Prolog: Wer ist Carmen de Ronda?

She’s a Killer Queen

Gunpowder, guillotine

Dynamite with a laser beam

Guaranteed to blow your mind

Anytime

(Queen)

 

1. Kindheit und Jugend einer bisexuellen Doppelagentin

Alle glücklichen Kühe sind einander ähnlich, jede unglückliche Kuh ist unglücklich auf ihre Weise.

Carmen hatte eine unglückliche Kindheit. Sie wurde als Tochter eines reichen Kampfstiers und seiner ebenso hübschen wie bedeutungslosen Gattin in der Nähe der Stadt Ronda geboren. Der Vater hatte einmal in heldenhaftem Kampf in der Arena von Ronda einen Torero getötet. Daraufhin war ihm die Freiheit geschenkt worden. Die Familie lebte auf einem großzügigen Anwesen in der Serranía de Ronda.

Carmen hatte drei Brüder, Rodrigo, José und Miguel, die zu Kampfstieren heranwuchsen und vom Vater deutlich bevorzugt wurden, denn der hatte für seine Tochter wenig übrig. Während die Brüder von diversen Hauslehrern unterrichtet wurden, musste Carmen ihrer Mutter im Haushalt helfen. Ihre Mutter war keine Unterstützung, denn die war es gewohnt, sich widerstandslos dem Willen ihres Gatten zu unterwerfen.

Was blieb Carmen also anderes übrig, als sich in eine Traumwelt zu flüchten, in der sie nicht übersehen und verachtet, sondern bejubelt und verehrt wurde.

Carmens großer Traum war die Bühne.

Bereits als junge Färse entdeckte sie ihre Liebe zu Tanz und Gesang. Heimlich traf sie sich mit Freundinnen und übte Flamenco. Doch durfte sie sich dabei von den Eltern nicht erwischen lassen. Als sie zur Überraschung ihrer Familie bei einem großen Fest zu Vaters Geburtstag als Tänzerin mit dem rührenden Lied „Papá, te quiero“[1] auftrat, war seine Reaktion verheerend. Sein Gesicht erstarrte, er wandte sich ab. Der höfliche Applaus einiger Gäste am Ende des Liedes war dünn. Am nächsten Tag erhielt sie vom Vater eine Gardinenpredigt, Hausarrest und das strikte Verbot, jemals wieder auf diese Weise die Familienehre in den Schmutz zu ziehen. Sängerinnen hatten zu jener Zeit allgemein einen schlechten Ruf.

Nun war das Maß der Demütigungen voll. Carmen packte ihre Sachen, stahl sich in der Nacht von zuhause weg und floh nach Paris. Ihr Vater leugnete fortan, jemals eine Tochter gehabt zu haben. Ihre Mutter starb bald darauf an gebrochenem Herzen.

Doch siehe da, in Paris schien sich das Schicksal für Carmen zu wenden, denn aufgrund ihres Temperaments, ihrer fraglosen künstlerischen Talente und einiger gefälschter Empfehlungsschreiben, aber vor allem aufgrund ihres selbstbewussten Auftretens, bekam sie ein Engagement an der Oper. Zunächst waren es eher kleine Rollen, doch Carmen konnte warten. Sie arbeitete wie besessen an ihrer Kunst.

Das Leben in der Großstadt war teuer und das Gehalt der bezaubernden jungen Künstlerin passte nicht zu dem Lebenswandel, den sie für sich als angemessen betrachtete. Glücklicherweise konnte Carmen zunehmend Verehrer aus der besseren Pariser Gesellschaft für sich einnehmen, von denen sie diskret aber großzügig unterstützt wurde. Doch nicht nur Geld floss ihr zu. Der ein oder andere Impresario verwendete sich am Theater für sie. So bekam sie nach und nach immer größere Rollen, bis sie schließlich zu einer der am meisten gefeierten Opernsängerinnen der französischen Hauptstadt aufstieg. Ihre Paraderolle wurde die Königin der Nacht in Mozarts Zauberflöte: „Der Hölle Rache kocht in meinem Herzen!“ Carmen wirkte authentisch, denn sie verkörperte sich selbst. Psychoanalytiker hätten sie als „Hysterika vom Rachetypus“ bezeichnet.

Einem Verehrer nach dem andern brach sie mit ihrer Launenhaftigkeit das Herz, woraufhin die Unterstützung jeweils bald eingestellt wurde, denn diese Männer waren meist Geschäftsleute und gewohnt, nur in aussichtsreiche Projekte zu investieren. Es dauerte aber niemals lang, bis sie dem nächsten den Kopf verdreht hatte.

Unter ihnen war ein junger Schriftsteller namens Prosper Mérimée. Einige Jahre nutzte Carmen ihn einerseits schamlos aus und wies ihn andererseits regelmäßig ab. Eine Hysterika wie Carmen verspricht meist viel und hält wenig, während ein depressiver Mann wie Mérimée geneigt ist, Demütigungen und Enttäuschungen in hündischer Duldsamkeit anzunehmen und weiter auf ein Wunder zu hoffen. Das natürlich niemals geschieht.

Trotz der Stabilität dieses Arrangements kam es schließlich zum Bruch, denn eigentlich hatte Carmen für den blassgesichtigen Schreiberling nur Verachtung übrig. Ein richtiger Mann musste eben so sein wie ihr Papá oder ihre Brüder! Als er sie eines Tages wieder einmal in weinerlicher Weise anflehte, sie doch endlich zu erhören, verlor sie endgültig die Nerven und brüllte ihn an: „¡Cállate de una puta vez! Vete al carajo, debilucho!“[2]  Mérimée war ein gebildeter Mann. Er verstand und zog sich in sich selbst zurück.

Mérimée verarbeitete sein Unglück mit Hilfe eines einfühlsamen Psychiaters zu einem Roman, worin er der Carmen sein Unglück ein wenig vergalt und sich gleichzeitig einen Herzenswunsch erfüllte, indem er sie am Ende der Geschichte als Geliebte sterben ließ.

Doch wenn jemand etwas von Rache verstand, dann war es Carmen. Als sie das Buch gelesen hatte, beeilte sie sich, aus Mérimées kleiner Gemeinheit das Beste für sich herauszuholen. „¡Espera… te arrepentirás… que puñetera mierda!“[3] fluchte sie und raste mit dem Buch in der Hand und wehenden Rockschößen zu einem jungen und begabten Komponisten, der sogleich den Wert des Stoffs erkannte und ihn zu einer Oper verarbeitete, in der er der Carmencita für alle Zeiten ein musikalisches Denkmal setzte. Selbstverständlich sang sie die Titelrolle.

Bei der Uraufführung jedoch reagierte das Pariser Publikum eher kühl. Die Gesichter ihrer Verehrer erstarrten. Der höfliche Applaus einiger Zuschauer am Ende der Oper war eher dünn.

„¡Tócame los cojones!“[4] murmelte Carmen als der Vorhang fiel.

In der folgenden Nacht verschwand die Carmencita für immer aus Paris. Mit unbekanntem Ziel.

[1] Papa, ich liebe Dich!
[2] Halt endlich die Klappe! Scher dich zum Teufel, Du Weichei!
[3] Warte… das wirst Du bereuen… verfluchte Scheiße!
[4] Sinngemäß: Leck mich am Arsch! (Wörtlich: Fass mir an die Eier!)

 

2. Carmen in Israel – Lehrjahre einer bisexuellen Doppelagentin

Die folgenden Jahre verbringt Carmen in Tel Aviv. Dort studiert sie einige Semester Medizin und eignet sich insbesondere bemerkenswerte operative Fähigkeiten an. Aber auch für die Psychiatrie interessiert sie sich sehr.

Parallel dazu absolviert Carmen beim Q-Sad, einer Eliteabteilung des israelischen Geheimdienstes, eine Ausbildung zur Agentin. Hier lernt sie Abigail, ihre israelische Ausbilderin, kennen und lieben. Carmen erlernt Krav Maga[1] und macht sich mit unterschiedlichsten Waffensystemen vertraut. Außerdem macht sie den Pilotenschein.

Zum Abschluss der Ausbildung erhält Carmen eine Walther PPK und den Titel einer 0815-Agentin mit der Lizenz zum Vögeln.

Anschließend kehrt sie nach Europa zurück. Seitdem führen Carmen und Abigail eine Fernbeziehung.

[1] Hebräisch: Kontaktkampf

 

3. Carmen macht sich selbständig

Im Mai 2013 beschließt der Deutsche Bundestag das Ende des deutschen Drohnenprogramms.

Carmen ersteigert auf eBay günstig eine Drohne Modell EuroHawk. Da sie nichts von Distanzwaffen hält, lässt sie die Drohne mit zwei Sitzplätzen (Alcantarabezug, Sitzheizung) ausrüsten. Das ist schlau, weil jeder denkt, eine Drohne wäre unbemannt. Carmens Drohne wird aber direkt an Bord von ihr selbst gesteuert. So kommt sie schnell von einem Ort der politischen Bühne zum nächsten. Weitere Extras: Drohnenradio mit BOSE-Soundsystem und Bluetooth-Schnittstelle zum Anschluss ihres Q-Pad, Panorama-Glasdach, Blue Efficiency Technology zum Kerosin sparen, Drohnenbar und folglich auch Drohnenklo (Fassungsvermögen: bis zu 1.000 Liter Kuhpisse), Ozonkonverter zur Reinhaltung der Atemluft an Bord, Mantelstromtriebwerke mit Schalldämpfern zum Umweltschutz, hochklappbare Tragflächen zum platzsparenden Parken und diverse Waffensysteme, von denen später noch die Rede sein wird.

An den Seiten befinden sich jeweils Aufkleber „CD-B“ (Corps Diplomatique – Bovine) – womit sie Immunität genießt und auch in Innenstädten straflos falsch parken kann.

Anfang Juni 2013 meldet Carmen ihre Drohne an. Heimatflughafen ist Köln-Wahn, wo Carmen günstig einen kleinen Hangar mieten kann.

Mitte Juni 2013 nimmt Carmen ihre Arbeit als Doppelagentin auf.

Carmen ist übrigens katholisch und gut befreundet mit Jorge, dem Heiligen Vater.

Drei, zwei, eins... Meins! Carmens Drohne
Drei, zwei, eins… Meins! Carmens Drohne

 

 

Segue a versão portuguesa para nossos fãs brasileiros
– com o apoio gentil de Shirleide, minha querida professora de português – obrigado!

Quem é Carmen de Ronda?

Infância e juventude de uma agente dupla bisexual

Todas as vacas felizes são iguais. As infelizes o são cada uma a sua maneira.[1]

Carmen teve uma infância infeliz. Nasceu perto de Ronda, uma pequena cidade na Andaluzia. Era a filha dum touro bravo que tinha trabalhado na arena de Ronda e de sua mulher que era tão bonita quanto insignificante. Uma vez, num combate heróico na arena, seu pai tinha derrotado e matado um toureiro. Por isso, ao touro foi dada a liberdade. Desde então, a familia morava numa fazenda grande na Serranía de Ronda.

Carmen tinha três irmãos mais velhos, Rodrigo, José e Miguel que cresciam como touros de lide também. O pai gostava mais deles e não se interessava muito por sua filha. Enquanto os irmãos eram ensinados por um professor particular, Carmen tinha que ajudar sua mãe a fazer o serviço de casa. Sua mãe não lhe prestava ajuda porque estava acostumada a sujeitar-se à vontade de seu marido.

Que outra opção restava a Carmen a não ser fugir para um mundo de sonhos, onde não era desconsiderada e não vista, mas sim aclamada e adorada.

Seu sonho maior era o palco.[2]

Já quando criança, Carmen descobriu sua paixão pela dança e pelo canto. Encontrava-se em segredo com amigas para praticar o flamenco. Mas seus pais não poderiam saber disso. Quando, de surpresa, entrou em cena como bailarina no quinquagésimo aniversario do seu pai, cantando uma música comovente “Papá, te quiero”[3], sua reação foi devastadora. Sua cara congelou, e ele se afastou dela. O aplauso cortês de uns convidados foi bastante pobre. No dia seguinte foi xingada pelo pai, foi proibida de sair de casa e foi proibida rigorosamente de sujar a honra da familia desta maneira mais uma vez. As cantoras tinham uma péssima reputação naquela época.

Carmen estava farta de humilhações. Ela fez sua mala e na noite seguinte deu no pé para Paris. Em seguida, seu pai negou jamais ter tido uma filha. Pouco depois, sua mãe morreu de coração partido.

Em Paris o destino de Carmen mudou. Por seu temperamento vivo, seus talentos artísticos e algumas cartas de recomendação falsificadas, mas sobretudo por seu comportamento seguro de si mesma, ela obteve um engajamento na ópera de Paris. No começo, os papéis eram menores, mas Carmen podia esperar. Ela trabalhava obcecadamente no desenvolvimento de suas habilidades artísticas.

A vida nesta cidade grande era cara e o salário de nossa jovem artista encantadora não condizia com o estilo de vida que Carmen achava apropriado para ela.

Felizmente ganhava mais e mais admiradores na alta sociedade de Paris os quais a subvencionavam generosamente. Porém, não era só dinheiro que recebia. Alguns patrocinadores lutaram por ela no teatro de modo que pouco a pouco obteve papéis mais importantes até que ascendeu ao ponto de ser uma das cantoras de ópera mais celebradas da capital francesa. Seu papel preferido foi a Rainha da Noite na Flauta Mágica de Mozart: “A vingança infernal queima no meu coração!” Carmen dava uma impressão autêntica porque a pessoa que interpretou era ela mesma. Um psicoanalista a teria diagnosticado com “histeria de tipo de vingança”.

Com seu capricho rompia os corações de seus admiradores aos montes. Mas aqueles homens eram homens de negócios que estavam acostumados a financiar apenas projetos promissores. Quando Carmen os decepcionava, eles cessavam o subsídio. Apesar disso, nunca durava muito tempo até que outro perdesse a cabeça por ela.

Entre eles estava um jovem escritor, Prosper Mérimée. Por alguns anos Carmen aproveitou-se dele sem piedade enquanto rejeitava todas suas tentativas de aproximação. É importante saber que uma mulher histérica como Carmen sempre promete muito e cumpre pouco enquanto um homem depressivo como Mérimée é dado a aceitar humilhações e desilusões numa maneira mais tolerante, esperando todo o tempo por um milagre que – naturalmente – nunca acontece.

Apesar da estabilidade desta combinação, a relação rompeu, porque Carmen apenas sentia desprezo pelo escritor pálido. Um homem verdadeiro tinha que ser como seu pai ou como seus irmãos! Quando um dia Mérimée suplicou mais uma vez a ela que preenchesse seu desejo, ela perdeu os nervos e gritou com ele: “Por fim, fique calado! Vai-te à merda, bunda-mole!” Mérimée compreendeu e se retirou.

Com o apoio de um psiquiatra sensível, Mérimée digeriu a desgraça escrevendo um romance no qual conseguiu ganhar o amor de Carmen e finalmente a matou. Com isto cumpriu seus desejos de amor e de vingança ao mesmo tempo.

Porém, se alguém entende de vingança, é Carmen! Depois de ter lido o livro, ela se apressou para tirar o melhor dessa sacanagem para si mesma.

„¡Espera… te arrepentiras! ¡Que puñetera mierda!“[4] ela pragejou contra Mérimée. Com o livro na mão correu para um compositor jovem e talentoso, que já percebeu o valor desse material. Ele o transformou em uma ópera, que se tornou quase um monumento para Carmen.

Evidentemente, ela interpretou o papel principal.

Na estreia, porém, o público de Paris respondeu com desaprovação. Os admiradores de Carmen ficaram paralisados. O aplauso cortês foi mais reservado.

„¡Tócame los cojones!“[5], Carmen murmurou enquanto a cortina se fechava.

Na próxima noite, Carmen fugiu de Paris e desapareceu sem deixar rasto.

 

[1] “Todas as famílias felizes são iguais. As infelizes o são cada uma a sua maneira.” É o começo do romance famoso “Anna Kariênina” por Liev Tolstói.

[2] Talvez seja assim que formam-se muitas personalidades radicais: Em primeiro lugar as pessoas sofrem desrespeitos contínuos, causando sentimentos de raiva, sede de vingança e uma tendência a aceitar ideologias radicais, sobretudo se aquelas ideologias oferecem um líder carismático, uma sensação de proteção na companhia dos companheiros e se prometem reconhecimento e a reparação do vexame biográfico no futuro.

[3] Papa, eu amo você

[4] Espere… se arrependerá! Caralho!

[5] Com o sentido: „Vai tomar no cu!“, literalmente: „Toque meus colhões!“

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