Carmen: Schießt ins Knie und beißt ins Herz! (Juni 2015)

07. Juni 2015   Probefahrt

In einem riesigen SUV der Firma Audi fährt Carmen heute zu Sonnenaufgang auf die Zugspitze. „Ist mein persönlicher Q7-Gipfel!“ stellt unsere Automobilfetischistin zufrieden fest.

 

08. Juni 2015   MEADS soll Patriot ersetzen

„Miez Miez Miez!“ versucht Carmen eine russische Mittelstreckenrakete in die Falle zu locken.

In der Mittagspause spielt sich unsere gelangweilte Heldin mit einer kleinen Flugabwehrrakete unter dem Flamencokleid. „MEADS MEADS MEADS“, keucht sie erregt.

 

09. Juni 2015   Carmen wird filosofisch

„Life laughs last“, stellt Carmen anlässlich des Todes ihres Musikerkollegen betroffen fest.

„Jeder tote Reiche bedeutet zehn lebendige Arme.“
(João Ubaldo Ribeiro, + 2014)

„Zehn lebendige Arme bedeuten zehn lebendige Unterarme.“ (Carmen de Ronda, * 20??)

Es sei doch merkwürdig, findet Wahrnehmungsfilosofin Carmen de Ronda, dass die Tauben so viel Lärm machen könnten, aber die Blinden kein Licht.

„Wie jede unterdrückte Klasse lernen Frauen, den eigenen Zorn zu fürchten.“
(Laurie Penny)

Carmen sagt, sie fürchte sich nicht. Dann knallt sie mit ihrem Bärentöter zwei Machos ab.

 

10. Juni 2015   Sportunfall

Nachdem sie am Vorabend beim Bouldern aus der Wand gestürzt war, sitzt Carmen heute mit mehreren Eisbeuteln auf dem Sofa und kühlt ihre Hämatome. „Warum musste der Typ, auf den ich gefallen bin, so unglaublich spitze Knochen haben“, hadert unsere Sportskanone mit dem Schicksal.

„Jetzt nicht mehr“, murmelt Jorge zerstreut, während er gerade Texte für eine Trauerfeier zusammenstellt.

 

11. Juni 2015   Atomare Aufrüstung

Gefährliches Säbelrasseln: Carmen schickt ihre Nuklearsprengköpfe zum Friseur.

Bei einem Urlaub in Brasilien lässt sich Michelle Obama von Ivo Pitanguy einen Atombusen machen.

Carmen hält Michelles Foto neben eines von Putins Frau und stellt fest, jetzt sei das Gleichgewicht des Schreckens wiederhergestellt.

 

19. Juni 2015   Hell’s Bells

Am Abend werden im Bistum Köln zur Erinnerung an die im Mittelmeer ertrunkenen Flüchtlinge die Kirchenglocken läuten.

Headbangerin Carmen besucht stattdessen eine andere Gedenkfeier: sie geht zum AC/DC-Konzert auf die Jahn-Wiesen. „Hell’s Bells!“ brüllt sie nach Leibeskräften und schüttelt dabei wild ihre Wasserwelle im Takt.

Um 22 Uhr stellt die Leiterin des Ordnungsamtes, Carmen de Ronda, auf dem Festival-Gelände den Strom ab. „Könnt ja a capella weitermachen“, erlaubt sie den Rockern großmütig. „AC/DC unplugged“, steht im Kölner Stadtanzeiger.

Am Tag nach dem Konzert hilft Carmen beim Abräumen der Dixie-Klos. „80.000 Liter Rockerpisse!“ stöhnt sie erregt und knotet das gelbe Tuch enger um den Hals.

 

20. Juni 2015

„Natürliche Schönheit kommt von innen!“ behauptet Carmen und gießt sich noch einen Gin Tonic ein.

 

21. Juni 2015   Sommeranfang

Carmen hat sich die ganze Nacht auf einer Waldlichtung mit zahllosen paarungsbereiten Glühwürmchen in Trance getanzt. „Es war ein unglaubliches spirituelles Ereignis“, schwärmt unsere besessene Drogenhändlerin.

 

23. Juni 2015   Tricky!

Religiöse Führer weisen darauf hin, dass bei gesundheitlichen Problemen das Essen und Trinken auch im Ramadan erlaubt sei. „Hatschi!“ schreit Carmen demonstrativ und beißt genüsslich in ihr Nutella-Brötchen.

 

25.6.2015   Die Griechenland-Krise spitzt sich zu

Auf Anfrage des IWF reformiert Carmen das griechische Rentensystem. „Diesen Monat die Rentner mit den geraden Hausnummern, nächsten Monat die mit den ungeraden“, lautet ihr verblüffend einfacher Vorschlag.

Wenige Stunden später gehen in den Baumärkten doppelseitig bedruckte Hausnummernschilder weg wie warme Bifteki.

„Ich hab’s kommen sehen!“ reibt sich Baumarktbesitzerin und Nummernschildproduzentin Carmen die Hufe.

 

26. Juni 2015   Große Ereignisse

Der Wecker klingelt. Carmen streckt und räkelt sich noch ein bisschen. Dann steht sie auf und zieht die Jalousien hoch. „Die Tage werden schon wieder kürzer“, stellt sie seufzend fest. Dann geht sie nach nebenan ins Bad. „Sentinel“ steht auf den Handtüchern.

Das Satellitentelefon klingelt. Der Direktor der ESA ist dran. „Gut, dass Sie anrufen!“ sagt Carmen. „Ich wollte mal fragen, wie ich hier eigentlich wieder runter komme.“ Längeres Schweigen am anderen Ende. „Sind Sie noch dran?“ fragt Carmen verunsichert.

„Ich muss nämlich um fünf im Adlon sein“, fügt Carmen erklärend hinzu.

„Well, I thought you had some experience in HALO jumps, hadn’t you“, antwortet der Direktor schließlich. „Das gibt aber einen Zuschlag beim Honorar“, brummelt Carmen zickig und legt auf. “ Was hab ich Dir eigentlich getan?“ schnauzt sie das Kruzifix an der Wand an. Dann macht sie sich seufzend auf die Suche nach dem Fallschirm.

Bevor sie abspringt, entdeckt Carmen noch einen Steinschlag auf der Windschutzscheibe des Satelliten. „Carmen repariert, Carmen tauscht aus“, summt sie, während sie ein Spezialharz aufträgt. „Setz ich der ESA alles auf die Rechnung“, reibt sie sich vergnügt die Hufe.

Nach ihrer wohlbehaltenen Ankunft auf der Erde speist Carmen eine Kleinigkeit im Lokal eines vietnamesischen Geschäftspartners. Es gibt Summer Salad mit totem Huhn von Carmens Hühnerfarm in Uruguay. Die Dame am Nebentisch erzählt mit osteuropäischem Akzent interessante Details über ihre Gebärmutter. Die Sonne scheint. Es ist mild. Alles wird gut, denkt unsere zufriedene Heldin.

Später hüpft Carmen vor dem Kleiderschrank nervös von einem Bein aufs andere. „Soll ich lieber den roten Hut oder doch eher den weißen?“ fragt sie ihren Kumpel und Stilberater Jorge. Der rät zu etwas Schlichtem, was Carmen nur mit einem kurzen „Hab‘ ich nicht“ abtut. Schließlich packt sie vorsichtshalber mehrere Garnituren zur Auswahl in den Schrankkoffer und fliegt zum Staatsbesuch von Königin Elizabeth II. nach Berlin.

„Sind zum Tee im Adlon verabredet“, erzählt Carmen ihrer Freundin Abigail von unterwegs.

 

30. Juni 2015

Hochsensible Carmen fürchtet sich vor der Schaltsekunde, die für nächste Nacht angekündigt ist. „Da hab ich wieder tagelang Jet Lag und Kopfschmerzen“, stöhnt unsere kleine Diva.