Die dunkle Jahreszeit beginnt (November – Dezember 2013)

03. November 2013   Leichtsinnig

In  Dortmund wird die Innenstadt wegen eines 180 kg schweren Blindgängers aus dem Zweiten Weltkrieg evakuiert. Als sich die Feuerwehr der Bombe nähert, traut sie ihren Augen nicht: Carmen übt auf der Luftmine leichtfüßig, wenn auch etwas angestrengt, Seilspringen. Als die Polizei sie zur Rede stellt, meint sie nur kurzatmig, sie könne dringend mal wieder einen heftigen Bums gebrauchen. Später kümmert sich der Sprengmeister um sie.

 

05. November 2013   Tuuut tuuut

Carmen enthüllt neuen Korruptionsskandal. Diesmal deckt sie die tiefe Verstrickung der katholischen Kirche mit der Autoindustrie auf. Als Beweis zeigt sie ein Foto: „Berenteter Großinquisitor segnet Silikonhupen“.

 

07. November 2013   Überirdisch

Carmen ist mit der Olympischen Fackel unterwegs zur Raumstation MIR. Trotz Moon-Boots leidet sie ein wenig unter kalten Hufen, die sie sich immer wieder an der Flamme wärmt. Den Anblick der Erde von oben findet sie beeindruckend.

Zum 2. Frühstück schaut sie beim Mann im Mond vorbei. Er ist ein bleicher und kühler Typ. Dennoch findet Carmen ihn faszinierend. Auf dem weiteren Weg macht sie das Dach des Cabrios zu. Dabei geht leider die Flamme aus.

Carmen ruft über Satellitentelefon im Kontrollzentrum an, ihre Flamme sei erloschen. Sie fragt kleinlaut, ob man ihr nicht einen Helfer „mit möglichst langer Zündschnur“ schicken könne. Auf Anfrage im Entwicklungsministerium, ob sie einen unterbeschäftigten Mitarbeiter zu verleihen haben, kann ein freundlicher Beamter unter Umgehung des Dienstwegs kurzfristig aushelfen.

Carmen dockt an der Raumstation MIR an. Die Zündschnur nutzt sie als Versorgungsleitung für einen Weltraumspaziergang.

Gut gezockt: Carmen verkauft ihre kurz zuvor erworbenen Twitter-Aktien mit unanständigem Gewinn. Sie reibt sich die Hufe, zündet sich eine Zigarre an und nimmt den Rest des Tages frei.

 

08. November 2013   Recycling

Von ihren Aktiengewinnen kauft die Carmencita bei Karstadt eine Küchenmaschine und bei Lidl mehrere Kilo Pfifferlinge aus der Ukraine. In der Küche ihrer Wohnung baut sie daraus eine kleine Urananreicherungsanlage und bietet der iranischen Führung Verhandlungen an. Nach der Terminvereinbarung lädt sie den amerikanischen Außenminister zu Pasta Funghi ein.

 

09. November 2013

Carmen hat ihre Kittelschürze angezogen und putzt in ihrer Wohnung die Lüster. Dabei murmelt sie pausenlos mantraartig: „Never again!“

 

10. November 2013   Double Bind

Carmen zieht durch ein Armenviertel der russischen Hauptstadt. Mit einem Schwerthieb teilt sie ihr Flamencokleid und wärmt einen frierenden Jungen. Der wird am Nachmittag von seinen Kumpels beim Fußballtraining als Transe beschimpft.

Präsident Blutin bestätigt auf Anfrage, dass Transvestiten in Russland nicht verfolgt würden. Allerdings nur, solange sie nicht in Frauenkleidern herumliefen.

Bei der heimlichen Durchsuchung von Blutins Wohnung finden Carmen und ihre Freundin Abigail eine umfangreiche Sammlung von Lesbenpornos. Hauptdarstellerin ist Blutins Ehefrau, die unter dem wenig originellen Künstlernamen „Blutana“ auftritt.

 

11. November 2013   Die fünfte Jahreszeit beginnt

Carmen und Jorge stehen schon am Morgen bei strahlendem Sonnenschein auf dem Kölner Heumarkt und erwarten den Countdown zur neuen Karnevalssession. Besonders gut gefällt Jorge das Lied „Die Hände zum Himmel“, das er als Credo der rheinischen Jecken interpretiert. Als die Umstehenden einhellig sein mutmaßliches Papst-Kostüm als besonders authentisch und gelungen loben, hat Jorge wieder mal einen Heidenspaß und gibt eine Runde Kölsch aus.

 

13. November 2013   Artenschutz

Carmen will Feldhamster vor dem Aussterben retten. Feldhamster: „Au! Du tust mir weh!“

Carmen ermahnt den Hamster, seine individuellen Empfindlichkeiten im Interesse der Arterhaltung vorübergehend zurückzustellen.

 

16. November 2013   Empathiedefekt

Carmen wirft nach Shopping-Bummel auf Düsseldorfer Königsallee neue Nespresso-Kapsel in leeren Starbucks-Becher eines Bettlers.

 

17. November 2013 Totensonntag 

Muhstisch: Carmen steht im Morgennebel, bekleidet mit einem langen schwarzen Umhang mit Kapuze, auf einer Wiese im Bergischen Land und mäht mit einer Sense rhythmisch das Gras.

 

Carmen Mandarin
Sprachbegabt: Carmen studiert Mandarin

 

22. November 2013   Aufheiterung

09:30 Uhr: Am 50. Jahrestag der Ermordung von JFK sitzt Carmen schon morgens um halb zehn melancholisch mit einem Glas Agua de Valencia auf dem Sofa und findet November irgendwie blöd.

10:15 Uhr: Carmen verspürt das Bedürfnis, dieser schlechten Welt etwas Gutes entgegenzusetzen. Nach dreißig Jahren schenkt sie ihrer Haushälterin O’Limpia die Freiheit.

10:30 Uhr: Seufzend macht sich Carmen auf die Suche nach der Bedienungsanleitung ihrer Waschmaschine.

11:30 Uhr: Die Haushälterin klingelt an der Tür: Ob sie nicht bleiben könne. Die Freiheit mache ihr angst.

17:00 Uhr: Carmen ist kurzfristig nach Berlin geflogen. Auf dem Weg von Tegel in die Innenstadt hat sie einen Bäckerladen besucht. Zum 50. Todestag von JFK steht sie nun aufgeregt am Brandenburger Tor und ruft freudig aus: „Ich ess‘ ein Berliner!“

 

24. November 2013   Volkstrauertag

Carmen dreht mit geöffnetem Panoramaglasschiebedach im Tiefflug Platzrunden über dem reich mit Tannengrün geschmückten Kölner Weihnachtsmarkt. Aus dem voll aufgedrehten Drohnenradio schallt Alexandra.

 

29. November 2013

Carmen hat in der Nacht die Flugbahn des Kometen Ison verfolgt, bis dieser schließlich in einer Kollision mit der Sonne verglühte. Von diesem fast spirituellen Erlebnis zutiefst beeindruckt und auch ein wenig beunruhigt zerreißt Carmen am Morgen ihre Zehnerkarte für’s Solarium.

 

01. Dezember 2013   Welt-AIDS-Tag

Zum heutigen Welt-AIDS-Tag steht Carmen vor dem Kölner Dom und verteilt Informationsmaterial zum Thema „Kenne das Risiko: HIV und Kirchenlieder“. Darin vertritt sie die provozierende Auffassung „Oh Haupt voll Blut und Wunden“ müsse als Praktik mit hohem Ãœbertragungsrisiko betrachtet werden, die daher zum Schutz der Gläubigen nicht länger besungen werden sollte.

Dass sie unter dem Motto „You never know – protect yourselves!“ auch Kondome an Ministranten verschenkt, wird vom Erzbischof in seiner Sonntagspredigt scharf verurteilt.

 

02. Dezember 2013   Ethisch fragwürdige Technik 

08:30 Uhr: Carmen loggt sich mit Drohnenradio bei Eurosur ein und rettet auf dem Clarenbachkanal eine völlig erschöpfte Entenfamilie aus Afrika vor dem Ertrinken!

09:00 Uhr: Die Enten werden anschließend von der Wasserschutzpolizei in ein Auffanglager am Aachener Weiher gebracht. Sie erhalten eine Tasse heißen Tees und sollen nach Feststellung ihrer Personalien wieder in die Sahara abgeschoben werden. Ein Ermittlungsverfahren wegen unerlaubten Aufenthaltes wird eingeleitet. Den Enten droht jeweils bis zu einem Monat Haft.

11:45 Uhr: Carmen tauft die Enten in einer kleinen katholischen Zeremonie auf die Namen Melchior Eins bis Drei und erwirkt Kirchenasyl in St. Aposteln bis zum 6. Januar.

Carmen y los patos
Carmen und ihre Schützlinge Melchior Eins bis Drei

 

13:00 Uhr: Carmen unterschreibt einen Vertrag mit dem Versandhändler Amazon, in dem sie die Verantwortung für die zukünftige Warenauslieferung mit der Drohne übernimmt. Die Ausführung der Lieferungen gibt sie jedoch an Subunternehmer weiter, die sie in Anlehnung an den Tarifvertrag für die Logistikbranche bezahlt.

 

6. Dezember 2013   Nelson Mandela verstorben

„Hat der Schnitter schon wieder Ernte gehalten…“ murmelt Carmen leise und schüttelt betroffen den Kopf. Dann zündet sie vor dem Foto von Michael Jackson eine Kerze an und spricht ein stilles Gebet zur Ewigen Milch.
(Carmen sagt Danke an David Safier, der in seinem wunderbaren Buch „Muh“ die Ewige Milch als Ort boviner Spiritualität eingeführt hat.)
Dabei erfährt sie als Inspiration die Worte „Carpe diem!“, weswegen sie sogleich und ohne Rücksicht auf ihre Figur einen ganzen Schokoladennikolaus verspeist. Danach fühlt sie sich einen Moment lang glücklich und anschließend stundenlang irgendwie schuldig.

 

Nikolaus
Noch ahnt der Hl. Nikolaus nicht, dass Carmen ihn zum Fressen gern hat

 

10. Dezember 2013   Johannesburg (Südafrika)

08:00 Uhr: Carmen ist am frühen Morgen mit der Drohne zur Trauerfeier für Nelson Mandela nach Johannesburg geflogen. Bei ihrer Ankunft im Stadion geht ein kühler Nieselregen nieder. Unter ihrem riesigen schwarzen Hut und dem Schleier aus halbtransparentem Gore-Tex (Standardausrüstung aller Q-Sad-Agentinnen) ist Carmen jedoch perfekt geschützt. Das Gewicht der kugelsicheren Weste bereitet ihr allerdings ein wenig Rückenschmerzen.

08:30 Uhr: Als die Obamas neben ihr Platz nehmen wollen, hält Carmen mit spitzbübischem Grinsen ein Schild hoch mit der Aufschrift: „Nur für Weiße“. Nach einer kurzen Schrecksekunde erkennen die beiden den groben Scherz unserer kleinen Hobby-Reconquistadorin und die alten Freunde fallen sich herzlich in die Arme. Carmen lobt das schlichte schwarze Kleid der Präsidentengattin und merkt an, es bilde einen durchaus reizvollen Kontrast zu ihren offenbar frisch gebleachten Zähnen. Michelle wirkt ein wenig verstimmt.

08:40 Uhr: Michelle fragt mit gespielter Besorgnis, ob Carmen denn schon das minderwertige Silikon aus ihren Euterimplantaten habe austauschen lassen.

08:45 Uhr: Es riecht ein wenig nach Zickenkrieg.

08.50 Uhr: Carmen spürt eine feucht-kalte Hand, die ihr unbeholfen, wenn auch vermutlich zärtlich gemeint, über den Nacken streicht. Gleichzeitig weht eine Wolke viel zu schweren Parfums heran. Dilma ist von hinten an Carmen herangetreten und mit ihrer rauchigen Stimme flüstert sie unserer kleinen Heldin sanft ins Ohr: „Oi, meu amor! Muito prazer em ver você!“ - „Bom dia, Dona Presidente! O prazer é todo meu!“ flüstert Carmen mit viel gespieltem Respekt und ein wenig echter Koketterie zurück.

Dilma Rousseff
Dilma, a Presidente do Brasil

 

13:00 Uhr: Unter dem Motto „Townhouse statt Township“ erwirbt Carmen eine Immobilie in der besten Wohngegend von Johannesburg.

15:30 Uhr: Unter dem neuen Motto „Township meets Townhouse“ engagiert Carmen in einem eher finsteren Vorort eine Gruppe Heranwachsender, die ihr gegen Gebühr bei der unbürokratischen Entmietung der Immobilie behilflich sind.

 

13. Dezember 2013

Bei den „Fressnapf Premium-Probierwochen“ frisst sich Carmen zum Ärger der Verkäufer in mehreren Filialen durch die Regale, ohne etwas zu kaufen. Pappsatt entschließt sie sich auf dem Heimweg zur Unterstützung der Präsidentschaftskandidatur von Vitali Klitschko.

Nach einem Blick auf die Lebensmittelampel des Verbraucherschutzministeriums erbricht Carmen die ganzen Probierpackungen wieder. Danach legt sie sich mit einer Wärmflasche auf dem Bauch ins Bett und schwört sich, heute nur noch Zwieback zu essen.

 

14. Dezember 2014   Raumfahrt auf Chinesisch

10:00 Uhr: Chinesisches Raumschiff landet auf dem Mond. Als erstes wird der Kommandant hingerichtet, weil er die Verantwortung dafür trägt, dass das Bügeleisen zum Plätten der chinesischen Flagge nicht funktioniert. Carmen und der Mann im Mond beobachten die kleinen wuselnden Hektiker aus einem sicheren Versteck.

10:55 Uhr: Carmens Sauerstoffvorrat auf Reserve. Der Mann im Mond stellt fest, dass er vergessen hat, die Austauschflaschen befüllen zu lassen.

11:00 Uhr: Lieber rot als tot, denkt Carmen und bewirbt sich bei den Chinesen um die vakante Stelle des Kommandanten. Als sie ein funktionierendes Reisebügeleisen aus ihrem Trolley zieht, wird sie von den Chinesen eingestellt.

11:05 Uhr: Die Chinesen wollen den Mann im Mond hinrichten, weil er vergessen hat, die Sauerstoffflaschen befüllen zu lassen.

11:10 Uhr: Das Exekutionskommando ist ratlos, weil der Mann im Mond nie gelebt hat.

11:12 Uhr: Carmen nimmt sich vor, diese Szene ihrer Sammlung von Erzählungen des magischen Realismus hinzuzufügen.

11:20 Uhr: Die Chinesen hissen ihre makellos gebügelte Flagge und loben das Bügeleisen aus deutscher Produktion. Nachdem sie es heimlich aufgeschraubt und von allen Seiten fotografiert haben, senden sie die Baupläne nach Peking. Anschließend geben sie Carmen unter vielen Verbeugungen ihr Eigentum zurück.

11:25 Uhr: Vor dem Abflug entspannt Carmen noch ein wenig beim Schlittschuhlaufen auf einer kleinen Eisfläche und genießt den fantastischen Ausblick auf die Erde.

11:30 Uhr: Die Chinesen richten eben noch rasch den Smutje hin, weil er die Reisnudeln nicht weich gekriegt hat.

12:00 Uhr: Geplante Startzeit für die Rückkehr zur Erde

12: 05 Uhr: Mit einem gigantischen Grasfresserpups hat Carmen das Raumschiff ins All katapultiert!

16:15 Uhr: Carmen legt eine butterweiche Landung hin – in einer kasachischen Molkerei.

16:20 Uhr: Die aufgebrachten chinesischen Raumfahrer wollen Carmen wegen des mit dem Navigationsfehler verbundenen Gesichtsverlusts hinrichten.

16:22 Uhr: Für Carmen ist jetzt Schluss mit lustig. Mit ein paar gezielten Huftritten versenkt sie die nervigen Asiaten im Butterfass, wo man sie aufgrund des geringen Farbkontrasts schon bald nicht mehr finden kann.

16:25 Uhr: Carmen tauscht den unbequemen Raumanzug gegen ihr flauschiges Flamencokleid und schlendert aus der Molkerei.

16:30 Uhr: Draußen zwinkert sie einem kasachischen Stier zu und verschwindet mit ihm hinter dem nächsten Stall.

 

15. Dezember 2013

Unter dem Motto „Weg frei für die große Kopulation“ stellt Carmen kurz vor dem Tatort im Ersten ihr Schattenkabinett vor, in dem sie einige ihrer Amigos, aber auch ein paar Sozialfälle, unterbringen konnte:

• Minister für Finanzen: Jorge Mario Bergoglio

• Minister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: Mann im Mond

• Minister für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz: Rainer Calmund

• Minister für Integration: Bushido

• Minister für Verkehr: Johanna Quandt

• Minister für Gesundheit: Sankt Nikolaus

• Minister für Verteidigung: Sabiha Gökcen

• Minister für Wirtschaft: Franz-Peter Tebartz-van Elst

• Justizminister: Hoi-Sin Torquemada-Ratzinger

• Ministerin für Selbstkontrolle und Opportunismus: Uschi Comme il Faut – der Leyen

• Außenministerin: Carmen

• Innenministerin: Carmen

• Superministerin: Carmen

• Regierungschefin: Carmen

 

19. Dezember 2013

09:00 Uhr: Zur Unterhaltung gelangweilter Autofahrer und zur Belebung der Weihnachtsstimmung ist Carmen heute mit der Asphaltfräse auf dem Kölner Militärring unterwegs. Um die Bauarbeiten abzusichern, hat sie eine Spur sperren lassen. Gleichzeitig hat ein befreundeter LKW-Fahrer seinen 40-Tonner auf der A1 umgeworfen. Dank dieser sorgfältigen Planung hat Carmen innerhalb einer Stunde den Verkehr stadteinwärts im gesamten Kölner Westen weitgehend zum Stillstand gebracht.

09:45 Uhr: Zu Beginn ihrer Frühstückspause stellt Carmen die Fräse quer und sperrt so auch noch die Gegenrichtung.

10:15 Uhr: Nach der Pause füllt sie die ausgefrästen Gräben mit Wasser.

12:00 Uhr: Carmen zieht die Zugbrücke hoch. Die Stadt ist von der Außenwelt abgeschnitten.

13:00 Uhr: Carmen tauscht ihr Flamencokleid gegen einen gelben Overall, steigt auf ihr Motorrad und tarnt sich als ADAC-Pannenhelfer. In Wahrheit fahndet sie jedoch nach zwei Ausbrechern, die sie an der Zugbrücke um die Mautgebühr geprellt haben.

 

20. Dezember 2013

Beim vorweihnachtlichen Personal Training schiebt der Trainer Carmen ohne Vorwarnung seinen Unterarm in den Po. Dies sei eine wissenschaftlich erprobte Methode zur wirksamen Stabilisierung der unteren Wirbelsäule, erläutert er der kleinen Sportskanone, die daraufhin heute 5 Kniebeugen mehr schafft als sonst.

Während er fiebrig blickt, spürt Carmen, dass ihre Rückenschmerzen verschwunden sind.

„Er ist einfach ein Zauberer“, schwärmt Carmen nach dem Training bei einem Latte Macchiato mit verklärtem Blick ihrer skeptischen Freundin Abigail vor.

 

21. Dezember 2013

14:00 Uhr: Aus Protest gegen den Konsumterror übergießt sich das Christkind an diesem vierten Adventssamstag in der Kölner Schildergasse mit Benzin. Bevor Schlimmeres passiert, kann ihm Carmen die Streichhölzer entreißen. Das Christkind wird wegen akuter Eigengefährdung in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen. „Immer sperrt Ihr die Falschen weg“, murmelt es verbittert vor sich hin.

16:00 Uhr: Pedro Almodóvar dreht in der Schildergasse den zweiten Teil von „Mujeres al borde de un ataque de nervios“[1].

18:00 Uhr: Carmen stellt ihre Einkaufstüten zuhause ab, bereitet sich einen Darjeeling zu und lässt das Erlebte auf sich wirken.

19:00 Uhr: Durch einen elektromagnetischen Impuls legt Carmen eine Stunde vor Ladenschluss alle Registrierkassen und die Geldautomaten in der Kölner Innenstadt lahm. Dann überfliegt sie die Fußgängerzone mit der Drohne und wirft Flugblätter ab, auf denen sie „Freiheit für das Christkind“ fordert.

 

22. Dezember 2013   Carmen stärkt die Moral der Truppe

Bei einem gemeinsamen vorweihnachtlichen Truppenbesuch in Kabul macht Carmen die neue Verteidigungsministerin Uschi Comme il Faut – der Leyen mit dem Schwarzen Afghanen bekannt.

„Viele unwissende Bundesbürger halten ihn für einen zotteligen Hund. Aber in Wahrheit ist er eine Heilpflanze!“ belehrt die Ministerin albern kichernd die begleitenden Journalisten.

Am nächsten Morgen tritt Carmen vor das Zelt, streckt sich, atmet tief durch und stellt aus tiefstem Herzen fest: „Ich liebe den Geruch von Napalm am Morgen.“

Bevor sie bei der Abreise nach der Ministerin in die Drohne steigt, dreht sich Carmen noch einmal zu den angetretenen Soldaten um, steht stramm, grüßt militärisch und verkündet in tiefstem Lesbenbass: „I’ll be back!“


23. Dezember 2013  Nicht hinreichend bibelfest

Blutin-Kritikerin Carmen backt Weihnachtsplätzchen für Chordokowsky. Nach getaner Arbeit setzt sie sich auf’s Sofa und blättert ein wenig in der Bibel. Besonders fasziniert ist sie vom Buch Euteronomium.

Solcherart inspiriert geht sie wieder zum Küchentisch und schreibt den ersten Brief an die Korinthen. Den schickt sie jedoch irrtümlich an die Rosinen.

Carmen kauft Alufolie sowie eine Haushaltsschere und schneidet Lametta.

 

24. Dezember 2013   Besinnlich

Endlich: Der Vorweihnachtswahnsinn ist vorüber. Carmen legt sich erschöpft auf’s Sofa und lässt das vergangene Jahr Revue passieren.

In diesem besinnlichen Moment kommt ihr ein Zitat des französischen Schriftstellers Frédéric Beigbeder in den Sinn, das Ihrer Meinung nach die letzten turbulenten Monate in wunderbarer Weise zusammenfasst:

Die ganze kleine Welt bumst, vögelt, bläst, leckt Sperma, reibt sich die Klitoris, pumpt an Schwänzen, spritzt auf Gesichter, malträtiert Mösen, peitscht sich die Brüste, bepisst sich, schwuchtelt und wichst in Freude und Entspannung.

Ach ja, denkt die Carmencita.

Dann schließt sie die Augen und schläft entspannt ein.

 

27. Dezember 2013   Jet Set

09:00 Uhr: Lebefrau und Klimawandelleugnerin Carmen ist am Morgen für einen Tag zum Skilaufen in den Libanon geflogen. In ihrer knallroten Funktionsburka ist sie der Star auf der Piste.

Weil ihr nach der siebten Abfahrt mehr nach Wärme zumute ist, fliegt Carmen am späten Nachmittag in die Dominikanische Republik. Nach einem Tag am Strand wird ihr allerdings schon wieder langweilig, weswegen sie einen Immobilienmakler in Santo Domingo kontaktiert.

 

28. Dezember 2013   Reconquista – nächster Versuch

Carmen erwirbt eine mittelgroße Zuckerrohrplantage. Anschließend macht sie sich auf den Weg nach Angola, um bei einer ortsansässigen Zeitarbeitsfirma Personal für die Landarbeit zu rekrutieren.

Amnesty International wird bei Carmen vorstellig und weist darauf hin, dass die Sklaverei auch in der Karibik spätestens seit Ende des 19. Jahrhunderts abgeschafft sei. Nachdem die Delegation ihr Haus verlassen hat, löscht Carmen per Online-Banking ihren Spendendauerauftrag für die Menschenrechtsorganisation.

 

29. Dezember 2013

Ministerpräsident ErdoÄŸan bittet Carmen um Hilfe bei seinen Bemühungen, „die inneren Probleme der Türkei auf demokratische Weise zu lösen.“ Zu diesem Zweck sei er bereit, ihr Tränengas in jeder benötigten Menge zur Verfügung zu stellen, so ErdoÄŸan.

Carmen sagt ihre Unterstützung zu unter der Bedingung, dass sie nach dem Einsatz gemeinsam mit den Polizisten duschen dürfe.

 

31. Dezember 2013   Irgendwas ist immer

11:00 Uhr: Nach dem Skiunfall von Michael Schumacher erhebt Carmen bei einer Pressekonferenz in Grenoble schwere Vorwürfe gegen Annette Schavan. Auf die Frage nach dem Zusammenhang antwortet Carmen lapidar, die Suche nach einem Schuldigen sei ein in solchen Fällen obligatorisches Ritual. Die Schavan habe sich schon in der Vergangenheit als idealer Sündenbock angeboten.

11:30 Uhr: Unerwartet kontert die Schavan mit der Behauptung, Zeugen hätten kurz vor dem Aufprall eine Skiläuferin im roten Flamencokleid beobachtet, die Schumacher bei einer Schussfahrt mit hoher Geschwindigkeit die Vorfahrt genommen habe. Carmen verweist auf ihr Alibi, sie sei zum Unfallzeitpunkt nachweislich im Libanon gewesen. Schavan spricht von einer mutmaßlichen Doppelgängerin, die schließlich unter der Skiburka nicht eindeutig zu identifizieren gewesen sei.

13:30 Uhr: Carmen zwingt bulgarische Flughafenarbeiter, die Drohne nackt zu putzen. Das sei eben ein Vorgeschmack auf ihre Interpretation von „Arbeitnehmerfreizügigkeit“, so Carmen bei einer Anhörung im Luftfahrtbundesamt.

15:00 Uhr: Nachdem Carmen sich und Abigail am ersten Weihnachtsfeiertag beim Kuhnilingus gefilmt und die Aufnahme anschließend bei Facebook hochgeladen hat, wird sie von einer auf Abmahnungen spezialisierten Anwaltskanzlei wegen der Verbreitung von Rinderpornografie angezeigt.

16:00 Uhr: Carmen enthüllt ihr Denkmal.

Wir müssen uns Carmen als eine glückliche Kuh vorstellen.

Carmen enthüllt ihr Denkmal, gestaltet von Bildhauerin Luise
Carmen enthüllt ihr Denkmal, gestaltet von Bildhauerin Luise

 

 

 

[1] Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs