Die Entführung: Carmen und Jorge machen Ferien (Juni 2016)

Die Entführung – Carmen und Jorge machen Ferien in Brasilien

 

Candomblé

Vorbemerkung

Der Candomblé ist eine afrobrasilianische Religion, die vom westafrikanischen Volk der Ioruba während der Zeit der Sklaverei nach Brasilien gebracht wurde und sich dort unter dem Einfluss der katholischen Kirche entwickelte. Der Candomblé ähnelt insofern der Umbanda (ebenfalls Brasilien), dem Vodoo auf Haiti und der Santería auf Cuba.

Im Candomblé gibt es einen Schöpfer des Universums, Olorum oder Olórun oder Olódùmarè. Er ist so ungeheuer mächtig, so dass es für die Menschen zu gefährlich wäre, direkt mit ihm in Kontakt zu treten. Die Kontaktaufnahme geschieht daher mittelbar über Olorums Söhne und Töchter, die ebenfalls als Gottheiten verehrten Orixás. Jede(r) Orixá hat eine Geschichte und bestimmte Charaktereigenschaften. Er ist erkennbar an seinem jeweils eigenen Kostüm in bestimmten Farben und an bestimmten Symbolen, die er mit sich trägt. Darin sind die Orixás zum Beispiel mit den griechischen Göttern der Antike vergleichbar.

Unter den Gläubigen gibt es initiierte Personen, die einem bzw. einer bestimmten Orixá geweiht sind. Während einer religiösen Zeremonie tanzen sie sich in Trance, bis sie von ihrem Orixá „besessen“ werden wie ein Pferd von seinem Reiter. Sie bewegen sich dann wie diese(r) Orixá, sie sprechen und handeln so wie er oder sie. So nehmen die Orixás mittelbar Kontakt mit den Gläubigen auf, zum Beispiel indem diese „besessenen“ Geweihten die Gläubigen während der Zeremonie umarmen.

Eine solche religiöse Zeremonie dauert in der Regel viele Stunden. Während der gesamten Zeit tanzen die initiierten Personen in den prächtigen Gewändern ihres Orixá zu Trommelrhythmen um einen Altar.

Der Chronist hatte bei einem Aufenthalt in der brasilianischen Stadt Salvador dank der Vermittlung einheimischer Freunde einmal Gelegenheit, an einer solchen Zeremonie teilzunehmen.

Es war eine unvergessliche Nacht.

1

Anfang Oktober verbrachten Carmen und ihr Kumpel Jorge ihre Ferien in Brasilien. Eine Tages, als sie gerade einen Strandspaziergang machten, begann Jorge mit schmerzverzerrtem Gesicht zu stöhnen. „Was ist los?“ fragte seine besorgte Freundin. „Aua! Ich habe wieder Schmerzen in den Hüftgelenken!“ antwortete Jorge. „Schon wieder?“ fragte Carmen voller Mitgefühl. „Diese verfluchte Arthrose, hm?“ – „Es ist eine Prüfung, die mir der Herr auferlegt“, sagte Jorge nachdenklich. „Komm her! Ich setze Dich in meinen Rucksack und trage Dich!“ schlug Carmen vor. „Echt jetzt? Mir ist nämlich nicht zum Scherzen zumute“, meinte Jorge. „Klar doch!“ gab Carmen zurück. „Ist wohl das Mindeste, was ich für Dich tun kann.“

Schließlich nahm Jorge das großzügige Angebot seiner Freundin an. Carmen stellte ihren Rucksack auf den Boden und half Jorge dabei, hineinzusteigen. „Und, geht’s Dir besser?“ fragte sie, nachdem sie den Rucksack mit Jorge darin wieder auf die Schultern gesetzt hatte. „Viel besser! Dankeschön!“ erwiderte ihr Kumpel erleichtert.

So setzten sie ihren Spaziergang am Strand fort. „Schau mal, das Meer ist ganz ruhig, wie wunderschön das doch aussieht! Und die Strahlen der Sonne, die unsere Herzen erwärmen!“ So lobte Jorge, während er im Rucksack saß und den Kopf herausstreckte, die Wunder der Schöpfung des Herrn. Carmen nickte, sagte aber nichts. Sie schwitzte. „Euphorie ist eine häufige Nebenwirkung starker Schmerzmittel“, gingen ihr die Worte ihres Pharmakologie-Professors von der Universität Tel Aviv durch den Kopf, wo sie damals einige Semester Medizin studiert hatte. „Offenbar hat der Heilige Vater zugenommen“, dachte sie schweigend. „Höchste Zeit, dass er sich künstliche Hüftgelenke einsetzen lässt, damit er wieder schmerzfrei laufen kann.“

Die Stimmung des Heiligen Vaters wurde von Minute zu Minute besser. Schon sang er mit lauter Stimme Kirchenlieder, als plötzlich aus dem Nichts zwei junge Männer auftauchten und unseren arglosen Helden den Weg versperrten. „Hände hoch!“ schrie der Eine. Carmen blieb überrascht stehen und betrachtete den Revolver, den er in der Hand hielt. In diesem Moment ärgerte sie sich, dass sie ihre Walther PPK im Zimmersafe des Hotels gelassen hatte. Sie bemerkte auch, dass ihr friedliebender Freund Jorge den Kopf eingezogen, sich zur Gänze im Rucksack versteckt und den Reißverschluss von innen zugezogen hatte.

„Her mit den Rucksack, schnell!“ befahl der Verbrecher. Carmen überlegte nervös, was sie tun könnte, aber sie sah keine Möglichkeit Widerstand zu leisten, ohne sich selbst oder ihren Kumpel Jorge in Gefahr zu bringen.

Der andere Typ nahm ihr den Rucksack ab und fluchte: „Scheiße, ist der schwer!“ – „Halt’s Maul!“ schrie der mit dem Revolver ihn an. „Los, hauen wir ab!“

Einen Augenblick später waren sie verschwunden. Unsere Superheldin blieb allein am Strand zurück.

Carmen war sprachlos. Sie spürte einen ungeheuren Schmerz.

„Jorge!“ flüsterte sie.

„Jorge!!“ sagte sie.

„Jooooooorgeeeeeeee!“ brüllte sie.

Aber sie erhielt keine Antwort.

 

2

Eine Stunde später saß Carmen bei der örtlichen Kriminalpolizei. „Bitte, erzählen Sie mir, was passiert ist“, bat der Polizist. „Wir waren auf einem Strandspaziergang, als plötzlich zwei junge Männer auftauchten und meinen Freund Jorge entführten“, berichtete Carmen. Inzwischen hatte sie wieder zur gewohnt professionellen Kaltblütigkeit der erfahrenen Geheimagentin zurückgefunden. Sie gab eine genaue Beschreibung der Verbrecher. Der Polizist zeigte ihr einige Fotos. „Der da!!“ rief Carmen, als sie einen von ihnen erkannte. „Das war der Entführer mit dem Revolver!“ – „Sind Sie sich da ganz sicher?“ fragte der Polizist höflich. „Das ist ein polizeibekannter Junkie. Normalerweise klaut er nur Geld oder Handys. Bisher ist er noch nie in eine Entführung verwickelt gewesen. Vermutlich wäre das auch viel zu kompliziert für ihn.“ – „Das ist er, ganz sicher“, antwortete Carmen nachdrücklich. „Ich erkenne diese Tätowierung am Hals. Die ist ziemlich auffällig, oder?“

Der Kripo-Beamte war nun überzeugt. Er verständigte seine Kollegen vom Streifendienst und bat sie, in die Favela zu fahren, wo der Verdächtige wohnte. „Das ist alles, was wir im Augenblick tun können“, sagte er. „Mal sehen, ob die Kollegen ihn erwischen.“

Dann bat er Carmen, ihm etwas mehr über den Vermissten zu erzählen. „Ich brauche noch mehr Informationen für den Polizeibericht, Sie verstehen“, erklärte er. Carmen hatte keine Lust, die Geschichte in den Morgenzeitungen zu lesen. Schließlich wollte sie den Heiligen Vater nicht kompromittieren. Daher entschied sie sich zur Diskretion und erzählte nicht alles.

„Sein Name ist Pater Jorge Mario. Er arbeitet als Priester in Italien.“ – „Als Priester? In Italien? Ist er reich? Kann es sein, dass die Entführer sich ein üppiges Lösegeld versprechen?“ Carmen war beunruhigt. „Hm…“, murmelte sie, „ich weiß nicht… Nein, das glaube ich nicht… Er ist Mitglied eines Bettelordens… Eigentlich ist die Armut sein wichtigstes Ideal…“, widersprach Carmen. Obwohl die Kirchen dieses Ordens ziemlich protzig ausgestattet sind, dachte unsere kritische Katholikin im Stillen. „Naja, ergibt wohl wirklich keinen Sinn, einen so armen Geistlichen zu entführen“, sagte der Polizist leise und mehr zu sich selbst.

„Aber lassen sie uns mit dem Bericht fortfahren“, sagte er. „Sie sagten, er arbeite in Italien? Und heißt Mario? Also ist er Italiener?“ – „Nein“, antwortete Carmen. „Er arbeitet nur dort. Pater Jorge Mario ist Argentinier.“

„Was?“ schrie der Polizist, der schlagartig blass geworden war.[1] „Argentinier? Oh, mein Gott! Der arme Entführer… Jetzt hat er einen argentinischen Pfarrer im Haus… Oh, wie schrecklich! Wenn er gewusst hätte, dass sein Opfer Argentinier ist, hätte er ihn bestimmt noch an Ort und Stelle erledigt!“

In diesem Moment erhob sich Carmen gekränkt und verließ die Amtsstube ohne sich zu verabschieden. „Sieht wohl so aus als ob ich den Fall ohne die Hilfe der brasilianischen Polizei lösen muss“, flüsterte sie bitter.

 

3

„Warte! Ich kann nicht mehr!“ keuchte der zweite Entführer, der den Rucksack schleppte. „Was ist los?“ fragte sein Kamerad. „Dieser verfluchte Rucksack ist so schwer“, antwortete der erste. „Drogenkonsum gefährdet Ihre körperliche Leistungsfähigkeit“, dachte Jorge im Inneren des Rucksacks. Die beiden Verbrecher blieben stehen und der erste stellte den Rucksack auf dem Boden ab. „Lass mal sehen, was da drin ist“, sagte er. Er öffnete den Reißverschluss und erschrak. „Guck mal!!! Aber… wer bist denn Du?“ fragte er Jorge mit offenem Mund.

Der Heilige Vater schwieg. Besser, ich sage nichts, dachte er ängstlich. „Wer bist Du?“ brüllten ihn die beiden Entführer an. „Lo siento, no los entiendo, no hablo portugues“,[2] sagte Jorge auf Spanisch. Die Entführer waren verwirrt. „Scheint Ausländer zu sein“, sagte der erste. „Schau mal, was für merkwürdige Klamotten! Sehen arabisch aus… obwohl, die Sprache klingt nicht arabisch…“ fügte der zweite hinzu. „Drogenkonsum gefährdet auch Ihr Bildungsniveau“, dachte Jorge, schwieg aber weiter hartnäckig. „Jedenfalls können wir ihn nicht mitnehmen!“ entschied der zweite Entführer.

Der erste bekam es mit der Angst zu tun. „Los, knall ihn ab!“ befahl er. „Spinnst Du jetzt komplett? Dann haben wir gleich die Bullen auf dem Hals! Hör zu, das ist doch nur ein klappriger Alter. Wir lassen ihn hier in den Büschen liegen und hauen ab!“ – „Okay“, stimmte der erste zu und kippte Jorge aus dem Rucksack auf den Boden. Der Heilige Vater sah Sterne. „¡Ay!“[3] schrie er auf Spanisch, indem er das umgekehrte Ausrufezeichen vor dem Wort betonte, damit sie weiterhin glaubten, er sei Ausländer. Die Entführer wirkten verwirrt. Sie schnappten sich den Rucksack und wollten schon zur Flucht ansetzen.

In diesem Moment fielen dem ersten die roten Sportschuhe des Heiligen Vaters auf. Sie waren nagelneu und von Prada. Carmen hat sie ihrem Freund vor der Abreise in den Urlaub geschenkt. „Warte!“ rief der Verbrecher. „Ich will seine Schuhe!“

„¡Puta madre!“[4] murmelte Jorge als die Entführer verschwunden waren. „Es wird wirklich höchste Zeit, mir künstliche Hüftgelenke einsetzen zu lassen.“

 

4

In der Zwischenzeit war Carmen ins Hotel zurückgekehrt, wo sie ihren Computer hochfuhr. Sie loggte sich in die VatiCloud ein und machte sich daran, das VatiPhone des Heiligen Vaters zu lokalisieren. Das System funktionierte tadellos. Jorges Handy befand sich in einer Favela unweit der Stelle, wo der Überfall stattgefunden hatte. Carmen schnappte sich ihr Q-Phone und schickte eine Whatsapp-Nachricht an ihren Kumpel: „Olá amigo!“[5] Sie wartete einige Sekunden, bis beide Häkchen blau wurden. Aber es kam keine Antwort. Carmen wurde noch besorgter. „Es gibt zwei Möglichkeiten“, überlegte unsere schlaue Agentin. „Entweder kann er aus irgendeinem Grund nicht antworten. Möglicherweise haben die beiden Typen aber auch sein Handy geklaut und er befindet sich ganz woanders. Jedenfalls muss ich zuerst das Handy suchen. Und zwar sofort.“

Carmen holte ihre Walther PPK und noch eine automatische Waffe aus dem Zimmersafe und versteckte beide unter ihrem Flamencokleid. Außerdem packte sie eine ausreichende Menge Munition in ihre Prada-Handtasche. Sie ging hinaus auf die Straße, wo ein abgestelltes Motorrad stand. Sie sprang auf und in weniger als einer Sekunde hatte sie die Zündung kurzgeschlossen. Dann raste sie los zu der Favela, wo sie Jorges Handy lokalisiert hatte.

 

5

Nachdem die beiden Männer die Flucht ergriffen hatten, meditierte Jorge über seine Situation. „Welche Versuchung, einfach hier im Wald zu bleiben, an diesem friedlichen Ort, anstatt wieder in den Vatikan zurückzukehren, wo all diese ermüdenden Verpflichtungen auf mich warten“, dachte er. „Wie auch immer, ich bin ganz sicher, dass meine treue Freundin schon nach mir sucht. Ich sollte versuchen, sie anzurufen.“ Jorge griff mit der Hand in die Tasche seines Gewands, um das VatiPhone herauszuholen. „Mein Gott! Jetzt fällt es mir wieder ein. Ich habe es kurz vor dem Überfall aus der Tasche genommen und in den Rucksack gelegt. Jetzt wird es wohl in den Händen der Entführer sein und ich kann meine liebe Freundin nicht anrufen. Also muss ich dringend ins Hotel zurück, damit sie sich nicht unnötig Sorgen macht! Oder noch besser, ich gehe zur nächsten Polizeistation!“

Jorge versuchte, sich aufzurichten. Aber vergeblich. Die Schmerzen in den Hüftgelenken waren unerträglich. Er versuchte es erneut. Es war unmöglich.

„Vielleicht ist das eine weitere Prüfung, die mir der Herr auferlegt“, dachte Jorge und begann zu beten.

 

6

„So ein Scheiß! Dieses Mistding ist durch ein Passwort geschützt!“ ärgerte sich einer der Entführer, der nach der Rückkehr Jorges VatiPhone im Rucksack entdeckt hatte. „Zeig mal“, bat sein Komplize. „Komisches Ding. So ein Handy hab ich ja noch nie gesehen. Sieht aus wie ein iPhone, ist aber keins. Kein Apfel auf der Rückseite. Nur ein Kruzifix…“

„Ein Kruzifix?“ erschrak der erste. Obwohl er ein übler Verbrecher war und zudem der Kopf einer berüchtigten Gang, war er doch sehr abergläubisch. „Um Himmelswillen! Glaubst Du, der Typ war ein Priester? Dann ist es besser, wir schalten das Ding aus. Es bringt Unglück, einen Priester zu überfallen!“

„Du laberst Scheiße!“ antwortete der zweite. „Wie soll denn das Handy eines Priesters Unglück bringen?“

„Du schnallst doch überhaupt gar nichts! Natürlich bringt das Unglück! Vielleicht versuchen sie schon, uns zu orten!“

„Wer, sie?“

„Seine Kollegen, der Papst, die Heiligen, die Engel… weiß der Geier“, schrie der Kopf der berüchtigten Gang hysterisch. „Mach das Ding aus! Sofort!“

„Geht nicht“, antwortete sein Kollege und zuckte mit den Schultern. „Dazu bräuchte man das Passwort.“

„Dann müssen wir es hier wegschaffen, bevor sie uns lokalisiert haben!“

„Zu spät“, sagte Carmen mit ironischem Unterton. Sie stand in der Tür, in jedem Huf eine Waffe, und zielte auf die Verbrecher.

 

7

„Du hast Recht. Es bringt wirklich Unglück, einen Priester zu überfallen. Und jetzt: keine Bewegung! Und denkt nicht mal daran, zu fliehen!“ fügte Carmen hinzu.

„Wer bist Du, dass Du mich in meinem eigenen Revier bedrohst?“ fragte der Kopf der berüchtigten Gang mit vor Wut zitternder Stimme.

„Ich bin Carmen. Der Racheengel“, antwortete unsere gut gelaunte Superheldin.

„Siehst Du, ich hab’s Dir gesagt…“ flüsterte der Entführer seinem Freund zu. Nach einem Moment der Stille machte er ein Angebot. „Okay, sieht wohl so aus, dass Du gerade die besseren Argumente hast. Wir geben alles zurück, den Rucksack, die Brieftasche, das Handy und Du verschwindest, okay?“ Insgeheim plante der Verbrecher schon, Carmen mit seiner Gang zu verfolgen. Er war der Boss und konnte nicht zulassen, dass ihm eine Kuh Befehle erteilte, nicht einmal eine bewaffnete Kuh im Flamencokleid!

 

8

Unvermittelt erwachte Jorge aus einem tiefen Schlaf. Er sah sich um und bemerkte Blitze und Donnerschläge eines nahenden Gewitters. Die Nacht brach schon über den Wald herein. Nach und nach erinnerte er sich daran, was geschehen war. Es herrschte eine unheimliche Atmosphäre in diesem verlassenen Wald.

„Ich bin nicht allein“, dachte Jorge. „Der Herr ist mit mir“, versuchte er sich zu trösten.

In diesem Moment schlug ein Blitz ganz in seiner Nähe ein. Als sich seine Augen von der Intensität des Lichts erholt hatten, erblickte Jorge die Konturen eines Mannes, der vor ihm aufgetaucht war. Er trug ein prächtiges Kostüm in den Farben rot und weiß. In der Hand hielt er eine Axt mit zwei Schneiden. Jorge erinnerte sich an ein Buch über die afrobrasilianischen Religionen, das er im Flugzeug gelesen hatte. Der Mann ähnelte einer Illustration in diesem Buch. „Es muss wohl ein Traum sein“, dachte er. „Oder eine Halluzination. Mein Arzt hat mich gewarnt, dass so etwas bei alten Menschen passieren kann, wenn sie nicht genügend Flüssigkeit zu sich nehmen.“ Jorge schloss die Augen und wartete, dass die Halluzination verschwinden möge.

Xangô

„Fürchte Dich nicht“, hörte Jorge den Mann sagen. Seine Stimme klang sehr freundlich. „Ich bin Xangô, der Herr der Gerechtigkeit. Ich bin gekommen, um Dich zu retten.“

Jorge öffnete die Augen. Er wusste nun, dass er weder träumte noch halluzinierte. „Kawô Kabiesilé“, begrüßte Jorge den Orixá.

Xangô lächelte. „Komm, ich bringe Dich nach Hause“, sagte er.

„Hoch leben die afrobrasilianischen Joint Ventures!“ dachte Jorge erleichtert und fiel wieder in den Schlaf.

 

9

Nachdem sie die beiden Verbrecher in ihrem Haus gefesselt hatte, schlüpfte Carmen durch die Tür ins Freie. Aber welcher Schrecken! Vor ihr stand die gesamte Gang, die sich vor dem Haus versammelt hatte und sie mit allen vorstellbaren Arten von Feuerwaffen bedrohte. „Scheiße“, schimpfte Carmen leise.

cidade de deus 4

„Macht die Schlampe fertig!“ hörte sie den Kopf der Gang aus dem Inneren des Hauses brüllen.

Unsere Superheldin sah sich um und suchte nach einer Möglichkeit zu fliehen. Sie bemerkte hinter der Gang einen kleinen Wasserfall. Sie schloss die Augen und überlegte, welche Möglichkeiten es gab, dorthin zu gelangen. Aber es fiel ihr keine ein. Es waren einfach zu viele Gangster. Die Situation erschien hoffnungslos. „Was würde mein Freund Jorge an meiner Stelle tun?“ fragte sie sich. Und begann, einen Rosenkranz zu beten.

Als Carmen die Augen wieder öffnete sah sie, wie sich vom Wasserfall her eine Frau näherte. Sie trug ein prächtiges Kostüm in den Farben rot und weiß. In einer Hand trug sie eine Lanze und in der anderen ein Schwert. Carmen erinnerte sich an ein Buch über die afrobrasilianischen Religionen, das Jorge im Flugzeug gelesen hatte. Die Person ähnelte einer Illustration in diesem Buch. Sie stellte sich unbemerkt hinter die Gang. Einen Augenblick später stieß sie einen markerschütternden Schrei aus, der die ganze Favela erzittern ließ. Die Mitglieder der Gang ließen schlagartig die Waffen fallen und zitterten vor Angst. „Das ist Obá! Schnell, nichts wie weg!“ brüllten sie. Wenige Sekunden später waren alle verschwunden.

Obá

„Hi!“ begrüßte Carmen ihre Retterin. „Ich meine: Obá Xirê!“ – „Ah so?“ fragte die Orixá mit einem Lächeln. „Sie kennen mich?“ – „Klar“, antwortete Carmen. „Ich kenne alle Kriegsgöttinen. Wir sind gewissermaßen Kolleginnen, oder?“

Die beiden Superheldinnen schüttelten sich die Hand. „Sehr erfreut, sie kennenzulernen!“ sagte Carmen. „Ganz meinerseits“, antwortete Obá lächelnd. „Also gut. Kommen Sie, ich bringe sie nach Hause“, schlug die Orixá vor.

 

10

Jorge, begleitet von Xangô, und Carmen, in der Gesellschaft von Obá, trafen fast gleichzeitig in der Pension unserer Superhelden ein. Carmen und Jorge umarmten sich und kämpften beide mit den Tränen.

Im Garten der Pension wurden sie bereits von einer großen Menschenmenge erwartet. Alle waren weiß gekleidet und begrüßten die beiden respektvoll, als wären sie Orixás einer fremden Religion. Die Gläubigen bestaunten ihre ungewöhnlichen Kostüme: das Papstgewand des Heiligen Vaters und Carmens Flamencokleid.

Carmen und Jorge erhielten Plätze in der ersten Reihe. Es herrschte eine sehr festliche Atmosphäre. Eine Musikgruppe begann zu trommeln und es dauerte nicht lang, bis die ersten Geweihten um einen Altar zu tanzen begannen, der mitten auf dem Rasen stand.

Im Verlauf der religiösen Zeremonie wurden Carmen und Jorge eingeladen, mit zu tanzen. Anfänglich hatte Jorge Zweifel wegen seiner Arthrose, aber zu seiner Überraschung waren die Schmerzen gänzlich verschwunden und er tanzte wie ein junger Mann. „Das muss eine Folge des Blitzes sein, der im Wald neben mir eingeschlagen ist“, vermutete er. In Wahrheit war er schon in Trance gefallen, wodurch, wie man aus der Psychologie weiß, manchmal jede Art von Schmerzen zum Verschwinden gebracht wird. Während sie tanzte, fiel Carmen ebenfalls in Trance. Sie schüttelte den Kopf und die Hufe und schrie schreckenerregend wie eine wahre Kriegsgöttin. Schließlich umarmten sie die Gläubigen.

Es wurde eine unvergessliche Nacht für unsere Superhelden.

 

11             

Am nächsten Tag, als Carmen erwachte und nach draußen ging, schien im Garten alles wie immer. Nichts mehr war von den Ereignissen der Nacht zu sehen, nichts von der Feier oder von den Orixás. „Habe ich das alles etwa nur geträumt?“ fragte sie sich.

Kurz darauf erschien Jorge an der Gartentür. „Guten Morgen, meine Liebe“, sagte er und breitete die Arme aus. „Ich hatte einen sehr seltsamen Traum. Aber wie auch immer, heute ist der erste Tag, an dem ich keine Schmerzen habe! Und jetzt habe ich einen Bärenhunger!“

So gingen die Ferien unserer ebenso sympathischen wie mutigen Helden zu Ende. Am Nachmittag, als sie im Flugzeug auf dem Heimweg saßen, zog Jorge ein Buch aus seinem Handgepäck und begann, darin zu blättern.

„Merkwürdig“, sagte er beim Betrachten einer Illustration, auf der eine Person in einem prächtigen Kostüm in den Farben rot und weiß zu sehen war. „Kommt mir irgendwie bekannt vor.“

Carmen nickte ein wenig abwesend.

[1] Die traditionelle Abneigung von Brasilianern gegenüber Argentiniern beschränkt sich definitiv nicht auf den Fußball.

[2] Tut mir leid, ich verstehe Euch nicht, ich spreche kein Portugiesisch.

[3] Aua!

[4] Ein nicht unbedingt würdiger Ausruf. Sinngemäß etwa: Verdammte Scheiße!

[5] Hallo, mein Freund

Segue a versão em Português

O Sequestro

1

No começo de outubro Carmen e seu amigo Jorge estavam passando suas férias no Brasil. Um dia, quando estavam dando um passeio na praia, Jorge gemeu e ficou com cara de dor. „O que é?“ sua amiga preocupada perguntou. „Ai! Estou com dor nos quadris!“ Jorge respondeu. „De novo?“ Carmen disse compassivamente. „Essa maldita artrose, hein?“ – „É uma prova que o Senhor me inflige“, Jorge disse pensativamente. „Venha! Vou colocar você na minha mochila e carregar-lhe!“ Carmen sugeriu. „Sério? Não estou para brincadeira“, Jorge perguntou. „Claro!“ Carmen replicou. „É o mínimo que posso fazer por você.“

Finalmente, Jorge concordou com a oferta amigável de sua amiga e Carmen pôs a mochila na areia. Assistiu Jorge subir dentro dela. „Tá melhor?“ Carmen perguntou depois de pôr a mochila nos ombros. „Tô muito melhor, obrigado“, seu amigo aliviado respondeu.

Continuaram o passeio pela praia. „Olhe o mar calmo, que lindo! E o sol radiante que aquece nossos corações!“ Jorge, estando sentado na mochila, louvou os milagres da criação do Senhor. Carmen fez que sim com a cabeça mas não disse nada porque estava transpirando. „Euforia pode ser um efeito colateral de certos analgésicos”, lembrou as palavras do seu professor da farmacologia na universidade onde tinha estudado alguns semestres de medicina. “Parece que o Papa ganhou peso“, pensou muda. „Já não é sem tempo para implantar protéses para que possa recomeçar a caminhar sem dores.“

O Papa ficou mais e mais alegre. Já estava cantando músicas religiosas quando, de repente, dois garotos apareceram do nada e bloquearam o caminho de nossos heróis cândidos. „Levantem as mãos!“ um deles gritou. Carmen parou surpreendida e avistou o revolver que ele tinha na mão. Neste momento ficou danada por ter deixado sua Walther PPK no cofre do hotel. Notou que seu amigo pacifista Jorge tinha se escondido dentro da mochila.

„Me dê a mochila, rápido!“ o criminoso ordenou. Carmen refletiu nervosamente sobre o que poderia fazer mas não viu nenhuma chance de opôr resistência sem expor ela mesma ou seu amigo Jorge ao perigo. O segundo garoto pegou a mochila e pragejou: „Caralho! Está pesada!“ – „Cala a boca!“ o garoto com o revolver gritou. „Vamos dar no pé!“

Um momento mais tarde eles tinham fugido, deixando nossa super-heroína na praia, sozinha.

Carmen ficou sem fala. Sentiu uma dor imensa.

„Jorge!“ murmurou.

„Jorge!!“ disse.

„Joooooooorgeeeeeee!!!“ gritou.

Mas não ouviu resposta nenhuma.

 

2

Uma hora mais tarde Carmen estava sentada num posto da Polícia Civil. „Por favor, conte-me o que aconteceu“, o policial pediu. „Estava dando um passeio na praia quando de repente dois garotos apareceram e sequestraram meu amigo Jorge“, Carmen relatou. Entretanto tinha recuperado o sangue frio da agente profissional. Deu uma descrição exata dos criminosos. O policial lhe mostrou uma série de fotos. „Esse!!!“ Carmen gritou quando reconhecou um deles. „Esse foi o sequestrador com o revólver!“ – „A senhora tem certeza?“ o policial bem-educado perguntou. „É um viciado bem-conhecido. Normalmente só rouba dinheiro e celulares. Até agora nunca envolveu-se num sequestro. Acho que seria complicado demais para ele.“ – „É ele, com certeza“, Carmen respondeu com firmeza. „Reconheço a tatuagem que tem no pescoço. É bem espalhafatosa, não é?“

O policial ficou convencido e ligou para a Polícia Militar para eles se dirigirem à favela onde o suspeito morava. „É tudo o que podemos fazer neste momento“, disse. „Vamos ver se os colegas o encontram.“

Depois ele pediu para Carmen contar um pouco mais sobre o desaparecido. „Preciso de mais informações para o Boletim de Ocorrência, sabe,“ ele explicou. Carmen não gostaria de ler a história nos jornais da manhã para não comprometer seu amigo. Por isso, decidiu-se por ser discreto e não contar tudo.

„Seu nome é Padre Jorge Mario. Trabalha de sacerdote na Itália.“ – „Um sacerdote? Na Itália? É rico? Pode ser que os sequestradores esperem um resgate exuberante?“ Carmen ficou preocupada. „Hm…“, murmurou, „não sei… Não, não acho… É membro de uma ordem muito pobre… Na verdade, a pobreza é seu ideal mais importante…“, Carmen contradisse. „Embora as igrejas dessa ordem pareçam bem esnobes“, nossa católica crítica pensou em segredo. „Então, não acho que faça sentido sequestrar um sacerdote tão pobre“, o policial falou em voz baixa, mais para si mesmo.

„Mas vamos começar com o boletim“, adicionou. „A senhora disse que trabalhava na Itália? Se chama Mario? Logo sua nacionalidade é italiana?“ – „Não, não é“, Carmen respondeu. „Só trabalha lá. Padre Jorge Mario é argentino.“

„O que?“ o policial gritou empalidecendo. „Um argentino? Nossa! Pobre criminoso… Agora tem um sacerdote argentino na sua casa… ai, que susto! Se ele tivesse sabido que sua vítima era argentina, com certeza o teria matado no próprio local!“

Neste momento, Carmen levantou-se, magoada, e saiu da delegacia sem despedir-se.

„Parece que tenho que resolver o caso sem a ajuda da polícia brasileira“, sussurou amargurada.

 

3

„Espere! Não aguento mais!“ o sequestrador arrastando a mochila arquejou. „O que é?“ seu camarada perguntou. „Esta maldita mochila é pesada demais“, primeiro respondeu. „O consumo de drogas pode prejudicar gravemente sua capacidade esportiva“, Jorge pensou dentro da mochila.

Os dois criminosos pararam e o primeiro pôs a mochila na terra. „Deixe-me ver o que tem dentro“, disse. Abriu o zíper e assustou-se. „Olhe!!! Mas… quem é você?“ perguntou boquiaberto a Jorge.

O Santo Pai ficou calado. „Melhor não falar“, pensou intimidado. „Quem é você???“ os dois sequestradores gritaram com ele. „Lo siento, no los entiendo, no hablo portugues“ („Lamento, não entendo vocês, não falo português“), Jorge disse em espanhol. Os sequestradores ficaram desorientados. „Ao que parece é estrangeiro“, o primeiro disse. „Olhe que vestido estranho! Parece árabe… embora seu idioma não soe árabe…“ o segundo adicionou. „O consumo de drogas pode também prejudicar seu nível educacional“, Jorge pensou mas ficou calado. „De qualquer forma não devemos levá-lo conosco!“ o segundo sequestrador decidiu.

O primeiro ficou com pavor. „Vá, baleie ele!“ ordenou. „Você está maluco? Isso só chamaria a atenção da polícia! Não, ele é um ancião decrépito; deixamos ele aqui na mata e vamos dar no pé!“ – „Tá“, o primeiro disse e jogou Jorge à terra. O papa viu estrelas. „¡Ay!“ gritou em espanhol acentuando o primeiro ponto de exclamação invertido para eles acreditarem que ele é estrangeiro. Os sequestradores ficaram ainda mais confusos mas pegaram a mochila e preparam-se para fugir.

Nesse momento o primeiro olhou os tênis vermelhos do Papa. Eram novinhos em folha e da marca Prada. Carmen os tinha dado de presente a seu amigo antes de partirem para as férias. „Espere!“ o criminoso ordenou. „Preciso desses tênis!“

„¡Puta madre!“ („Caralho!“) Jorge murmurou quando os sequestradores tinham desaparecido. „Já não é sem tempo para implantar protéses…“.

 

4

No entretanto Carmen tinha voltado ao hotel onde ligou o computador. Logou na VatiCloud e tentou localizar o Vatifone (celular do provedor do vaticano) do Papa. O sistema funcionou perfeitamente. O celular de Jorge estava numa favela perto do lugar do assalto. Pegou seu Vacafone (celular do provedor especial dos agentes secretos bovinos) e mandou uma mensagem por Whatsapp para o Papa: „Olá amigo!“ Esperou uns segundos até que o segundo gancho ficou azul. Mas não recebeu resposta nenhuma. Carmen ficou ainda mais preocupada. „Tem duas possibilidades“, nossa agente esperta pensou. „Talvez não possa responder por uma causa qualquer“, pensou. „Ou possivelmente aqueles caras roubaram o celular e Jorge esteja ficando noutro lugar. De qualquer maneira tenho que pesquisar o celular primeiro, quer dizer, imediatamente.“

Carmen buscou sua pistola Walther PPK e mais uma arma de fogo automática do cofre do quarto e as ocultou sob seu vestido flamenco. Também colocou munição suficiente na sua bolsa da marca Prada. Foi à rua onde viu uma moto estacionada. Montou nela e em menos de um segundo conseguiu arrancá-la com curto-circuito. Logo depois correu para a favela onde tinha localizado o Vatifone do Papa.

 

5

Depois dos garotos fugirem, Jorge ficou meditando sobre sua situação. „Que tentação ficar aqui na mata, neste lugar pacífico em vez de voltar ao Vaticano onde todas essas obrigações cansativas estão me esperando! Mas seja como for, tenho certeza que minha amiga fiel está me procurando. Tenho que ligar para ela.“ Jorge pôs a mão no bolso do sua bata. „Deus me livre! Agora me lembro. O colocou na mochila uns momentos antes do assalto. Agora estará nas mãos dos assaltantes. Não posso ligar para minha querida amiga. Tenho que voltar ao hotel já para ela não ficar preocupada! Ou ainda melhor, ir ao posto de polícia mais perto!“

Jorge tentou levantar-se. Mas não consegiu. A dor nos quadris foi insuportável. Tentou de novo. Foi imposível.

„Talvez seja mais uma prova que o Senhor me inflige“, Jorge pensou e começou a rezar.

 

6

“Que saco! Esse troço tá protegido por um código!” um dos sequestradores enervou-se com o Vatifone que tinha descoberto na mochila depois de voltar para casa. “Deixe-me ver”, seu cúmplice pediu. “Que coisa estranha. Nunca vi um celular assim. Parece-se com o iPhone, mas não é. Não tem maçã no verso. Só vejo um crucifixo…”

“Um crucifixo?” o primeiro levou um susto. Na verdade, embora ele seja um criminoso viciado e ao mesmo tempo o cabeça de uma quadrilha de má fama, também era muito supersticioso. “Puxa vida! Você acha que esse cara era padre? Então é melhor desligá-lo! Dá azar assaltar um padre!”

“Tá falando besteira!” o segundo respondeu. “Como você pensa que o celular dum padre dá azar?”

“Mas você não saca nada! Com certeza dá azar! Talvez eles já estejam tentando localizar-nos!”

“Quem, eles?”

“Seus colegas, o Papa, os santos, os anjos… sei lá”, o cabeça da quadrilha de muita má fama gritou quase histericamente. “Desligue-o! Já!”

“Não posso”, seu colega respondeu encolhendo os ombros. “Sem código não é possível desligar.”

“Então, temos que levá-lo para fora antes que eles nos localizem!”

“Tarde demais!” Carmen disse num tom irônico. Estava na porta, tinha uma arma em cada casco e apontava para os dois criminosos.

 

7

“Tem razão! Realmente dá azar assaltar um padre. E agora: Não se mexam! Nem pensem em fugir!”, Carmen adicionou.

“Quem é você para me ameaçar no meu próprio território?” o cabeça da quadrilha de má fama ficou com raiva.

“Eu sou Carmen. O anjo da vingança”, nossa super-heroína bem-humorada respondeu.

“Eu te disse…”, o sequestrador murmurou para seu amigo. Depois de um momento de silêncio ele fez uma oferta. “Tá certo, parece que no momento você tem os melhores argumentos. Vamos devolver tudo, a mochila, a carteira, o celular, e você some, de acordo?” Em segredo, o criminoso já estava planejando perseguir Carmen com sua quadrilha. Ele era o cabeça e não podia tolerar uma vaca dando ordens a ele, nem sequer uma vaca armada e vestida com um vestido de flamenco!

 

8

De repente, Jorge acordou dum sono profundo. Olhou para trás e notou os raios e os trovões duma tempestade aproximando-se. A noite já estava caindo sobre a mata. Pouco a pouco se lembrou do que tinha acontecido. Tinha uma atmosfera assustadora nesta mata abandonada.

“Não estou sozinho”, pensou. “O Senhor está comigo”, Jorge tentou consolar-se.

Neste mesmo momento um raio caiu ao lado dele. Quando seus olhos tinham recuperado-se da intensidade da luz, Jorge viu os contornos duma pessoa que tinha aparecido em frente dele. Estava vestindo uma vestimenta esplendorosa de cor vermelha e branca. Tinha na mão um machado de dois gumes. Jorge se lembrou dum livro sobre as religiões afrobrasileiras que tinha lido no avião. A pessoa parecia-se com uma ilustração nesse livro. “Deve ser um sonho”, pensou. “Ou uma alucinação. Meu médico me advertiu que isso podia acontecer nas pessoas idosas quando elas não bebem o bastante.” Jorge fechou os olhos e esperou que a alucinação desaparecesse.

“Não tenha medo”, Jorge ouviu a pessoa falar num tom muito amigável. “Sou Xângo, o Senhor da Justiça. Vim para cá para salvar você.”

Jorge abriu os olhos. Sabia que não estava nem sonhando nem alucinando. “Kawô Kabiesilé”, Jorge cumprimentou o orixá.

Xângo sorriu. “Vem, te levo para tua casa”, disse.

“Vivam as cooperações afrobrasileiras!” Jorge pensou e voltou a cair no sono.

 

9

Depois de amarrar os dois criminosos na casa deles, Carmen saiu pela porta. Mas que susto! Se viu confrontada pela quadrilha que tinha reunido-se na frente da casa, ameaçando ela com todo tipo de armas de fogo. “Merda”, Carmen rosnou.

“Acabem com essa canalha”, ouviu gritar o cabeça da quadrilha de dentro da casa.

Nossa superheroína olhou para trás à procura duma possibilidade de fugir. Notou atrás do grupo uma pequena queda d’água. Fechou os olhos e pensou sobre suas oportunidades de chegar lá mas não viu nenhuma. Os gângsteres eram demasiados. A situação pareceu sem esperança. “O que meu amigo Jorge faria se estivesse em meu lugar?” se perguntou. E começou a rezar o terço.

Quando Carmen abriu os olhos, viu uma mulher aproximando-se daquela queda d’água. Estava vestindo uma vestimenta esplendorosa de cor vermelha e branca. Levava numa mão uma lança e um escudo na outra. Carmen se lembrou dum livro sobre as religiões afrobrasileiras que Jorge tinha lido no avião. A pessoa parecia-se com uma ilustração nesse livro. Se colocou atrás da quadrilha sem estar apercebida. Um momento mais tarde, ela emitiu um grito fazendo toda a favela vibrar. Os membros da quadrilha deixaram cair as armas e começaram a tremer de medo. “É a Obá! Vamos dar no pé!” gritaram. Dentro de poucos segundos, todos tinham fugido.

“Oi!” Carmen cumprimentou sua salvadora. “Quer dizer: Obá Xirê!” – “Ah é?” a orixá perguntou sorrindo. “A senhora me conhece?” – “Claro”, Carmen respondeu. “Conheço todas as rainhas guerreiras. Somos quase colegas, não é?”

As duas superheroínas se deram um aperto de mão. “Muito prazer em conhecê-la!” Carmen disse. “O prazer é todo meu”, Obá respondeu sorrindo. “Tá bem. Vamos, vou levar você para casa”, a orixá propôs.

 

10

Jorge, acompanhado por Xangô, e Carmen, na companhia da Obá, chegaram quase ao mesmo tempo na pousada de nossos super-heroís. Carmen e Jorge se abraçaram, ambos lutando para conter as lágrimas.

No jardim da pousada, já estavam sendo esperados por uma grande turma, todos vestidos de branco, que cumprimentou os dois com respeito como se fossem orixás duma religião estrangeira. Os fiéis admiraram seus hábitos extraordinários: a vestimenta do Papa e o vestido de flamenco de Carmen.

Carmen e Jorge receberam cadeiras na primeira fila. Havia um ambiente muito festivo. Uma banda começou a tocar tambores e demorou pouco até os primeiros filhos de santo chegarem dançando em torno de um altar que estava na grama.

Na decorrência do ritual, Carmen e Jorge foram convidados para dançar também. Inicialmente, Jorge tinha dúvidas por causa da artrose, mas de surpresa suas dores tinham desaparecido completamente e dançou como um jovem. “Deve ser um efeito colateral do raio que caiu ao meu lado naquela mata”, ele achou. Na verdade, já tinha entrado em transe que, como se sabe na psicologia, as vezes serve para aliviar todos os tipos de dores. Dançando, Carmen também caiu em transe. Sacudiu a cabeça e os cascos e gritou assustadoramente como uma verdadeira rainha guerreira. Finalmente, eles deram abraços nos fieis.

Foi uma noite inesquecível para nossos heróis.

 

11

No dia seguinte, quando Carmen acordou e foi para fora, no jardim, lá tudo parecia normal. Não havia nem sombra da noite passada, da festa, dos orixás. “Isto não passou de um sonho?” ela se perguntou.

Um momento mais tarde, Jorge apareceu na porta da varanda. “Bom dia, querida”, disse esticando os braços. “Tive um sonho muito estranho. Mas seja como for, hoje é o primeiro dia de nossas férias em que estou ficando sem dores! E agora, estou com uma fome de leão!”

Assim terminaram as férias de nossos heróis tão simpáticos quanto corajosos. De tarde, quando estavam sentados no vôo de regresso, Jorge tirou um livro de sua bagagem de mão e começou a folhea-lo.

“Que coisa estranha”, disse olhando uma ilustração que mostrou uma pessoa vestindo uma vestimenta esplendorosa de cor vermelha e branca. “De certa forma me parece familiar.”

Carmen, um pouco avoada, fez sim com a cabeça.

 

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