Es weihnachtet. Sehr. (Dezember 2015)

01. Dezember 2015   Vorweihnachtliche Rabattaktion

Im heute beginnenden Heiligen Jahr dürfen katholische Priester auch Abtreibungen vergeben, was ihnen sonst nicht gestattet ist. Tief verschleiert schlurft Carmen in den nächsten Beichtstuhl. „Kann ich eine Zehnerkarte haben?“ fragt unsere fromme Katholikin, die den Sinn des Systems offenbar missverstanden hat.

 

05. Dezember 2015   Ich geh Eff-Zeh!

In einem Fachgeschäft für Terroristenbedarf erwirbt Carmen heute günstig einen Sprengstoffgürtel aus chinesischer Produktion. „Keine Sorge, der funktioniert eh nicht“, beruhigt sie ihren Kumpel Jorge. Dann knotet sie ihren FC-Schal um den Hals, nimmt eine Bierflasche in den Huf und quetscht sich in die überfüllte Straßenbahn zum Stadion, wo sie im Auftrag des ARD-Magazins „Monitor“ die Effizienz der Sicherheitskontrollen testen soll.

 

06. Dezember 2015   Jetzt!

In einer Mußestunde beobachtet Carmen, wie ihr Zierkarpfen Eckart im Teich behände seine Bahnen zieht. Als sie die Augen schließt und sich ganz konzentriert, hört sie ihn leise singen:

„Hallo Lieblingskuh,
mach noch einmal Muh,
bei dir kann ich Fisch sein,
verträumt und verrückt sein…“

Von einem warmen Glücksgefühl durchflutet beschließt Carmen, sich häufiger zu fokussieren.

Ende eines Zierkarpfens
Ende eines Zierkarpfens

 

09. Dezember 2015   Nicht nur Volkswagen

Die Vorsitzende des NSU-Untersuchungsausschusses, Carmen de Ronda, berichtet auf einer Pressekonferenz über systematisch erhöhte Abgaswerte.

Die anwesenden Journalisten wirken irritiert.

 

10. Dezember 2015   White Crystmas

Nachdem Carmen an der tschechischen Grenze eine LKW-Ladung Crystal Meth in Empfang genommen hat, verspricht sie all ihren Kunden „Weiße Weihnachten“.

Für einen von ihnen, einen prominenten Ex-Tennis-Profi, packt sie noch ein paar Injektionsspritzen dazu.

„Wird vermutlich sein letzter Grand Slam“, seufzt unsere Drogenbeauftragte.

 

11. Dezember 2015   Konsumrausch

An diesem Adventssamstag macht sich Carmen in der Kölner Innenstadt auf die Suche nach einem Weihnachtsgeschenk für ihren Kumpel Jorge.

Als sie bei Kaufhof die Durchsage hört „Der kleine Orhan sucht seine Mutti“, hält sie kurz inne. „Da ist mir bei der Abschiebeaktion heute früh wohl einer durchgegangen“, grübelt sie und begibt sich betont unauffällig zur Information.

Nach zwei Stunden Einkaufsbummel kann sie den Trubel nicht mehr ertragen. Sie spielt mit dem Gedanken, in der nächsten Apotheke zwei große Flaschen Wick MediNait zu erwerben und die zuhause auf Ex zu trinken. „Noch einmal ausschlafen und es ist Weihnachten“, brummelt unsere Sozialphobikerin.

Auf Ex!
Auf Ex!

 

12. Dezember 2015   Autonomie

Bei einem Spaziergang durch die Vatikanischen Gärten beobachtet Carmen einen Kardinal hinter dem Gebüsch bei der Sünde der Selbstbefleckung. Diskret zieht sie sich wieder auf ihr Zimmer zurück und schaltet das Radio ein, wo gerade die Werbung für eine große Baumarktkette läuft: „Respekt, wer’s selber macht“, verkündet der Sprecher.

„Das müsst ihr denen gerade noch sagen“, brummelt Carmen und nickt wissend.

 

13. Dezember 2015   Weil ich mich schäme

Carmen trifft sich mit einem bekannten Heiligen auf dem Weihnachtsmarkt zum Glühwein. „Hoch die Tassen!“ ruft unsere beschwipste Heldin. Dann weist sie wie ein typischer Alkoholiker alle Schuld von sich. „Er hat bestellt!“ zeigt sie auf ihren Zechkumpan. „Ist nämlich Johannes der Säufer“, fügt sie erklärend hinzu.

 

17. Dezember 2015   Selfies gefährden ihre Gesundheit

Als Carmen nach dem neuen Star-Wars-Film aus dem Kino kommt, befindet sie sich in einem tiefen Entspannungszustand. „Hab die ganze Zeit über Yoda gemacht“, erklärt unsere Meditationsmeisterin.

Aus der Zeitung erfährt Carmen, dass im vergangenen Jahr weltweit mehr Menschen beim Schießen von Selfies ums Leben gekommen sind als bei Hai-Angriffen. Haupttodesursache waren Abstürze. Etwas weniger Personen wurden von Zügen erfasst.

„Selfies gefährden ihre Gesundheit“, stellt unsere Heldin fest.

Andererseits findet sie es auch wieder besser, dass sich die Todsünde der Eitelkeit  nicht vollständig unkontrolliert fortpflanzt.

 

19. Dezember 2015   Rien de rien!

„Moi aussi, schönörögrätterieng!“ lallt Carmen und gießt sich zum hundertsten Geburtstag der Piaf noch einen Glühwein hinter die Binde.

 

21. Dezember 2015   Letzte Vorbereitungen

An der Feinkosttheke gibt Carmen ihre Bestellung auf: „Ich hätte gern zwei Scheiben Putensalami. Aber bitte fein geschnitten. Und könnten sie mir die als Geschenk verpacken?“

Im Norden der Türkei kommt es nach Carmens Informationen wieder zu heftigen Kämpfen zwischen Regierungstruppen und der verbotenen Arbeiterkrankenkasse BKK.

In ihrer letzten Türkisch-Stunde vor Weihnachten lernt Carmen heute das Vokabular der Vergebung kennen. „Emal is Kemal!“ verzeiht unsere gelehrige Elevin ihrem Sprachlehrer.

 

25. Dezember 2015   Paradigmenwechsel

In ihrer Weihnachtsansprache an die Nation rät Carmen dem Volk, über die Feiertage Smartphones und andere elektronische Unterhaltungsgeräte öfter mal beiseite zu legen und stattdessen die reale Interaktion mit den Angehörigen zu suchen. 

„Sie werden die heilsame Erfahrung machen, dass man zum Töten keine PlayStation benötigt!“ lauten die abschließenden Worte unserer Aggressionstrainerin.

Um die Mittagszeit spendet Carmens Kumpel Jorge den Weihnachtssegen „Urbi et orbi“, der Stadt und dem Erdkreis.

„Ich möchte betonen, dass zu keiner Zeit von einer Kugel die Rede war!“ verweist die Vorsitzende der Kongregation für Glaubensfragen, Monsignorita Carmencita de Ronda, auf den Katechismus.

 

28. Dezember 2015

Am ersten Werktag nach den anstrengenden Weihnachtsfeiertagen hat Jorge heute früh die Schnauze gründlich voll vom vielen Frömmeln.

Daher tauscht er nach dem Frühstück das Papstgewand gegen die flotte Lederjacke, die ihm Carmen zum Fest geschenkt hat. Er leiht sich Carmens Maserati aus und brettert zur Entspannung mit 250 Sachen über die A3.  

Derweil räkelt sich Carmen gemütlich auf dem Sofa und blättert interessiert in Jorges Umwelt-Enzyklika „Laudato Si – Ãœber die Sorge für das gemeinsame Haus“.

„Wir alle bleiben zwangsläufig immer wieder hinter unseren eigenen Idealen zurück“, denkt unsere verständnisvolle Freundin, als Jorge mit quietschenden Reifen vor der Haustür zum Stehen kommt.

„Hasse getankt?“ fragt sie ihn beiläufig, als er ihr den Autoschlüssel in den Huf drückt.

„E 10“, antwortet Jorge, den jetzt doch ein bisschen das schlechte Gewissen plagt.

 

30. Dezember 2015   Alles wird gut

Bei einer Routine-Inspektion werden in den Hüllen der beiden belgischen Kernkraftwerke erneut zahlreiche Haarrisse entdeckt.

„Kein Grund zur Beunruhigung“, entwarnt die belgische Energieministerin Carmène du Rondois. Es handle sich lediglich um leichten Spliss. „Da packen wir einen feinen Conditioner drauf und schon ist es wieder gut“, erklärt die Ex-Friseuse, die den Job vor allem wegen ihres beeindruckenden Atombusens bekommen hat.

 

Im Neuen Jahr auf dieser Seite:

Carmens Top Ten der fiesesten Klischees

Stay tuned!