¡No pasarán! (Januar 2015)

Je suis Charlie

 

05. Januar 2015   Carmen ist verwirrt

Köln am Abend: Etwa 150 bleichgraue AfD-Wähler und ungefähr ebensoviele Journalisten versammeln sich unter dem Namen „Kögida“ (Kölner gegen die Islamisierung des Abendlandes), einer Untergruppierung der „Pegida“, auf der Schäl Sick. Sie haben festgestellt, dass ihre Rente nicht zum Leben reichen wird und machen dafür irrtümlich die muslimischen Zuwanderer verantwortlich. Daher wollen sie heute durch die Kölner Innenstadt ziehen, um gegen Dönerbuden und Minarette zu demonstrieren.

Die Einsatzleiterin der Bundespolizei, Carmen-Ayshe de Ronda y Córdoba, rät den Demonstranten aufgrund von Sicherheitsbedenken, den geplanten Zug durch die Innenstadt abzusagen. „Bereits Kleinigkeiten könnten zum Zündfunken einer gefährlichen Eskalation werden“, warnt die Beamtin angesichts der zahlreichen hochemotionalisierten Gegendemonstranten, die sich an strategisch bedeutsamen Positionen auf dem geplanten Demonstrationsweg zusammengerottet haben.

Nach diesen warnenden Worten steigt Gutkuh Carmen klammheimlich in ihre Drohne und überfliegt mit ausgeschalteten Scheinwerfern die Deutzer Brücke. Auf dem Rückweg wirft sie unbemerkt durch das geöffnete Panorama-Glasschiebedach einen Pflasterstein mitten in die versammelte Hundertschaft der Bereitschaftspolizei, die daraufhin mit Gummiknüppeln und Tränengas gegen die Demonstranten losbricht.

„Soll keiner sagen, ich hätte sie nicht gewarnt“, kommentiert Carmen später in den Tagesthemen seufzend das Geschehen.

Angesichts der parteiübergreifenden Empörung zahlreicher Politiker unterschiedlichster Couleur gegen Pegida verspürt Carmen auf dem Heimweg zunehmende Verwirrung und Skepsis. Weiß sie doch, dass viele Politiker nicht das tun, wovon sie überzeugt sind, sondern vielmehr das, wovon sie sich einen Vorteil versprechen.

Andererseits ist unsere katholische Migrantin schon ganz froh, nicht in Dresden zu leben.

 

Eat, Pray, Love: Carmen besucht die Mezquita von Córdoba
Eat, Pray, Love: Carmen besucht die Mezquita von Córdoba

 

08. Januar 2015   ¡No pasarán!*

Nach dem Terroranschlag auf das französische Satiremagazin „Charlie Hebdo“ sitzt Freiheitskämpferin Carmen die ganze Nacht über am Schreibtisch und arbeitet fieberhaft weiter an ihren neuesten Karikaturen. „¡No pasarán!“ murmelt sie dabei immer wieder. „¡No pasarán!“

(* „Sie werden nicht durchkommen!“, Schlachtruf der spanischen Freiheitskämpferin Dolores Ibárruri, 1895-1989)

 

Ohne Worte
Ohne Worte

 

12. Januar 2014   La vida continua

In Anerkennung ihres ebenso unermüdlichen wie effizienten Einsatzes auf dem Spielfeld und in der Kabine bei der Fußball-WM 2014 erhält Ballkünstlerin Carmen de Ronda-Ronaldo beim FIFA-Ball in Zürich heute die begehrte Auszeichnung als Spielerfrau des Jahres.

„Und ich danke dem Manuel… und dem Jogi… und dem Philipp… und dem Oli, ach ja, dem Oli… und…“ bringt Carmen in ihrer Dankesrede unter gerührtem Schluchzen hervor.

Die Auszeichnung sei jedoch gerechtfertigt, denn keine andere könne so viele Bälle gleichzeitig in der Luft halten, teilt sie nach der Veranstaltung augenzwinkernd einem befreundeten Sportjournalisten im Vertrauen mit.

Am Rande der Veranstaltung begegnet Carmen ihrem Erzfeind Blatter. „Wer hat dich denn aus dem Wasser gefischt, schmutziger alter Mann?“ zischt sie ihm im Vorübergehen zu.

(Siehe hierzu die Dokumentation von Carmens letzter Begegnung mit dem FIFA-Funktionär http://www.rinderwahn.eu/?p=634)

 

13. Januar 2014   Unwort des Jahres: „Lügenpresse“

In ihrem Kölner Zentrum für Informationsgewinnung und erweiterte Befragungstechniken freut sich Carmen heute über das Eintreffen eines ebenso innovativen wie nützlichen Gerätes zur Ermittlung der Wahrheit.

„Bisher lügen noch viele unserer Gäste, dass sich die Balken biegen. Mit der neuen ‚Lügenpresse‘ fördern wir die Wahrheit schneller zu Tage als uns dies mit den bisherigen konventionellen Methoden möglich war“, erklärt Carmen den Zweck der neuen Maschine.

Dabei sei die Funktion recht einfach: „Je mehr einer lügt, umso schwerer kriegt er Luft“, fasst Carmen das Prinzip des Gerätes zusammen.

Nach der Installation hängt Carmen ein kleines, aber für die Gäste gut sichtbares Schild mit einem ihrer liebsten Bibelzitate an die Wand des Befragungsraumes:

Joh 8,32
Joh 8,32

 

15. Januar 2014   Wer seid Ihr denn?

Da sie das verspannte Herumgezicke beim Kaffeekauf im Nespresso-Laden gründlich satt hat, kauft sich Carmen heute eine Maschine, die mit Pads funktioniert. „Schmeckt mindestens genauso gut und ist außerdem noch umweltverträglicher. Das ist wichtig für eine konservative Kuh wie mich, für die Werte, Moral und Tradition einen hohen Stellenwert besitzen“, findet Carmen Gräfin von Pfuel und tanzt mit ihren sechs Kälbchen (von sieben verschiedenen Bullen) fröhlich im Kreis.

 

18. Januar 2014   Alaaf!

Carmen sitzt an der Nähmaschine und freut sich auf die bevorstehenden Karnevalstage. „Mein Muh-hammed-Kostüm ist fast fertig!“ freut sich unsere todesmutige Jecke.

 

19. Januar 2014   Demonstrationsverbot

Nach einer aktuellen Studie ist der Reichtum auf der Welt äußerst ungleich verteilt. „Ein Prozent der Weltbevölkerung besitzt die Hälfte des Planeten!“ prangert Jorge an.

Carmen holt ihr Sparbuch unter dem Kopfkissen hervor und versteckt es in ihrer Handtasche. Dann geht sie in den Garten zum Froschteich, wo sie sich schützend vor die Tiere stellt: „Ich geb meine Kröten nicht her!“ lautet der Schlachtruf unserer Naturschützerin.

Per einstweiliger Verfügung verbietet Verwaltungsrichterin Carmen de Ronda – Antipegida später den Kröten im Froschteich den Mund. „Wir haben Hinweise auf eine akute Gefährdung“, begründet sie in einer Rechtsgüterabwägung diese Einschränkung der Versammlungsfreiheit. „Ist außerdem sowieso alles nur Quaak“, fügt sie im vertrauten Kollegenkreis hinzu.

 

20. Januar 2015   Es wird eng für Carmen

Nach einem Bericht von amnesty international hatte die CIA Unterstützung in Europa. Es gebe Hinweise auf geheime Foltergefängnisse auf europäischem Boden.

„Sie sind mir auf den Fersen“, stellt Carmen nervös fest und jagt erst einmal alle Akten durch den Reißwolf.

Im Rahmen einer Mahnwache lässt sich Carmen heute in der Kölner Keupstraße von einem türkischen Bullen nageln. „So macht politisches Engagement Freude!“ stellt unsere Aktivistin zufrieden fest.

 

21. Januar 2015  

Eilmeldung am Abend: Pegida-Chef Bachmann tritt zurück.

„Zurück in den Knast?“ fragt Carmen.

Dann überlegt sie einen Augenblick lang, ob sie seine Nachfolge übernehmen soll. Als erstes würde sie die Dresdner Montagsdemonstrationen verlegen. „Dienstags in Recklinghausen passt mir persönlich besser“, begründet sie diesen gewagten Bruch mit der Tradition.

 

22. Januar 2015   Nachfolgestreit

Zur Nachfolgediskussion innerhalb der Pegida zitiert Carmen ein portugiesisches Sprichwort: „Die Fliegen werden ausgewechselt. Die Scheiße bleibt.“

 

23. Januar 2015   Altersvorsorge

Am Morgen nimmt Carmen ein anhaltendes tiefes Geräusch wahr und macht sich auf die Suche nach der Ursache. Nach einer halben Stunde wird sie in der Kneipe um die Ecke fündig: „Die Wirtschaft brummt“, erklärt sie ihrem Kumpel Jorge.

Im Lauf des Tages sieht sich Carmen auf Kuhadvisor, einem Internetportal für die Vermittlung von Altersheimplätzen für Kühe, um. Ein wenig störend findet sie die zahlreichen, während ihrer Suche auf dem Bildschirm erscheinenden Pop-Up-Fenster:

  • „Nur noch 1 Heimplatz in Ihrem Wunschzeitraum verfügbar!“
  • „12.000 Kühe sehen sich gerade dieses Heim an“
  • „Die letzte Buchung für dieses Heim erfolgte vor einer Minute aus Gütersloh“
  • „Die Lebenserwartung der Kühe in diesem Heim ist in den letzten Tagen gestiegen“

Genervt klappt Carmen ihr Notebook zu und entscheidet sich vorläufig für das betreute Wohnen um die Ecke.

 

23. Januar 2015   Le Roi se meurt

Carmen fliegt zur Beerdigung des Saudi-Arabischen Königs Abdullah nach Riad. Am Rand der Zeremonie informiert sie sich ausführlich über die Prügelstrafe. der Nachfolger des verstorbenen Königs, Kronprinz Salman, schenkt ihr eine Auswahl von Peitschen und Stöcken. „Damit könnten wir in Deutschland das Pegida-Problem gewissermaßen im Handumdrehen lösen“, hofft unsere scharfe Richterin.

Auf dem Rückweg zum Flughafen lenkt sie, als westliche Sexbombe aufgebrezelt, das Wachpersonal im Gefängnis ab und befreit den Blogger Raif Badawi. „Schau mal, hab‘ Dir Bepanthen-Salbe mitgebracht“, hilft sie ihm behutsam in die Drohne.

 

24. Januar 2015

Auf QVC vertickt Carmen Glööckler ihre neue Schmuckkollektion. „Am besten verkaufen sich im Osten die Halsketten mit Pegida-Anhänger“, stellt unser Marketing-Genie seufzend fest.

 

25. Januar 2015   Fremdwörter

In einem Vortrag beim Weltwirtschaftsgipfel in Davos fordert Jorge, es sei höchste Zeit für einen Paradigmenwechsel. Unser gelangweiltes Fashion-Victim Carmen schleicht sich daraufhin in die Haupteinkaufsstraße des Ortes. Bei Gucci lässt sie sich in einen Ledersessel fallen, streift ihre Pumps ab und sagt zum Verkäufer: „Hören Sie, der Heilige Vater sagt, ich brauche dringend neue Paradigmen. Also bitte. Und am besten zeigen Sie mir auch gleich noch die passende Handtasche dazu!“

 

27. Januar 2015   Permanenter Seitenwechsel

Bei der Handball-WM in Katar wirft Carmen ein unhaltbares Eigentor. „Brille: Fielmann.“ bringt sie zu ihrer Entschuldigung vor.

Mit einem Blizzard ungekannter Heftigkeit legt Carmen de Ronda – Holle die amerikanische Ostküste lahm. „Kleiner Vorgeschmack auf meinen Dschihad!“ frohlockt unsere Teilzeit-Muslima.

Am Jahrestag der Befreiung von Auschwitz blättert Carmen voller Nostalgie in einem Fotoalbum, in dem sie als blutjunge russische Soldatin zwischen zahlreichen ebenso ungläubig strahlenden wie abgemagerten Häftlingen zu sehen ist. „War bis heute einer meiner bewegendsten Einsätze“, erzählt unsere Superheldin, die sich weiterhin beharrlich weigert, ihr wahres Alter zu preiszugeben.

In seiner Gedenkrede vor dem Parlament mahnt Bundespräsident Gauck wider das Vergessen. „Wo hab‘ ich nur meine Brille gelassen?“ grübelt der alternde Staatsmann auf dem Heimweg.

Beim Skispringen in Oberstdorf holt Carmen in ihrer knallengen Funktionsburka die Goldmedaille für Afghanistan. „Mein ganz persönlicher Ski-had!“ freut sich unsere friedliebende Sportskanone.