Letztes Wiedersehen mit Sepp (Mai 2015)

01. Mai 2015   Politisch korrekte Kinderarbeit 

Den Feiertag nutzt Carmen, um das Betriebssystem ihrer mobilen Endgeräte wie Q-Pad und Q-Phone zu aktualisieren. Dabei fällt ihr auf, dass der Hersteller Pebble aus Kalifornien auch die Icons verändert hat. Zum Beispiel gibt es jetzt die meisten menschlichen Piktogramme in diversen Hautfarben. Von kreidebleich bis pechschwarz.

Unsere neugierige Superheldin guckt sich das genauer an. Gelinde gesagt, erkennt sie im Ergebnis des Updates zahlreiche „Opportunities for Improvement“.

„Die spinnen doch bei Pebble“, brummelt sie nach einer Weile in sich hinein. “ Ein Chinese mit Turban!!! Warum dann nicht auch einen polnischen Flamencotänzer?  Warum keinen Aborigine im Dirndl?  Warum keinen skalpierten Armenier am Marterpfahl eines turko-brasilianischen Kannibalenstamms?  Ist doch inkonsequent!“ 

Genervt setzt sich Carmen hin und schreibt eine E-Mail an den offenbar in political correctness erstickenden Softwarehersteller. Darin listet sie alle Inkohärenzen minutiös auf und droht mit einer Klagewelle.

„Ich will mindestens einen transidenten Neger mit gebrochenen Handgelenken im Tütü sehen! Und einen arabischen Schneemann mit beschnittener Möhre (denn wir wissen, dass es in Teheran bitter kalt werden kann!).“

Schließlich kommt Carmen zum Höhepunkt ihrer Mail: „Und ich will die chinesischen Kinderhände sehen, die als Zwangsarbeiter in den Pebble-Fabriken in Asien die Geräte mit der ganzen Scheiße zusammenbauen!“ lautet ihre abschließende Forderung.

Während die Worte voller Hingabe nur so aus ihr herausfließen, hat unsere kleine Künstlerin ein vertrautes Lied ihres alten Freundes Milton Nascimento auf den Lippen: „Inca, maia, pigmeu, minha tribo me perdeu, quando entrei no templo da paixão…“ (Inka, Maya, Pygmäe, mein Stamm hat mich verloren als ich eintrat in den Tempel der Leidenschaft.“)

Dann drückt sie auf „Senden“.

 

05. Mai 2015   Die Rache des Ho-Ho-Ho-Chi-Minh

Am „Tag des deutschen Brotes“ kauft Carmen bei „Backwerk“ haufenweise Brötchenrohlinge, die am Vorabend tiefgekühlt aus Fernost angeliefert worden waren. Die wirft sie beim französischen Bäcker durch das geschlossene Schaufenster. Die in den Rohlingen enthaltenen Enzyme und Zusatzstoffe fressen innerhalb kürzester Zeit den Bäcker, dessen Familie und seine gesamte Ware auf. Dann wechseln sie automatisch ihre Farbe in „durchgebacken“ und legen sich zum Verkauf ins Regal.

Carmen bringt neue Preisschilder an und verkauft die von ihr so getauften „Kannibalenbrötchen – für den Riesenhunger“ zu Schleuderpreisen. Zu den begeisterten Kunden zählen vor allem junge Menschen, denen sie die Brötchen in ihre riesigen „Primark“-Tüten packt. Denn, so sagt unsere tief religiöse Betriebswirtschafterin, Asche zu Asche und Dreck zu Dreck.

Besonders gut angenommen wird die Möglichkeit der Ratenzahlung per Handy-App. „Null Anzahlung!“ lächelt Carmen, während sie einem Kunden die Tüte mit zwei Kannibalenbrötchen überreicht. „Hammse ne Paybackkarte?“ fragt sie routinemäßig nach. Als sich der Kunde vor dem Bezahlen mit der Tüte aus dem Staub macht, bleibt Carmen gelassen. „Er wird nicht weit kommen. Die Brötchen sind gechipt.“ Mit ihrem Q-Pad aktiviert sie die Schläferbrötchen, so dass der Dieb noch an der nächsten Ampel von den Kannibalenteiglingen überwältig und bei lebendigem Leib verschlungen wird.

„Der Kapitalismus frisst seine Kinder“, stellt Carmen nüchtern fest.

 

10. Mai 2015   Muttertag

Am heutigen Muttertag gedenkt Engelmacherin Carmen in der Frühmesse all ihrer ungeborenen Kälbchen.

„Was hätte ich heute Blumen geschenkt bekommen…“ sagt Carmen nachdenklich zu Jorge.

„Das ist eben so“, antwortet der Heilige Vater. „Kesse Väter kriegen nichts zum Muttertag. Mach Dir nichts draus. Wir beide sind Christi Himmelfahrt an der Reihe!“ tröstet er seine ebenfalls kinderlose Freundin.

 

Sally Io und Osama feiern Muttertag
Sally Io und Osama feiern Muttertag

 

Mutterliebe könne manchmal auch einengend wirken, räumt Osama ein. Dann kramt er sein Asthmaspray hervor und inhaliert tief.

Heute Fußballspiel Köln gegen Schalke. Nach Polizeiangaben werden 900 Hooligans erwartet. „901“, korrigiert Carmen und knotet ihren FC-Schal fester um den Hals.

Warum sie den Airbus in Spanien abgeschossen habe, wird Carmen gefragt. „Einfach so“, lautet die knappe Antwort. Ihr breites Grinsen beim Blick auf den Kurs der Boeing-Aktie verrät jedoch die wahren Motive unserer kleinen Insiderhändlerin.

Auf die Frage, womit sie das Flugzeug abgeschossen habe, erklärt Carmen, sie habe die Klöten eines frisch kastrierten Bullen benutzt. „Der letzte Schrei auf dem Waffenmarkt: eine sogenannte Hoden-Luft-Rakete“, erläutert unsere Ballistikerin.

 

15. Mai 2015   Späte Rache

Am gestrigen Abend musste das Finale von Germany’s Next Top Model wegen einer Bombendrohung abgebrochen werden. Bei der Evakuierung brach sich Heidi Klum einen Fingernagel ab und musste mit dem Rettungshubschrauber ins Kosmetikstudio gebracht werden. MIttlerweile sei sie außer Lebensgefahr, teilt ihre Familie auf einer Pressekonferenz mit.

Als Jorge Carmen heute früh auf das Ereignis anspricht, schaut sie nur kurz auf ihre Hufe, murmelt etwas von „Maniküretermin“ und verlässt ohne weitere Kommentare die Wohnung.

Beichtvater Jorge erinnert sich, dass unsere sensible Heldin vor vielen Jahren eine stürmische Affäre mit Seal gehabt hatte, die der damals wegen Heidi beendete.

 

26. Mai 2015   Spaß op Kölsch

„Oh Mann, mir ist voll langweilig!“ nölt die Chefin des Kölner Kampfmittelräumdienstes, Carmen Bombita de Ronda. Dann versteckt sie einen Blindgänger in Kölner Norden und startet eine spektakuläre Evakuierungsaktion, an der sie sich mit ihrem Behindertenfahrdienst nebenbei eine goldene Nase verdient.

 

27. Mai 2015   Kriminelle Vereinigung mit vier Buchstaben?

Chefermittlerin Carmen de Ronda teilt mit, bei der letzten WM seien Argentinien und Brasilien bestochen worden. „Nur so konnte die deutsche Mannschaft Weltmeister werden“, ist das erschütternde Fazit der Sichtung geheimer FIFA-Dokumente.

Beim letzten Ölwechsel an Blatters Dienstfahrzeug seien in der Werkstatt Schmiergeldzahlungen geleistet worden, will Carmen außerdem erfahren haben.

 

29. Mai 2015  

„Komm doch übers Wochenende nach!“ schlägt Carmen ihrem Kumpel Jorge vor. „Im Baur au Lac wird heute noch eine Suite frei!“ Dann schultert sie ihr frisch geputztes Präzisionsgewehr und fliegt nach Zürich.

Bombendrohung gegen FIFA-Kongress. Carmen verärgert, weil man ihr die Show stehlen will.

 

03. Juni 2015   Ende gut, alles gut

Zwei Anrufen bringen Carmen in einen moralischen Zwiespalt: Soll sie für 100.000 USD Blatter an die USA ausliefern oder für 5 Mio CHF die ermittelnde Staatsanwältin in New York liquidieren?

Doch diesmal zögert sie nicht lang.

Nach einem Hinweis von Carmen wird Sepp Blatter in Zürich verhaftet und in den Kerker geworfen. „Nur Wasser und Brot für den schmutzigen alten Mann!“ befiehlt unsere strenge Gefängnisdirektorin.

Die Blattern seien endlich ausgestorben, verkündet WHO-Präsidentin Carmen später stolz.

Vorher hatte sie den FIFA-Chef bei der peinlichen Befragung etwas zu lange mit dem Kopf unter Wasser gedrückt.

Carmens Feindschaft mit Sepp B. hat eine lange Geschichte, die hier nachzulesen ist Carmen und FIFA (Juli 2013): http://www.rinderwahn.eu/?m=201307