Heißer Herbst (Oktober 2014)

01. Oktober 2014   Daría mas vueltas en calesita… (1)

Wegen einer Rückrufaktion des Herstellers Northrop Grumman bringt Carmen ihre Drohne heute in die Werkstatt. „Es handelt sich um eine reine Vorsichtsmaßnahme“, informiert sie ihre besorgten Kunden. „Der Hersteller hat uns informiert, die Konstruktion der Tragflächen aus Fimo sei zwar preiswert und von ungelernten Leiharbeitern aus Osteuropa leicht zu verarbeiten. Insbesondere bei hohen Geschwindigkeiten könnten aber Verformungen nicht ausgeschlossen werden.“

Die Kosten für die Wartungsarbeiten würden vom Verteidigungsministerium übernommen, lässt Graugans Uschi aus dem Winterquartier in Kabul mitteilen. Daher sei allerdings auch im nächsten Jahr nicht mit einer Abschaffung des Soli zu rechnen, fügt sie bedauernd hinzu.

Den Weg zur Werkstatt legt Carmen in der milden Herbstsonne mit geöffnetem Panorama-Glasschiebedach zurück. „Mit dem neuen Heizpilz kann ich jetzt bis in den Spätherbst offen fliegen“, freut sich unsere Outdoor-Freundin.

„Ist ja wohl nicht verwerflich, das syrische Tränengas zu verheizen“, wischt sie die Bedenken ihrer linksintellektuellen Öko-Bekannten vom Tisch.

 

(1) Ich würde mehr Karussell fahren…  (J. L. Borges, Si pudiera vivir nuevamente mi vida – Wenn ich mein Leben noch einmal leben könnte)

Euro Hawk Puts German Defense Minister Under Pressure
Euro Hawk (Serviervorschlag)

 

02. Oktober 2014   Raffiniert

Anlässlich der Aktionswoche zur Bekämpfung des Taschendiebstahls schlendert Lockvogel Carmen mit aus ihrer offenen Handtasche herausguckendem Portemonnaie durch die überfüllte Fußgängerzone. „Hab Dich!“ kreischt sie vergnügt, als ihr wieder ein Anfänger auf den Leim gegangen ist.

 

05. Oktober 2014   Das Hohe Lied der Liebe

Nach dem katastrophalen Abschneiden von Marina Silva bei den Präsidentschaftswahlen in Brasilien, antechambriert Carmen bei ihrer alten Freundin Dilma und hofft, dass diese ihr den  Wahlkampfauftritt bei der Rivalin in der letzten Woche nicht mehr verübelt.

„Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, (…) sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu, (…) sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles.“

zitiert Carmen mit überzeugend gespielter Reue ihre Lieblingsstelle aus dem 1. Konrintherbrief, woraufhin Dilma wieder dem Charme unserer kleinen Verführerin erliegt.

 

06. Oktober 2014   Wieder in Rom

Bei einer allgemeinen Verkehrskontrolle auf der A9 kritisiert Autobahnpolizistin Carmen die unsäglichen Laster der Griechen.

Nachdem sie auf der Autobahn jede Menge Verwarnungen ausgesprochen hat, fliegt sie mit der Drohne nach Rom, wo sie Jorge bei der Synode zum Thema Ehe und Familie in der strukturierten Entscheidungsfindung unterstützen möchte.

„Durch die Verkehrskontrolle vom Vormittag bin ich gerade gut im Thema drin“, findet unsere kleine Moraltheologin. Diese Fragen lägen ihr schon immer sehr am Herzen. Außerdem seien bei der Gelegenheit natürlich jede Menge käuflicher Ministranten zu koordinieren. Schließlich müsse sie ja auch mit irgendetwas ihr Geld verdienen, so unsere katholische Zuhälterin.

Moraltheologin Carmen informiert sich über das Thema Fortpflanzung
Moraltheologin Carmen informiert sich über das Thema Fortpflanzung

 

07. Oktober 2014  Strom für die Steckdose!

Im Schwarzbuch zur Verschwendung von Steuergeldern kritisiert die Vorsitzende des Bundes der Steuerhinterzieher Carmen de Ronda die immensen Aufwendungen für den Friseur von Graugans Uschi. „Für eine Verteidigungsministerin hätten sich preiswertere Lösungen angeboten. Einmal eine Hochsteckfrisur, Stahlhelm drauf, fertig!“ kommentiert unsere knauserige Diva, die sich gerade im Adlon auf den Besuch bei Udo Waltz vorbereitet.

Problem am aktuellen Streik der Lokführer ist, dass er vom GDL-Chef auf Ostdeutsch angekündigt wurde, was in weiten Teilen Deutschlands niemand verstanden hat.  „Ich dachte, Sachsen-Paule wirbt für seinen neuen Film“, seufzt Carmen.

Den Nobelpreis für Physik 2014 erhält die Japanerin Carmen Fukushima für die Erfindung der selbstgenügsamen Riesen-LED. „Einmal angezündet, strahlt sie zuverlässig für Jahrzehnte“, erklärt die Wissenschaftlerin stolz. Um mögliche Nebenwirkungen wolle man sich im nächsten Entwicklungsschritt intensiv Gedanken machen, fügt die unermüdliche Forscherin hinzu. Der Vorstandsvorsitzende von RWE tritt in erste Verhandlungen mit der Nobelpreisträgerin ein. Man wolle die Technologie schnellstmöglich nach Deutschland importieren. Schließlich könnten in einem so dicht besiedelten Land viel mehr Menschen gleichzeitig von der Riesen-LED profitieren, so der Bedenkenwegwischer. Was die Nebenwirkungen angehe, zeigt er sich zuversichtlich, dass diese zu gegebener Zeit durch die Steuerzahler geregelt würden. „Er hat mir ein Angebot gemacht, das ich nicht ablehnen konnte“, teilt die korrupte Fukushima in einer ersten Stellungnahme mit.

 

08. Oktober 2014   Bittere Wahrheit

Noch vor dem Mittagessen sagt Hellseherin Carmen den Enten ihre Zukunft voraus.

Hellseherin
Memento mori

 

An diesem verregneten Nachmittag lässt sich Carmen durch den Bullen von nebenan zu konsensuellen sexuellen Handlungen überreden. Weil er ständig von „Doggy-Style“ spricht, begibt sich Carmen in die Position des nach unten schauenden Hundes. Als sie kurz vor dem Höhepunkt plötzlich anfängt laut zu bellen, wirkt der Bulle doch ein wenig irritiert. Der Vorteil der Position ist allerdings, dass Carmen sein fragender Gesichtsausdruck nicht auffällt. Bei der Zigarette danach kriegt Carmen ihren Yoga-Lehrer nicht aus dem Kopf.

 

09. Oktober 2014   Fehlentscheidung

Carmen hat sich  schon am frühen Morgen adrett zurecht gemacht, weil sie fest damit rechnet, heute Mittag den Literaturnobelpreis zugesprochen zu bekommen und zwar in Anerkennung ihres literarischen Werkes einerseits und ihrer integren Gesamtpersönlichkeit andererseits. „Einmal muss es doch endlich klappen“, hofft die empfindsame Verfasserin zahlloser romantischer Gedichte, die für morgen bereits vorsorglich ihr Erscheinen auf der Frankfurter Buchmesse angekündigt hat.

Um 13 Uhr verkündet das Nobelkomitee der Königlich-Schwedischen Akademie der Künste in Stockholm die Verleihung des Nobelpreises für Literatur an den Franzosen Patrick Modiano.

„Ich kenne diesen Kollegen nicht“, knurrt Carmen de Ronda-Ranicki nur verächtlich. Vor Wut schäumend schichtet sie Holz für eine spontane Bücherverbrennung auf.

„Da hätten sie den Preis gleich an Sascha Lobo vergeben können“, kotzt sich die enttäuschte Schriftstellerin in einem Interview mit dem Kölner „Express“, einem anerkannten Fachblatt für anspruchsvolle Literatur, aus.

 

Würde gut in die Reihe passen: Schriftstellerin Carmen de Ronda
Würde gut in die Reihe passen: Schriftstellerin Carmen de Ronda

 

Die USA führen aus Angst vor Ebola die routinemäßige Fiebermessung bei allen Einreisenden ein. Chief Immigration Officer Carmen de Ronda fuchtelt auf dem New Yorker John-F.-Kennedy-Flughafen mit der Temperatursonde vor den Gesichtern der Reisenden herum und erklärt das Vorgehen: „Erst in den Po, dann in den Mund!“ Nachdem der zweite Flieger abgefertigt ist, begibt sie sich in die Teeküche und sucht nach der Spüli-Flasche, um das Thermometer zu reinigen.

 

10. Oktober 2014   Für die Freiheit des Wortes!

Ein großer Tag für Carmen: Besuch auf der Frankfurter Buchmesse. Bereits am frühen Morgen ist sie mit der Drohne von Köln-Wahn in Richtung der hessischen Metropole gestartet. Im leichten Hochnebel orientiert sie sich an der Silhouette des Messeturms und steuert direkt auf ihn zu. Erst im letzten Moment dreht sie ab und landet nach einer kleinen Schleife im Innenhof des Messegeländes. „War doch nur Spaß“, teilt unsere gut gelaunte Heldin der Frankfurter Flugsicherung über Funk mit.

Noch einer frei: Drohnenparkplätze auf dem Messegelände
Noch einer frei: Drohnenparkplätze auf dem Messegelände

 

Zunächst stattet Carmen dem Ehrengast Finnland einen Höflichkeitsbesuch ab. „Hei! Nimeni on Carmen! Ei vaaraa!“ (Hallo! ich heiße Carmen! Keine Gefahr!) versucht unsere leutselige Besucherin die scheuen Finnen aus ihrem Versteck zu locken. Doch die Finnen zeigen sich nicht. Daher sieht sich Carmen in der Ausstellung um und entdeckt zu ihrer Ãœberraschung auch Literatur über entfernte Verwandte.

Carmen entdeckt scheue Verwandte aus dem hohen Norden
Carmen entdeckt scheue Verwandte aus dem hohen Norden

 

Anschließend begibt sie sich eher beiläufig wirkend in Halle 4, wo heute der Deutsche Buchpreis 2014 verliehen wird. Carmen hatte bereits im Vorfeld ihren Namen auf der Nominierungsliste entdeckt. Als schon der Großteil der Preise an andere Kandidaten vergeben wurde, spürt Carmen eine leichte Gereiztheit in sich aufsteigen. Schließlich wird sie aber doch noch aufgerufen. Carmen erhält den Deutschen Kinderbuchpreis in der Kategorie „Lustige Tiergeschichten“.  In seiner Laudatio hebt Roger Willemsen Carmens besondere Fähigkeit hervor, auch funktionalen Analphabeten aus der Banlieue milieugerechte Unterhaltung zu liefern ohne dabei den Bildungsauftrag des Kinderbuchs zu vernachlässigen. Carmen  nimmt den Preis mit ihrem schönsten Bühnenlächeln in Empfang und bedankt sich artig.

Bevor sie wieder nach Köln zurück fliegt, schaut sie noch am Stand des Pen-Zentrums vorbei, wo sie viele alte Freunde aus  Ländern begrüßt, in denen die Wahrheit nicht ausgesprochen werden darf. „Ich werde weiterhin über jedem Land Flugblätter für Euch abwerfen“, verspricht unsere engagierte Schriftstellerin.

Pen-Club
„Eine Kunstler darfe alles, ohne darfe alles, keine Kunst, capito?“ zitiert Carmen einen nicht unumstrittenen italienischen Gelehrten.

 

11. Oktober 2014   Feine Unterschiede

Bei der Kurden-Demonstration in Düsseldorf läuft Peschmerga-Kämpferin Carmen, die kurdische Fahne schwenkend, vorne weg. „Freiheit für Öcalan!“ ruft sie, bis ein paar Mitdemonstranten sie behutsam darauf hinweisen, dass es heute eigentlich um etwas anderes gehe.

Beschämt und gekränkt wirft Carmen impulsiv ihr Kopftuch und die Fahne weg und geht auf der Kö shoppen. Als sie bei Hermès minutenlang warten muss, ohne bedient zu werden, weil gerade eine arabische Familie mit fünf ganzkörperverschleierten Frauen das Personal vollständig in Anspruch nimmt, zündet sie einer davon mit dem Einwegfeuerzeug unauffällig die Burka an. Als die Sprinkleranlage  all die teuren Lederwaren verdirbt, verlässt Carmen unter lautem Summen der spanischen Nationalhymne den Laden.

Auf der Straße kommt gerade der Demonstrationszug vorbei. Man erklärt ihr, es gehe bei der Demo um die Rettung der Stadt Kuhbane. Da setzt Carmen das Kopftuch wieder auf und marschiert spontan weiter mit.

Wieder zuhause angekommen, will Carmen gerade die Hufe hochlegen, als ein mutmaßlicher DHL-Bote mit arabischem Aussehen an der Tür klingelt. Er übergibt Carmen ein Päckchen mit unleserlichem Absender und irakischen Briefmarken. Darin befinden sich einige als Geschenk verpackte Marmeladengläser mit Feigenbildern auf dem Etikett. Bei der routinemäßigen Ãœberprüfung mit dem Geiger-Zähler stellt Carmen deutlich erhöhte Radioaktivitätswerte fest. „Eindeutig ein Anschlag des IS“, ist unsere vorsichtige Heldin überzeugt. „Ich sollte denken, es wäre Marmelade. In Wahrheit handelt es sich aber um ein Kompott!“ sagt sie und entsorgt die Gläser behutsam in die Gelbe Tonne. Dann legt sie sich wieder auf’s Sofa. Vorher stellt sie den Geiger-Zähler neben die Stereoanlage und legt ein Violinkonzert auf.

 

12. Oktober 2014   Heiliger Stuhl!

Nachdem die erste Woche der Synode zu Fragen von Ehe und Familie in Rom vorüber ist, setzt sich Jorge mit Carmen zusammen, um einige der brennendsten offenen Fragen mit ihr zu besprechen. Jorge schätzt Carmen als loyale Katholikin, die jedoch den Blick immer ein wenig weiter über den Tellerrand hinaus zu richten weiß und für den Pragmatismus berühmt ist, der gerade bei dieser Synode im Vordergrund stehen soll.

Bei einer Tasse Tee beginnen sie die Liste durchzugehen. Dabei nennt Jorge jeweils ein Stichwort und Carmen macht einen kurzen Lösungsvorschlag:

  • Wiederverheiratung?
    Nur nach eingehender psychiatrischer Begutachtung der Zurechnungsfähigkeit. Wer einmal eine Ehe überstanden hat und dann unbedingt nochmal den gleichen Fehler machen will, kann eigentlich nicht ganz bei Trost sein.
  • Exkommunikation nach Wiederverheiratung?
    Nein. Aus oben genannten Gründen benötigen gerade diese verwirrten Schafe am meisten seelischen Beistand.
  • Kondome zur Verhütung von Empfängnis und sexuell übertragbaren Krankheiten?
    Ja. Aber nur farblos und ohne Geschmack.
  • Sex am Karfreitag?
    Ja. Aber nur mit dem eigenen Partner. Denn ein Vergnügen soll es nicht sein.
  • Kinderpornografie?
    Hä, fragt Carmen mit weit aufgerissenen Augen zurück??? Ok, sagt Jorge. War nur ein Test…
  • Schwulenpornos im Kloster?
    Gucken ja. Drehen nein.
  • Oralsex?
    Nur mit frisch geputzten Zähnen.
  • Eheschließung zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern?
    Nein. Warum sollten sie den gleichen Blödsinn machen wie die Heterosexuellen?
  • Nacktbaden?
    Nur nach Inspektion und Freigabe durch die Geschmackpolizei.

Jorge bedankt sich bei Carmen für die Beratung und will die Vorschläge am Montag seinen Mitbrüdern vortragen.

 

13. Oktober 2014   Herbsttag

Am Morgen nach dem denkwürdigsten Tatort aller Zeiten streckt Carmen de Ronda-Tarrantino kurz den Kopf aus dem Schlafzimmerfenster und beobachtet die fallenden Blätter.

Sie schließt die Augen und erinnert sich an ihre Schulzeit:

Herbsttag

Herr, es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren lass die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten, voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin, und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

Rainer Maria Rilke, 21.9.1902, Paris

 

Eine Woche nach Ende des Mid-Season-Sale startet Marketing-Genie und Waffenhändlerin Carmen Tarantino den großen „No-Reason-Sale“. Sie verspricht Rabatte bis zu 70% .*

*Nur im Aktionszeitraum von 12. bis 13. Oktober und nur in teilnehmenden Geschäften und nur auf ausgewählte Artikel des Vorjahres solange Vorrat reicht.

 

15. Oktober 2014

„Tuuuut tuuuut“, trötet Carmen und trotzt mit ihrer Märklin-Eisenbahn dem Lokführer-Streik. „Verehrte Fahrgäste, bei uns fahren alle Züge pünktlich. Sänk ju for träwelling wiss Carmen!“ verkündet sie über Lautsprecher in Uniform und Duktus des Bahnhofsvorstehers. Den Vorwurf, sie lebe in einer Traumwelt, will sie nicht gelten lassen. „Es sind nicht die Dinge, die uns bedrücken, sondern unsere Sicht der Dinge“, kommentiert unsere Kognitionspsychologin das Tagesgeschehen.

 

21. Oktober 2014

Nach dem verhinderten Amoklauf an einem Kölner Gymnasium wird Carmen am Morgen gegen Kaution aus der Untersuchungshaft entlassen. „Ich wollte wirklich niemanden etwas zuleide tun“, versichert unsere kleine Pazifistin. „Eigentlich wollte ich nur mal wieder in die Zeitung“, fügt die publicitygeile Scharfschützin kleinlaut hinzu.

Im Prozess gegen Oscar Pistorius verkündet die Vorsitzende Richterin Carmen Justitia-de Ronda heute das Strafmaß: „Ich erkenne auf Freispruch! Schließlich hat jeder das Recht, in seiner Eigentumswohnung soviele Löcher in die Badezimmertür zu schießen, wie er will“, begründet die Immobilienrechtsexpertin ihre überraschende Entscheidung.

 

22. Oktober 2014   Weihnachten naht

An der Seite des obersten dicken Führers Kim Jong-un nimmt Carmen heute in der Demokratischen Volksrepublik Korea die Parade der Koreanischen Volksarmee ab. „Seine coole Frisur setzt neue Maßstäbe in der Weltpolitik“, lobt unsere Typen- und Farbberaterin die Haartracht des kommunistischen Schlächters.

„Aber einer fehlt!“ bemerkt unsere aufmerksame Generalinspekteurin. Sie vermutet, dass es sich um einen Deserteur und Weihnachtsflüchtling handelt.

Armee Nordkorea
Danke an Schwägerin Susanne!

 

24. Oktober 2014   Las necesidades obligan (2)   

Carmen bedauert sehr, zum Bestreiten ihres Lebensunterhaltes auf Prostitution angewiesen zu sein. „Die Wirtschaftskrise zwingt uns alle, Opfer zu bringen. Glauben sie mir, keiner Mutter fällt es leicht, ihre eigenen Kinder auf den Strich zu schicken – auch mir nicht!“ versichert sie dem Leiter des Jugendamtes mit einem verhärmten Zug um die wie immer grell geschminkten Lippen.

(2) Die Bedürfnisse zwingen (Kubanische Redensart)

 

25. Oktober 2014   Kernkompetenzen

Samstagmittag sitzen Jorge und Carmen gemeinsam am Küchentisch und erledigen Hausarbeiten. Bei einer Tasse Adventstee pflegt Jorge seinen Rosenkranz mit Möbelpolitur, während Carmen ihr Präzisionsgewehr reinigt. 

„Gott liebt die Menschen“, sagt Jorge beim Polieren der Kette versonnen. „Wirklich jeden einzelnen?“ fragt Carmen ungläubig. „Jeden einzelnen!“ bestätigt der Heilige Vater nickend.

„Wow!“ staunt Carmen und denkt, dass sie diesen Job nicht machen könnte.

 

27. Oktober 2014   Ausschreitungen

„Diese Scheiß-Bullen haben mir mit ihren Wasserwerfern meine nagelneuen Prada-Springerstiefel ruiniert“, flucht Hooligan Carmen mit Tränen der Wut in den Augen.

Dann schreibt sie eine Dienstaufsichtsbeschwerde an den Innenminister. „Nach § 12, Abs. 4, Satz 1 der „Landesverordnung über den Einsatz von Wasserwerfern bei Demonstrationen im Herbst“ (LVOEWaWeDemoH) hätte das Wasser nicht nur mit ätherischen Ölen versetzt, sondern vor dem Benetzen der Demonstranten auch angewärmt werden müssen.“

Carmen fordert den Minister auf, die politische Verantwortung zu übernehmen und zurückzutreten. Gern stehe sie für sein Amt zur Verfügung, so die Carmencita.

Doch was wäre eine Doppelagentin ohne einen gelegentlichen Seitenwechsel?

„War das ein Spaß!“ freut sich Carmen, als sie im Morgengrauen ihre Wasserwerferdrohne im Hangar abstellt. „Hat total Spaß gemacht, die ganzen besoffenen Hooligans in den Rinnstein zu spülen!“

Dann geht sie ins Bad und löst vorsichtig den aufgeklebten Salafisten-Bart aus ihrem Gesicht.

 

28. Oktober 2014   Selbstwirksamkeitsüberzeugung

Heute steht Carmen im Berufsverkehr an einer Fußgänger-Bedarfsampel und drückt alle zwei Minuten auf den Anforderungsknopf. So bildet sich allmählich ein immer längerer Auto-Stau.

„Wenigstens eine Sache im Leben, die ich wirklich beeinflussen kann“, nimmt Carmen mit Befriedigung zur Kenntnis.

Sexsüchtige Positivistin Carmen Wittgenstein – de Ronda stellt fest: „Die Welt ist alles was der Phall ist.“

 

29. Oktober 2014   Konzeptänderung

Die Bundeswehr soll familienfreundlicher werden, teilt Graugans Uschi aus dem Winterquartier in Kabul mit. Carmen stimmt zu und besucht im Lauf des Vormittags mehrere Grundschulen in sozialen Brennpunkten, wo sie sich um die Rekrutierung von Kindersoldaten bemüht. „Entscheidende Schlachten nur noch in der Kernarbeitszeit zwischen 09 und 15:30 Uhr!“ verspricht die Burnout-Verhüterin.

 

31. Oktober 2014   Ein Datum – drei Tage!

Zum heutigen Weltspartag leistet sich Carmen eine Dose Kaviar und eine Magnumflasche Champagner. „Iss und trink solange es dir schmeckt – schon zweimal ist das Geld verreckt!“ lautet der inflationäre Wahlspruch unserer kapitalismuskritischen Ökonosofin.

Pünktlich zu Halloween eröffnet Carmen ein neues Geschäft für sündhaft teure Dessous. Als Einführungsangebot hat sie speziell für den heutigen Tag einige „Ghost Bustiers“ im Sortiment.  „Damit sind Sie heute Abend der Hit in der Geisterbahn“, schmeichelt sie einer schon etwas älteren Kundin.

Anlässlich des heutigen Reformationstags schlägt Carmen die Prothesen von Oscar Pistorius an das Hauptportal des Kölner Doms. „Hier stehe ich. Ich kann auch anders!“ droht sie den herbeigeeilten Dom-Schweizern.

„Ich bin dann mal weg!“ verabschiedet Carmen diesen ungewöhnlich warmen Herbstmonat und setzt sich für ein paar Tage in ihre Heimat ab.

Eingecheckt: Doppelagentin Carmen de Ronda lässt die Kuh fliegen
Eingecheckt: Doppelagentin Carmen de Ronda lässt die Kuh fliegen