die Ereignisse in Syrien hätten die Notwendigkeit unterstrichen, „die Bemühungen zur Beseitigung dieser Waffen zu verstärken“, begründet der Vorsitzende des Nobel-Komitees, Thorbjörn Jagland, die Entscheidung.

13:00 Uhr Carmen holt eine Packung Stinkbomben aus ihrem Waffenschrank und gibt sie reumütig beim Pförtner der OPCW-Zentrale ab.

 

29. Dezember 2013

Ministerpräsident Eunerpan bittet Carmen um Hilfe bei seinen Bemühungen, “die inneren Probleme der Türkei auf demokratische Weise zu lösen.” Zu diesem Zweck sei er bereit, ihr Tränengas in jeder benötigten Menge zur Verfügung zu stellen, so Eunerpan.

Carmen sagt ihre Unterstützung zu unter der Bedingung, dass sie nach dem Einsatz gemeinsam mit den Polizisten duschen dürfe.

Eat, Pray, Love!
Eat, Pray, Love!

Carmen und der Bischof (Oktober 2013)

12. Oktober 2013

09:00 Uhr: In einem Interview mit dem Magazin „Rolling Stone“ bestreitet Bischof Teewurst-von Welt, jemals Drogen genommen zu haben. Ein anonymer Ministrant hatte von gemeinsam durchgefeierten Nächten und einem Loch in der Nasenscheidewand des Kirchenmannes berichtet. Der Bischofs kontert mit einer eidesstattlichen Erklärung: „Wir haben gemeinsam gebetet. Und das Loch ist von meinem Septum-Piercing.“ Der Interviewer beschreibt die auffällig weiten Pupillen seiner Exzellenz.

09:45 Uhr: Carmen zapft die Abwasserleitung der bischöflichen Wohnung an und bringt die B-Probe des Bischofs ins Labor.

10:00 Uhr: Als Carmen Bischof Teewurst-von Welt (fürderhin: TvW) mit einer Kreditkartenabrechnung konfrontiert, aus der eindeutig hervorgeht, dass er im Jahr 2011 auf Kosten des Bistums für 5.000 € bei Cartier in Düsseldorf eingekauft hat, sagt er: „Was wollen Sie denn – damals hatte mir der Heilige Vater nur einen Ring geschenkt. Da brauchte ich ja wohl noch die passenden Ohrclips!“

14:00 Uhr: Der Bischof besteigt einen Billigflieger auf dem Weg nach Rom.

 

13. Oktober 2013   Carmen als Assistentin der Heiligen Inquisition in Rom

13:30 Uhr: Beginn der peinlichen Befragung von Bischof TvW. Zum ersten Mal seit Abbruch ihres Medizinstudiums hat Carmen wieder die Gelegenheit, sich in der operativen Entfernung von Fingernägeln zu üben. Diesmal allerdings ohne Betäubung.

13:35 Uhr: Carmen kommentiert vergnügt: „Da waren’s nur noch acht!“

 

14. Oktober 2013

08:00 Uhr: Im Osservatore Romano erscheint ein Bericht über ein Wunder. Papst Franziskus habe einen vielfach erfolglos vorbehandelten Glaubensbruder vom Nägelkauen kuriert. Dabei habe ihn die fromme Schwester Carmen unterstützt.

08:50 Uhr: Bischof TvW bietet dem Papst seinen Rücktritt an.

09:00 Uhr: TvW legt dem Heiligen Vater mit dick verbundenen Händen die Baupläne für seinen Alterssitz in Königstein im Taunus vor. Auf Nachfrage seiner Heiligkeit räumt er ein, das Grundstück sei in den geschätzten Kosten von voraussichtlich 3 Millionen Euro für das Bauprojekt noch nicht enthalten.

09:05 Uhr: Auf Zeichen des Papstes nimmt sich Carmen die Fußnägel des Bischofs vor.

09:20 Uhr: Bei einer Interviewanfrage wird der Frankfurter Allgemeinen Zeitung mitgeteilt, Bischof TvW sei „gerade zur Pediküre“.

11:00 Uhr: Breaking News – Bischof TvW übernimmt lukrativen Posten in der Rüstungsindustrie. Im Auftrag einer deutschen Firma soll er das indische Atomprogramm vorantreiben. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollstock, zerrt beim Erhalt der Nachricht wild und laut schreiend an seinem Bußgürtel.

 

15. Oktober 2013

08:00 Uhr: Während Bischof TvW – mit dick verbundenen Händen und Füßen im Rollstuhl sitzend – von einer Nonne gefüttert wird, lässt sich Carmen im Baumarkt über die am besten für Kreuzigungszwecke geeigneten Nägel beraten. Anschließend darf sie mit der vatikanischen Ministrantenfußballmannschaft trainieren und danach mit den Spielern duschen. Sie spürt: Es wird ein guter Tag in Rom.

09:00 Uhr: Bischof TvW bestellt bei BMW telefonisch einen Elektrorollstuhl mit 326 PS, Sitzbezug aus Krokodilleder, automatischem Weihrauchvernebler, Sitzheizung und goldenen Felgen in der Langversion für Chauffeurbetrieb. Eine Nonne hat ihm gegen Zahlung eines Schweigegelds Diskretion versprochen und am Telefon die Nummer gewählt.

09:15 Uhr: Carmen poliert die im Baumarkt erworbenen Nägel (ebenfalls Langversion).

 

16. Oktober 2013

Heute in Rom: Carmen fragt das Volk: „Soll ich TvW freilassen oder Berlusconi?“ Das Volk schreit: „Gib uns Berlusconi!“ – „Und was soll ich mit TvW machen?“ Das Volk schreit: „Kreuzige ihn! Kreuzige ihn!“

Carmen lässt TvW wegbringen und wäscht ihre Hufe in Unschuld.

Johanna Quandt spendet TvW einen nagelneuen BMW X6. Dafür soll er mit seinen Parteifreunden eine Messe zur Verhütung strengerer Abgasnormen feiern.

Carmen hat in den vatikanischen Gärten den Scheiterhaufen aufgeschichtet. Mithilfe des vielen Benzins aus dem gespendeten BMW soll der dürre Bischof trefflich brennen! Mit ihm die Heilige Johanna von den Schrottplätzen.

Bevor sie den Bischof verbrennt, will Carmen aber noch ein bisschen mit ihm spielen. Sie hat daher eine Fernbedienung in den Elektrorollstuhl eingebaut und lässt ihn an jeder Ecke mit den lädierten Füßen anstoßen.

Jorge überlegt laut: „Ich frage mich, was Jesus mit ihm gemacht hätte.“ Carmen wird hellhörig: „Du meinst bestimmt, er hätte seinem schwachen, sündigen Bruder vergeben?“ Jorge nickt. „Ach Mensch“, mault Carmen enttäuscht, „ich hab doch schon alles vorbereitet. So ein richtig nettes Autodafé. Mit Rahmenprogramm – Barbecue, Musik und Kinderfest und so weiter. Und jetzt willst du das alles absagen nur von wegen Vergebung usw.“ – „Naja“ schlägt Jorge vor, „das Rahmenprogramm kannst du doch stehen lassen.“ – „Aber wenn nachher niemand verbrannt wird, kommt doch wieder keiner. Da bleiben selbst die Kinder lieber zuhause vorm PC und spielen weiter World of Warcraft.“

Carmen schlägt vor, TvW mit Diamanten zu steinigen. Sie will wissen, welches Signal man an die Welt sendet, wenn Verschwendung und Gier ungesühnt bleiben. Jorge erinnert Carmen an die luxuriösen Altersheime für Kühe in Indien.

http://www.tagesschau.de/videoblog/dilli_dilli/dillidilli118.html

Carmen ist im Aufsichtsrat des Trägervereins. Sie diskutieren das Theodizee-Problem anhand der Frage: Wie kann Gott zulassen, dass in Indien Kinder verhungern. Es wird wieder einmal ein langer und interessanter Abend.

 

21. Oktober 2013

09:00 Bis zum Beginn der Audienz beim Papst vertreiben sich Carmen und TvW die Zeit mit einem kleinen Shoppingbummel durch die Luxusboutiquen von Rom. TvW spendiert Carmen ein Eis bei Giolitti. Carmen findet den Bischof „irgendwie doch ganz nett“.

12:00 In der Audienz ernennt der Hl. Vater den deutschen Bischof zum Antikorruptionsbeauftragten der katholischen Kirche. Ein kluger Schachzug, findet Carmen und spendiert dem Hl. Vater ein Eis.

13:00 Der Hl. Vater lädt eine vorbeikommende Schulklasse aus Afghanistan zum Eis ein. „Spart Euer Geld, Kinder, heute seid Ihr Gäste des Heiligen Stuhls!“ ruft er leutselig.

13:05 Erfreut verstauen die Schüler ihre Portemonnaies wieder hinter den Sprengstoffgürteln.

14:00 Berlusconi gratuliert TvW zu seiner neuen Position und schlägt Erfahrungsaustausch vor.

 

23. Oktober 2013

Reiseverkehrskauffrau Carmen berät den Bischof im Vatikanischen Reisebüro über verschiedene Studien- und Abenteuerreisen, mit denen er sich während seiner Auszeit beschäftigen könnte. Insbesondere empfiehlt sie „Timbuktu von hinten“ und „Ferien am Boden des See Genezareth – der ultimative Tauchurlaub“.

Carmen in Madrid (Oktober 2013)


01. Oktober 2013  

10:00 Uhr: Carmen de Ronda ist mit ihrem langjährigen Idol, der berühmten Kunstsammlerin und Lebefrau, ihrer Namensbase Carmen Thyssen-Bornemisza verabredet und hat sich extra fein gemacht für das Treffen. Carmen findet sich pünktlich in der Eingangshalle des Museo Thyssen-Bornemisza ein. Als sie sich anmeldet, teilt man ihr mit, die lustige Witwe müsse den vereinbarten Termin leider wegen wichtiger geschäftlicher Angelegenheiten absagen. Señora Carmen möge sich bitte frei im Museum umsehen und sich einen Eindruck verschaffen.

10:30 Uhr: Carmen läuft lustlos durch die Hallen und kann sich vor lauter Enttäuschung nicht auf die Bilder konzentrieren. Sie fühlt sich von ihrer Namensbase missachtet.

10:40 Uhr: Carmen sieht durch ein Fenster, wie sich draußen ein heftiger Regen zusammenbraut.

10:45 Uhr: Carmen hat sich als Restauratorin verkleidet und bittet ein paar Museumswärter, ihr beim Hinaustragen einiger Gemälde auf die Terrasse behilflich zu sein. Dort staubt sie die Werke im strömenden Regen erst einmal gründlich mit einer Drahtbürste ab.

11:30 Uhr: Der Regenschauer ist vorüber. Carmen lässt die Bilder auf der Terrasse zum Trocknen in der prallen Sonne aufstellen.

11:45 Uhr: Carmen hängt ihren Restauratoren-Kittel an den Nagel. An der Rezeption hinterlässt sie eine Nachricht für die Witwe mit schönen Grüßen und bedankt sich für die anregenden Stunden im Museum. Dann verlässt sie das Museum mit einem vergnügten Pfeifen zu einem kleinen Spaziergang im nahe gelegenen Parque del Buen Retiro.

Carmen Retiro

02. – 04. Oktober 2013   Una vaca fiestera

La semana pasada estuve en Madrid con mi vaca enana Carmen. Como es española, le gusta la fiesta. Un día, se puso su vestido de flamenco y fue a una discoteca donde pasó toda la noche bailando.

Al día siguiente, cuando se despertó, tenía un dolor fuerte en su rodilla derecha. Apenas era capaz de ponerse de pie. Además, tenía dolor de cabeza por haber bebido demasiado, pero esto es otra cosa.

Carmen me pidió ayuda. Fuimos juntos a la admisión hospitalaria de urgencias. Allí un veterinario especializado en la ortopedia la chequeó y diagnosticó lo que llamó “síndrome de la vaca bailante”. Le prescribió un analgésico y unos días de descanso.

Como Carmen no sólo es una vaca atrevida sino también algo imprudente, tomó todos los analgésicos a la vez y la próxima noche de nuevo fue a la discoteca.

La sobredosis del analgésico combinada con demasiado alcohol provocó una gastritis por la que Carmen pasó toda la mañana siguiente vomitando.

De nuevo, tuve que acompañarla al hospital. Esta vez el veterinario juró como un carretero y la hospitalizó.

Es lo que pasa cuando vas de vacaciones con una vaca fiestera.