Carmen und die Flüchtlingskrise (September 2015)

01. September 2015   Irány Magyarorszá

In einer Rede anlässlich der Wiedereröffnung des ungarischen Konzentrationslagers Walldorf betont Ministerpräsident Viktor Orbán, selbstverständlich seien Flüchtlinge auch in Ungarn jederzeit herzlich willkommen. Hinsichtlich ihrer Unterbringung habe man in der Vergangenheit viel von Deutschland gelernt, fügt der Diplomat lächelnd hinzu.

 

02. September 2015   Mieser Trick

Der bayerische Ministerpräsident bittet Carmen um Hilfe wegen der Flüchtlingskrise. Nachdem Carmen die Ortsschilder am Münchner Hauptbahnhof überschrieben hat, weigern sich die Flüchtlinge kollektiv, dort auszusteigen. „Mügyar“ steht da in großen Lettern.

 

03. September 2015   Win-Win-Situation

„Deutschkurs für Flüchtlinge“ steht auf dem Schild, mit dem Carmen am Münchner Hauptbahnhof auf die Neuankömmlinge aus Budapest wartet.

„Be-sen“ erklärt sie und drückt jedem einen Feger in die Hand. „Laub!“ sagt sie und zeigt auf den herbstlichen Asphalt. „Fe-gen“, fügt sie mit übertriebenen Wischbewegungen hinzu. „Ich sammle das Laub, Du sammelst das Laub, er sie es sammelt das Laub…“ bringt sie den dankbaren Asylanten anschließend die erste Konjugation bei.

„Morgen um 09:00 Uhr im Englischen Garten!“ verabschiedet sie sich von lauter strahlenden Gesichtern.

Später schreibt sie Rechnungen an das Ausländeramt für den Sprachkurs, an die Abfallwirtschaftsbetriebe für die Straßenreinigung und an die Bezirksregierung für Ausländersozialarbeit.

„Wir Frauen können eben Multitasking“, erklärt sie ihrem staunenden Kumpel Jorge.

 

08. September 2015

Die Stifterin des radikal-feministischen Ikonoklasmus, Carmen de Ronda, begrüßt den jüngsten Bildersturm durch den Islamischen Staat. Mit viel Liebe zum Detail klebt sie in jede frei gewordene Nische abwechselnd eine kleine Schleich-Kuh und ein kleines Schleich-Schweinchen. „Sitzen bombenfest“, freut sich unsere Religionsführerin während sie den Sekundenkleber wieder im Werkzeugkasten verstaut.

 

10. September 2015   Kernphysik

Im Kernforschungszentrum Jülich entdeckt Quantenphysikerin Carmen de Ronda ein neues Teilchen:

„Histrionen sind die kleinsten Elemente, aus denen temperamentvolle und willensstarke Frauen wie ich bestehen“, erklärt unsere kluge Forscherin.

„So ein Quark“, brummt der Leiter der Anlage skeptisch.

 

 11. September 2015   Jahrestage haben’s in sich

„Glücksspiel kann süchtig machen!“ warnt Carmen, nachdem sie mit ihrer nagelneuen Kalaschnikow wahllos in die Menge geballert hat.

 

15. September 2015   Schutzkleidung

Carmen sitzt heute früh mit Neoprenanzug, Taucherbrille und Schnorchel am Internet. Nur so sei sie der Informationsflut gewachsen, erklärt unsere Medienexpertin.

 

16. September 2015   #Carmen

Wegen des herbstlichen Regenwetters beschließt Carmen, heute zu chillen. Mit einem dicken Joint macht sie es sich auf dem Sofa gemütlich.

„Haschtag Carmen“ twittert sie doppeldeutig.

 

17. September 2015   Was wirklich zählt

Während Jorge ratlos vor dem Kleiderschrank steht, kommt Apothekerin Carmen und hält ihm seine Herztabletten hin: „Tromcardin statt Pierre Cardin!“ lautet das Memento Mori unserer endzeitlich gestimmten Stilberaterin.

Carmen schämt sich (September 2015)

05. September 2015   Carmen schämt sich

Die letzten Tage hat Carmen auf dem Sofa verbracht und dabei Kaffee getrunken, Kekse geknabbert, mit ihrem Q-Pad im Internet gesurft und sich gelangweilt. Die Geschäfte stagnieren. Fast alle ihre Freundinnen sind in Ferien. Carmen hat keine Ahnung, was sie mit der vielen Freizeit anstellen könnte. Im Internet entdeckt sie einen interessanten Artikel über Indien. Besonders gefällt ihr der Abschnitt über die Heiligen Kühe. „Vielleicht sollte ich ein wenig verreisen“, denkt sie „und ein bislang unbekanntes Land entdecken!“

Bereits eine Stunde später sitzt sie in ihrem Cabrio auf dem Weg zum Flughafen. Nachdem sie in der Drohne Platz genommen hat, versucht sie die Daten ihres Zielortes Neu-Dehli in das Navigationssystem einzugeben. „Systemfehler“, erscheint auf dem Bildschirm. „Bitte kontaktieren Sie die Flugsicherung.“

„Verdammte Scheiße, funktioniert in dieser verrückten Stadt eigentlich überhaupt nichts – außer dem Bierbrauen?“ flucht unsere spanischstämmige Immigrantin auf ihre neue Heimatstadt Köln. Dabei gehen ihr nicht nur der Einsturz des Stadtarchivs beim Bau einer U-Bahn-Linie durch den Kopf, sondern auch die Verzögerung bei der Wiedereröffnung der Oper und die Absage der Bürgermeisterwahl aufgrund fehlerhafter Stimmzettel.

Sie greift nach ihrem Q-Phone und ruft im Tower an. Der Fluglotse ist freundlich und gut gelaunt, wie der überwiegende Teil der Eingeborenen der Stadt, die sich von Pleiten, Pech und Pannen nicht die Stimmung verderben lassen, solange nur das Kölsch noch fließt. „Es stimmt“, bestätigt er. „Aus bislang unbekannten Gründen haben die Amerikaner vor ein paar Stunden die Verbindung zu ihren GPS-Satelliten unterbrochen… Wohin wollen Sie denn?“

„Ehrlich gesagt, wollte ich Indien entdecken“, antwortet Carmen schlecht gelaunt, „aber unter diesen Umständen glaube ich nicht, dass das einen Sinn hat.“ – „Aber warum denn nicht?“ versucht der Fluglotse unsere enttäuschte Heldin zu trösten. „Nach Indien, das ist ganz einfach! Nehmen Sie Startbahn drei, steigen Sie bis auf 2.000 m, dann biegen Sie um 72 Grad nach links ab, steigen auf 8.500 m und dann immer geradeaus, bis sie nach ca. 10.000 km einen starken Geruch nach exotischen Gewürzen wahrnehmen – und schon sind Sie da!“

„Hm… meinen Sie wirklich, das ist so einfach?“ fragt unsere skeptische Kuh zurück. „Ja, das meine ich“, lautet die zuversichtliche Antwort des Fluglotsen. „Sie werden sehen. Sie haben Starterlaubnis auf Startbahn drei. Ich wünsche Ihnen schöne Ferien in Indien!“ – „Danke“, erwidert unsere kleine Geheimagentin artig.

„Der Kerl hat recht“, denkt sie. „Ich brauche dieses amerikanische Spielzeug nicht. Früher hatten wir auch kein GPS und sind doch geflogen. Ich nehme einfach die Karte, die Kompass-App aus meinem Q-Phone, ein Lineal und einen Zirkel, so wie ich es auf der Pilotenschule gelernt habe!“

Weil Carmen eine resolute und tatkräftige Frau ist, hebt sie nach kurzer Zeit mit ihrer Drohne vom Flughafen Köln-Wahn ab. „Auf geht’s nach Neu-Dehli!“ ruft sie fröhlich. Dann folgt sie den Anweisungen des Fluglotsen: „Auf 2.000 m steigen, dann nach links abbiegen…“

Zumindest glaubt sie das zu tun.

Nachdem sie ihre Reiseflughöhe erreicht hat, gestaltet sich der weitere Flug sehr ruhig. Unsere tiefenentspannte Entdeckerin legt die Hufe hoch, öffnet eine Flasche Champagner, schaltet das Drohnenradio ein und genießt die Vorfreude auf ihre Ankunft in Indien, wo Kühe so verehrt werden, wie sie es verdienen.

Elf Stunden später schnuppert Carmen einen intensiven Duft nach exotischen Gewürzen und nimmt am Horizont die Umrisse einer Großstadt wahr. „Das muss Neu-Dehli sein!“ stellt Carmen zufrieden fest. Sie meldet sich bei der Flugsicherung und erhält sogleich die Landeerlaubnis. Nach der Landung parkt sie die Drohne in einem leeren Hangar, dessen Türen zufällig offen stehen. Sie legt einen Zettel mit ihrer Handy-Nummer hinter die Windschutzscheibe. „Sollen sie mich anrufen, wenn die Drohne jemanden stört“, denkt sie. Sie verlässt den Hangar mit ihrem Trolley. Draußen schaut sie sich erst einmal interessiert die Umgebung an und guckt dann auf ihre Omega Seamaster.

„Heute ist Samstag, der 5. September 2015. Ich, Carmen de Ronda, habe Indien entdeckt!“ stellt sie voller Stolz fest.

„Indien habe ich mir immer ganz anders vorgestellt“, berichtet unsere kleine aufgeregte Heldin ihrem Freund Jorge am Telefon, während sie das Flughafengebäude verlässt. „Bisher habe ich weder Männer mit Turbanen noch Frauen mit roten Punkten auf der Stirn gesehen… und auch noch keine einzige Heilige Kuh…“ wundert sie sich.

„Das ist die Globalisierung“, seufzt Jorge. „Die Länder gleichen sich immer mehr an.“

Carmen steigt in einen Bus zum Stadtzentrum. Während der gesamten Fahrt schaut sie aufmerksam durchs Fenster. Keine Heilige Kuh auf der Straße. „Seltsam“, denkt unsere Weltreisende.

An der Endhaltestelle steigt unsere Entdeckerin aus dem Bus aus und sieht sich um. An einer Hausfassade gegenüber der Bushaltestelle bemerkt sie ein Schild mit der Aufschrift: „Tourist Information“. „Sehr gut“, findet Carmen, „die können mir bestimmt helfen, ein schönes und komfortables Hotel zu finden. Und vielleicht wissen sie auch, wo die ganzen Heiligen Kühe stecken…“

Stadtzentrum von...
Stadtzentrum von…

 

Als Carmen den Laden betritt, wird sie von der ganz in weiß gekleideten Dame hinter der Theke mit einem strahlenden Lächeln begrüßt:

„Bem-vinda em Salvador da Bahia!“[1] ruft die Frau fröhlich.

Carmen erstarrt.

„Wie bitte?“ haucht sie fast tonlos.

Oh, mein Gott, welche Schande.

Carmen tem vergonha
Carmen tem vergonha

 

„Geht es Ihnen nicht gut?“ fragt die besorgte Angestellte.

„Ah… hm… nein… äh, doch… es ist nur…“, stottert Carmen, der es gerade schwarz vor Augen zu werden droht.

Nach einigen Sekunden hat sie sich wieder ein wenig gefasst und sie blickt der Dame von der Touristeninformation Hilfe suchend in die Augen.

„Sagen Sie bitte“, fleht unsere verzweifelte Entdeckerin, „kennen Sie auch nur eine einzige Frau, die niemals links und rechts verwechselt hat?“

 

[1] Portugiesisch: Herzlich Willkommen in Salvador da Bahia!

 

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05 de setembro 2015   Carmen tem vergonha

Carmen passou todos os dias passados no sofa, tomando café, comendo biscoitos, navegando na internet e entediando-se. Os negocios estão estagnando. Quase todas suas amigas estão de férias. Carmen não tem nenhuma ideia o que poderia fazer. Na internet encontra um artigo interessante sobre a Índia. Gosta de ler sobre as vacas sagradas. “Talvez seja boa ideia viajar um pouco”, acha, “descobrir um país que ainda não conheco.”

Uma hora mais tarde está no caminho do aeroporto. Embarca em seu veículo aéreo já tripulado e tenta digitar os dados de seu destino Nova-Deli no sistema de navegação. “Falha de sistema”, aparece na tela. “Contate o controlador de trafégo, por favor.”

“Caralho!” Carmen grita enervada. “Por quê nesta cidade louca nada está funcionando?” nossa emigrante espanhola pragueja contra sua nova pátria Colônia. Pega seu Q-Phone e liga para o controlador. Ele está amigável e bem-humorado como a maioria dos nativos dessa cidade louca. “Está certo,” o senhor na torre diz. “Por causas desconhecidas os americanos desconectaram a transmissão pelos satélites de GPS há umas horas… Aonde a senhora quer viajar?”

“Para dizer a verdade, queria descobrir a Índia,” Carmen resposta mal-humorada, “mas nestas condições não acho que faça sentido.” – “Por quê não?” o controlador tenta consolar nossa heroína decepcionada. “Para a Índia, é muito fácil! Use a pista de decolagem número três, suba a dois mil metros de altura, depois vire à esquerda num ângulo de 72 graus, suba a 8.500 metros e depois vá sempre em frente por aproximadamente 10 mil quilômetros até que você perceba um cheiro intenso de condimentos exóticos – já estará lá!”

“Hum… você realmente acha que será tão fácil?” nossa vaca cética pergunta . “Acho, sim” é a resposta confiante do controlador. “Vai ver. Tem a permissão para decolar na pista três. Desejo a você ótimas férias na Índia!” – “Obrigada,” nossa pequena agente bem-comportada diz.

“Esse garoto tem razão”, pensa. “Não preciso desse brinquedo americano. Nos tempos antigos também não dispúnhamos de GPS. Vou utilizar o mapa, a bússola do meu Q-Phone, a régua e o compasso como o aprendi no curso para pilotos!”

Como Carmen é uma mulher resoluta e enérgica, demora pouco até seu veículo decolar. “Vamos para Nova-Dehli!” exclama alegremente. Segue os avisos do controlador: “Subir a dois mil metros de altura, depois virar à esquerda…”

Pelo menos isso é o que ela acredita fazer.

Após chegar na altura de viagem, torna-se um vôo tranquilo. Nossa conquistadora profundamente relaxada põe os cascos para cima, abre uma garrafa de espumante, liga o rádio e desfruta do antegosto de chegar na Índia onde as vacas são adoradas como o merecem.

Onze horas mais tarde Carmen percebe um cheiro intenso de condimentos exóticos e vê no horizonte uma cidade muito grande. “Deve ser Nova-Deli!” Carmen fica contente. Contata o controle de trafégo aéreo e recebe a permissão para pousar. Estaciona o VAJT num hangar vazio cujas portas estão abertas por casualidade. Deixa o número do Q-Phone atrás da pára-brisa. “Que me liguem se o avião incomodar alguém,” pensa. Sai do hangar e olha primeiro ao redor e em segundo lugar o seu relógio Omega Seamaster. “Hoje é o dia cinco de setembro. Eu, Carmen de Ronda, descobri a Índia,” constata orgulhosamente.

“Sempre imaginava a Índia totalmente diferente,” nossa pequena heroína entusiasmada conta a seu amigo Jorge por telefone enquanto sai do aeroporto. “Ainda não vi nem homens com turbantes nem mulheres com ponto vermelho na frente… nem nenhuma vaca sagrada…” admira-se.

“É por causa da globalização,” Jorge suspira. “Os paises se assimilam.”

Carmen pega um ônibus para o centro. Durante todo o caminho olha pela janela. Nenhuma vaca sagrada na rua. “Estranho,” Carmen pensa.

Na estação terminal sai do ônibus. Na façada dum prédio perto vê uma placa indicando “Tourist Information.” “Muito bem,” Carmen acha, “podem me ajudar a encontrar um hotel comfortável. E talvez saibam onde ficam as vacas sagradas…”

Quando Carmen entra na loja, a mulher atras do balcão a cumprimenta com um sorriso radiante: “Bem-vinda em Salvador da Bahia!” exclama alegremente.

Carmen fica paralisada: “O que?” sussurra.

Ai que vergonha.

“A senhora não está se sentindo bem?” a empregada preocupada pergunta.

“Ah.. hm… não… mas sim… é só que…,” Carmen gagueja.

Depois de alguns segundos Carmen olha direitamente aos olhos da senhora.

“Diz-me,” Carmen urge, “a senhora conhece uma só mulher que nunca tenha confundido o lado esquerdo com o lado direito?”

 

 

13. September 2015   Klarer Sieg

Bei den Kommunalwahlen in NRW wird die parteilose Einzelbewerberin Carmen de Ronda zur Bürgermeisterin von Düsseldorf gewählt. Ihr Gegenkandidat ist chancenlos.

„Es war eine Stichwahl“, erklärt unsere siegreiche Kandidatin, während sie das Blut von ihrem Dolch leckt.

Carmen besucht die Muhna Lisa (August 2015)

02. August 2015

Psychiatrie-Pflegerin Carmen de Ronda langweilt sich in der Spätschicht. Daher rennt sie mit einer Trillerpfeife durch die Flure, hämmert gegen alle Zimmertüren und schreit: „Zombie-Alarm! Zombie-Alarm!“

„War eine Belastungserprobung“, erklärt sie dem Chefarzt als der sie nach einem Großeinsatz später zur Rede stellt.

 

03. August 2015   Vernunftehe

In der Mittagspause kommt Carmen zu Jorge ins Arbeitszimmer geschlurft, kuschelt sich an ihn und summt: „Lieber Wolke vier mit Dir als unten wieder ganz allein…“

 

06. August 2015   Virtual Reality

Im Baumarkt erwirbt Carmen heute eine leistungsfähige Kettensäge im Sonderangebot. Die probiert sie direkt nach dem Bezahlen auf dem Kundenparkplatz aus.

„Ist massakertauglich“, stellt unsere kleine Straßenreinigerin zufrieden fest.

Dann zieht sie weiter auf die Gamescom, wo die Ereignisse über Stunden hinweg für eine großartige Animation gehalten und gebührend bestaunt werden.

Erst nachdem Carmen auch die ersten Ordner massakriert hat, kommt jemand auf die Idee, dass es sich vielleicht doch nicht um ein Spiel handelt.

 

07. August 2015   Luxusprobleme

Als der Erzähler aus dem Bad kommt, hat Carmen all seine Laufschuhe liebevoll geputzt. „Sollst ja ordentlich dastehen“, meint sie in mütterlichem Ton. „Das machst Du doch nicht ohne Absicht“, vermutet er misstrauisch. Auf dem Frühstückstisch findet er wie zufällig den neuen Luxusuhrenkatalog von Rüschenbeck. „Daher weht der Wind“, murmelt der Chronist unserer Heldin, während Carmen wieder einmal vorgibt, nichts zu hören. „Netter Versuch – da, für’s Recycling“, kommentiert er nur und drückt Carmen den Katalog in den Huf.

Damit geht sie leicht angezickt weiter zu Jorge, der im Studierzimmer über seiner Sonntagspredigt zum Thema soziale Ungleichheit brütet. „Guck mal, ist die nicht göttlich?“ zeigt sie ihm ihr Lieblingsmodell.

„Was kostet denn sowas?“ will Jorge wissen. „Sagen wir mal so“, erklärt unsere korrupte Verführerin, “ wenn Du das von der Spende abzweigst, die Du letzte Woche vom FC Bayern bekommen hast, fällt das gar nicht weiter ins Gewicht.“

 

08. August 2015   Carmen rät: Lieber mit wärmen Händen geben

„Siehst müde aus“, sagt Carmen mit gespielter Sorge und schiebt dem Erzähler einen Organspendeausweis hin. „Du bist so rachsüchtig“, seufzt der geplagte Chronist.

 

09. August 2015   Überholtes Geschäftsmodell

Zum Schulbeginn in NRW begleitet Inklusionsbeauftragte Carmen de Ronda persönlich eine Herde verängstigter Kälbchen in ihre Klassen in einer Gesamtschule im Kölner Stadtteil Muhlheim. „Es geht doch überhaupt nicht darum, ob das sinnvoll ist“, bügelt sie anlässlich einer Feierstunde kritische Fragen von Bildungsexperten bereits im Vorfeld ab.

Zur Einschulung der neuen Erstklässler postiert sich Carmen mit ihrer Foto-Ausrüstung am Schultor, um Erinnerungsfotos für die Kleinen und ihre Eltern zu schießen. „Pixifoto“ steht auf dem Schild unserer Franchise-Nehmerin.

Als die ersten ABC-Schützen eintreffen, vertreiben Sie unsere verstörte Heldin auf ruppige Art mit ihren Selfie-Stangen vom Schulhof.

Pixifoto

 

12. August 2015

Auf der Jagd nach ihrem Erzrivalen Nullnulldleizehn sprengt Carmen kurzerhand die chinesische Hafenstadt Tschentschin in die Luft.

„Tschintschin!“ prostet sie sich angesichts des Infernos zufrieden selber zu.

Ihre gute Laune verfliegt, als das Q-Phone klingelt und sie am anderen Ende eine wohlvertraute Stimme hört: „Kliegst mich ja nicht, du blöde lachsüchtige Kuh!“ Wütend legt Carmen auf und macht einen ihrer Nuklearsprengköpfe klar.

„Hiiiiiii-roshima“, tönt es aus dem Drohnenradio.

 

15. August 2015   Noch ’ne Panne

In Köln muss die bevorstehende Oberbürgermeisterwahl wegen fehlerhafter Stimmzettel abgesagt werden. 50.000 bereits abgegebene Briefwahlstimmen werden für ungültig erklärt.

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„Ihre Stimme für den Arsch“, erklärt Wahlleiterin Carmen de Ronda den genervten Bürgern.

 

22. August 2015

Im Louvre verharrt Carmen fasziniert vor der Muhna Lisa. „Ein Meisterwerk!“ stellt sie begeistert fest.

Carmen dankt dem Künstler Christoph S. aus K.
Carmen dankt dem Künstler Christoph S. aus K.